König Boris tanzt durch die schlechten Träume

Gut gelaunt ist halb gewonnen: König Boris alias „Der König tanzt“. Foto: Jens Herrndorf
Gut gelaunt ist halb gewonnen: König Boris alias „Der König tanzt“. Foto: Jens Herrndorf
Foto: Jens Herrndorff
König Boris, ein Drittel der HipHop-Kombo „Fettes Brot“, wandelt auf Solopfaden. "Der König tanzt" heißt das Werk. Damit man ihn nicht sofort erkennt, hat er sich einen Blitz um die Augen gemalt und versteckt sich unter einem Hut. Ein Gespräch.

Essen. Allein die markante Stimme verrät den bekannten Sänger König Boris hinter seinem neuen Aufzug. Zum Interview kommt der Hamburger gut gelaunt, sein Debüt-Song „Alles dreht sich“ kletterte hoch in die Charts. Im Interview plauderte er über seine aktuelle Platte, seine erste Musikkassette und alternde Pop-Musiker.

Wie nenne ich Sie eigentlich – König Boris oder Herr Lauterbach?

König Boris: Also, die aktuelle Bezeichnung ist ja „Der König tanzt“, aber das ist vielleicht ein bisschen umständlich. König Boris geht natürlich immer, aber die meisten nennen mich in Wahrheit einfach Boris oder Herr Lauterbach.

Mit Fettes Brot haben Sie eine kreative Pause eingelegt. Die hat ja jetzt in Ihrem Fall nicht besonders lange gedauert.

König Boris: Stimmt. Aber ich hatte Bock, eine eigene Platte zu machen. Ich bin Musiker, führe ein ziemlich selbstbestimmtes Leben und darf damit mein Geld verdienen. Das ist doch toll.

Wie würden Sie die Musik, die sich auf Ihrer Platte befindet, beschreiben?

König Boris: Ich glaube, „Bad Dream Pop“ trifft es ganz gut. Es gibt ja gerade bei einigen deutschen Musikern den Trend, viel Schmusemusik zu machen. Ich wollte über die Gesellschaft singen und über die Welt, die uns gerade um die Ohren fliegt. Meine Musik ist ein bisschen verstörend, ein bisschen lauter. Und auch ein bisschen künstlicher. Eine Platte, die klingt wie Fettes Brot ohne die anderen beiden, braucht kein Mensch. Ich bin ja nicht nur mit Rap groß geworden, sondern auch mit Bands wie The Cure, Joy Division oder die Goldenen Zitronen.

So etwas wäre mit Fettes Brot nicht möglich gewesen?

König Boris: Das ist jetzt natürlich sehr theoretisch, aber mit HipHop hat meine Platte nix zu tun. Stattdessen spiegelt sich darin meine andere musikalische Sozialisation wieder – die 80er-Jahre. Mit Fettes Brot wäre das vielleicht auch gegangen, aber nicht ein ganzes Album lang.

Was war Ihre erste Scheibe?

König Boris: Meine erste Platte habe ich mit sechs Jahren bekommen, das war „Highway To Hell“. Meine erste Musikkassette habe ich mir damals für fünf Mark von meinem Taschengeld selbst gekauft, das mir meine Oma immer zugesteckt hat. Es waren die Pet Shop Boys.

Und was läuft aktuell auf Ihrem MP3-Player?

König Boris: Ich habe mir letztens nochmal die erste Platte von Kim Wilde besorgt. Die war besser, als man erwartet hätte. Und neulich war ich auf einem Konzert der britischen Elektro-Pop-Band Metronomy. Die waren spitzenmäßig.

Können Sie was mit der aktuellen deutschen Musik anfangen?

König Boris: Da gibt es schon gute Sachen. Kraftklub finde ich zum Beispiel ganz großartig. Ich finde es hervorragend, dass so eine junge und energiegeladene Band endlich mal ein bisschen Öffentlichkeit bekommt.

Sie sind inzwischen 37. Ist das Leben als Musiker heute anders als zu Beginn der Karriere?

König Boris: Das Leben an sich verändert sich. Aber es gibt Dinge, die fast besser sind als früher – so ein Album hätte ich früher alleine gar nicht machen können. Außerdem stimmt es ja nicht, dass man mit 20 ­früher nach jedem Konzert Party gemacht hat. Wenn man auch am nächsten Tag noch abliefern will, dann muss man sich seine Kräfte einteilen. Meine Mutter hat mal gesagt, dass man sich eigentlich immer gleich fühlt – egal, wie alt man ist. Alter ist irgendwie abstrakt und relativ.

Wir war es denn, ohne die beiden anderen Brote ins Studio zu gehen?

König Boris: Ich war ja nicht ganz alleine. Ich habe die Platte mit einem guten Freund, Arne Diedrichson, aufgenommen, mit dem wir schon ein paar Mal zusammengearbeitet haben. Allerdings ist es manchmal einfacher, wenn man einfach jemanden fragen kann und nicht immer selbst nach einer Lösung suchen muss.

Waren Sie eigentlich sehr aufgeregt, als Sie den anderen beiden die Lieder vorgespielt haben?

König Boris: Auf jeden Fall. Aber sie fanden den Sound cool. Gott sei Dank.

Und – Angst, dass Sie alleine nicht so abliefern wie sonst zu dritt?

König Boris: Nee. Ich bin zwar nur ein Drittel, aber die Musik ist dafür doppelt so gut. Das kann ich meinen Fans ganz klar versprechen.

  • Der König tanzt: Der König tanzt (Fettes Brot/Indigo)
 
 

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