Joe Jackson auf den Spuren der Jazzlegende Duke Ellington

Hier fühlt sich Joe Jackson wohl, am Duke-Ellington-Boulevard.
Hier fühlt sich Joe Jackson wohl, am Duke-Ellington-Boulevard.
Foto: Frank Veronsky
Joe Jackson huldigt auf seinem neuen Album „The Duke“ den Jazzer Duke Ellington. Dazu holte er sich ungewöhnliche Mitstreiter, unter anderem Iggy Pop. Ein Gespräch über neue Wege in der Musik und woran man eine gute Cover-Version erkennt.

Essen.. Schmächtig und filigran, hintersinnig und voller Widersprüche: Der Mann passt ins gängige Anforderungsprofil des glamourösen Popstars etwa so gut wie die Mickymaus in einen Catcherring. Die Rede ist von Joe Jackson (57): jenem grandiosen Heimatlosen im Niemandsland zwischen Pop, Jazz, Klassik und Elektro, dessen größter Hit („Stepping Out“) bereits 1982 auf dem Album „Night And Day“ erschien. Mit dem neuen Werk huldigt Jackson nun keinem Geringeren als dem legendären Jazzer Duke Ellington (1899-1974): „Ich verehre den Duke, aber ich wollte kein ehrfürchtiges Album machen.“ Mission erfüllt!

Auf „The Duke“ experimentieren Sie mit Elementen aus Rock, Funk, Reggae, sogar einer Art Techno. Stellen Sie sich mal Duke Ellington auf seiner Wolke im Musiker-Himmel vor. Was würde er sagen, wenn er Ihr Album hören würde?

Jackson: (Lacht laut) Also, wann immer ich eine Cover-Version von einem meiner Songs höre – was hin und wieder vorkommt –, dann fühle ich mich geschmeichelt. Selbst wenn ich sie schrecklich finde. Ich hoffe, bei Ellington wäre das genauso. Aber ich könnte mir auch vorstellen, dass er amüsiert wäre. Wissen Sie, ich konnte seinen Ruf ja nicht ernsthaft ankratzen. Das hat mir in gewissem Sinne erlaubt, alles zu machen, was ich wollte.

Sie setzen keinerlei Blasinstrumente ein, obwohl Sie selber ein guter Saxofonist sind ...

Um Gottes Willen! Saxofon spiele ich überhaupt nicht mehr. Damit bin ich wirklich ein Stümper.

Ich bitte um Nachsicht ...

Nein, ehrlich nicht. Aber zu der Geschichte mit den Bläsern: Das war die erste Regel. Wenn ich Saxophone, Trompeten. Klarinetten und Posaunen verwendet hätte, würde ich automatisch ein bisschen wie Duke Ellington klingen. Nur schlechter! Manchmal ergibt sich die Strategie eines Projektes aus den Dingen, die du gerade nicht tust. Wenn man sich bewusst einschränkt, fordert man die Phantasie heraus und kommt auf ganz neue Ideen.

Es ist schon ein imposanter Haufen von Musikern, den Sie da zusammengetrommelt haben. Jazzstars wie Regina Carter oder Christian McBride, den früheren Zappa-Gitarristen Steve Wai. Und sogar Iggy Pop, den Godfather oder von mir aus auch Großvater des Punk. Wie kam es denn dazu?

Ich hab ihn schon ein paarmal getroffen. Als ich mit dem Song „It Don’t Mean A Thing“ experimentierte, dachte ich, dass eine zweite, viel tiefere Stimme reizvoll wäre. Auf einmal hörte ich Iggy in meinem Kopf. Also habe ich ihn gefragt.

Hat er sich lange bitten lassen?

Gar nicht. Es war nur etwas schwierig, weil er gerade auf Tour war. Wir haben uns dann in Miami getroffen, wo er ein paar Tage frei hatte, um den Part einzuspielen.

Ich fand das Duett sehr lustig. So ein bisschen: Guter Bulle – böser Bulle.

Wer war der Böse? (lacht)

Was glauben Sie: Was zeichnet eine gute Cover-Version aus?

Oh ... gute Frage. Ich denke, sie sollte einen Song aus einem völlig anderen Blickwinkel zeigen.

Das schreit doch förmlich nach Beispielen.

(denkt lange nach) Ehrlich gesagt fallen mir ad hoc keine ein.

Dann nenne ich Ihnen ein paar. „Mad World“ in der Version von Michael Andrews und Gary Jules. „Nothing Compares 2U“, gesungen von Sinead O’Connor. Oder auch auf Johnny Cashs letztem Album „American IV“ ...

Oh ja! „Personal Jesus”! Perfektes Beispiel. Etwas ganz Eigenes, aber man erkennt sofort den Song. Ist ja auch gut so, sonst hätte man gleich einen neuen schreiben können (lacht).

Genau das haben Sie doch mit dem „Duke” gemacht – die Fäden aufgedröselt und zu einem neuen Stoff verwoben.

Ja, das war die Idee. Es ist ebenso ein Joe-Jackson-Album, wie es ein Duke-Ellington-Album ist. Das einzige, was ich nicht getan habe, ist die Original-Songs zu schreiben. Alles andere ist neu – vor allem die Arrangements. Aber auch die Produktion, der Gesang, die Instrumente, die ich spiele, das Bandleading ...

Wie lange haben Sie gebraucht, um das Album einzuspielen?

Ein paar Monate. Es wurde nicht alles zur selben Zeit aufgenommen. Manches in Amsterdam, in Los Angeles, aber das Meiste in New York.

Darf ich etwas fragen, das Ihnen vielleicht nicht gefällt?

Oops. Ja, aber ich weiß noch nicht, ob ich auch antworte.

Vor vielen Jahren hatten Sie einige Single-Hits. Allen voran „Stepping Out”, aber auch „Happy Endings” oder „Stranger Than Fiction”. Haben Sie sich endgültig davon verabschiedet, Singles zu machen?

Das bestimme nicht ich, sondern die Plattenfirma. Und wenn Sie von Pop-Singles sprechen: Ist das heutzutage eigentlich noch ein Markt? Wenn ja, dann einer, den Lady Gaga oder Bruno Mars bestimmen, nicht ich. Das Konzept der Single gibt es im digitalen Zeitalter ja gar nicht mehr im eigentlichen Sinne. Sechs-Inch-Platten, 45 Umdrehungen pro Minute – das ist Schnee von gestern.

  • Joe Jackson: The Duke (earMusic) Live: 16.10. Köln, Theater am Tanzbrunnen

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