In den Rocky Mountains finden sich noch echte Schätze

Wo mag er liegen, der Schatz? Um Verstecke zu finden, braucht man scharfen Verstand und einen scharfen Blick.
Wo mag er liegen, der Schatz? Um Verstecke zu finden, braucht man scharfen Verstand und einen scharfen Blick.
Foto: Getty
Ob in den Rocky Mountains oder auf dem Dachboden: Es gibt sie noch, die echten Schätze. Manchmal braucht man eine gute Nase, um sie zu entdecken, manchmal auch nur ein wenig Glück. Wir haben uns für Sie auf die Suche gemacht.

Essen. Gestern Abend saß Forrest Fenn wahrscheinlich wieder mit einem hochzufriedenen Lächeln an seinem Kamin in Santa Fe, so wie er es an sehr vielen Abenden getan hat, seit er vor drei Jahren einen der letzten echten Schätze vor den Augen der Welt versteckt hat. Damals, der 80. Geburtstag des ehrenvoll ergrauten, aber doch sehr fitten Kunsthändlers und Kauzes stand drohend vor der Türe, packte er eine Kiste voll mit Goldklumpen, Münzen, Jadefiguren und allerlei anderem Geschmeide, und fuhr damit nach Norden in die Rocky Mountains.

Dort versteckte er diesen doch erklecklichen Teil seines Vermögens, der Wert liegt über eine Million Euro, und löste damit ein Goldgräberfieber sondersgleichen aus. Als Schatzkarte gab er der Welt 24 selbst gereimte Zeilen in die Hand, an denen sich zahllose Menschen seither den Kopf zerbrechen.

230 Tonnen reinen Goldes auf Chalkidiki

Wo auf der Welt findet man denn heute noch echte Schätze? Unsere Welt scheint ihrer Mythen entkleidet, weiße Flecken auf der Landkarte muten in Zeiten von Navi und GPS als Relikt der Vergangenheit an. Echte Überraschungen gibt es nicht mehr… Nun, die echten Überraschungen sind zumindest sehr selten geworden. Doch es gibt sie immer noch.

Wer etwa sitzt auf so einem großen Schatz, dass er die jährliche Neuverschuldung Griechenlands zumindest zur Hälfte zahlen könnte? Na, die Griechen selbst! Die hocken auf der Halbinsel Chalkidiki auf etwa 230 Tonnen reinen Goldes, für das man unter Freunden zumindest 10 Milliarden Euro hinblättern müsste. Gemeinsam mit einem kanadischen Bergbaukonzern wollen sie den Goldschatz heben, zwölf Tonnen jährlich. Die Firma trägt den sinnfälligen Namen Eldorado.

Diamanten für 22 Milliarden Euro

Bei solchen Summen würde Charles Fipke wahrscheinlich eher milde Lächeln. Er musste zwar einst tief in die Tasche greifen (ca. 590 Millionen Euro), um die Ekati-Mine zu bauen. Doch sie beutete als erste die kanadischen Diamantenvorkommen aus, vier weitere folgten. Es wird geschätzt, dass Fipke seit den frühen 90er-Jahren Steinchen im Wert von fast 22 Milliarden Euro ans Tageslicht beförderte. Fipkes Frau, das sei nur nebenbei erwähnt, war auch nicht ganz erfolglos. Sie verdiente ironischerweise das meiste Geld damit, dass sie sich von ihrem Schatz trennte: Gut 92 Millionen Euro kassierte sie dank Scheidungsvereinbarung.

Es gäbe viele solcher Geschichten zu erzählen, von den Jägern des Mammut-Elfenbeins in der Tundra, von den Gräbern nach seltenen Erden – und von Weltraum-Cowboys, die auf Asteroiden im All nach Rohstoffen schürfen wollen.

Doch meist kann man mit beiden Beinen auf der Erde bleiben, solange es nur das Schicksal gut mit einem meint. So fand vor gut drei Jahren ein englisches Geschwisterpaar eine Vase beim Entrümpeln des Dachbodens. Das gute Stück hatte dort schon sehr lange gestanden und eine Untersuchung ergab, dass es wohl aus der Quianlong-Dynastie stammte und etwas wert sein könnte. Nun, das Auktionshaus Bainbridges fand das auch – und versteigerte das seltene Stück Porzellan für umgerechnet mehr als 50 Millionen Euro.

Ein sicherer Tipp: der Trödelmarkt

Nicht jeder verfügt über einen derart ergiebigen Dachboden. Deshalb hier ein heißer Tipp. Er lautet: Flohmarkt. Selbst in Zeiten, in denen man sich dank Ebay keinen Preisillusionen mehr hingeben mag, ist dies eine der letzten Fundgruben für kleine und größere Vermögen. Dort fand ein Pärchen eine Porzellanschale, übrigens ebenfalls chinesisch, für drei Dollar. Wert war sie 1,72 Millionen. Eine Berliner Studentin fand in ihrem Schlafsofa vom Flohmarkt ein Gemälde im Wert von 19.200 Euro.

Und auf einem Flohmarkt in Virginia kaufte eine Bummlerin eine ganze Kiste voll Gerümpel, darunter eine Plastikkuh und ein Bilderrahmen. Nur war das, was in dem hübschen Rahmen steckte, zufällig ein echter Renoir. Wie viel die Käuferin für den veritablen Ölschinken kassieren wird, ist ungewiss. Derzeit versucht das FBI zu ermitteln, was es mit dem 1951 aus einem Museum gestohlenen Gemälde auf sich hat.

Über Nacht sagenhaft reich

Egal ob großer oder kleiner Schatz, es gibt ihn noch, den Traum über Nacht sagenhaft – oder zumindest ein kleines bisschen – reich zu werden. Und wir geben uns zumindest dem Gedanken allzu gerne hin. Und mancher schnürt vielleicht in diesem Moment seine Schuhe und macht sich auf den Weg.

Übrigens: Vor wenigen Wochen gab Forrest Fenn der Welt einen weiteren Hinweis darauf, wo sein Millionenschatz verborgen liegt. Er hat die Kiste mindestens 1500 Meter über dem Meeresspiegel versteckt. Das macht die Sache ein wenig einfacher, denn zumindest in den Tälern der Rockies muss man nicht mehr suchen. Ansonsten hat man doch noch ein wenig Fläche zu beackern, denn die Rockies erstrecken sich von New Mexico bis Kanada, über 4800 Kilometer Länge. Wenn seine Gesundheit weiter mitspielt, wird Forrest Fenn also noch eine Menge zu lächeln haben, bevor jemand seinen Schatz hebt.

 
 

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