Immer wieder sonntags: Der Tatort macht die 1000 Folgen voll

Die besten Ermittler aus NRW (v.l.): Horst Schimanski (Götz George), Professor Dr. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers), Frank Thiel (Axel Prahl), Freddy Schenk (Dietmar Bär), Max Ballauf (Klaus Behrendt), Silke „Alberich“ Haller (Christine Urspruch), Martina Bönisch (Anna Schudt) und Peter Faber (Jörg Hartmann).
Die besten Ermittler aus NRW (v.l.): Horst Schimanski (Götz George), Professor Dr. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers), Frank Thiel (Axel Prahl), Freddy Schenk (Dietmar Bär), Max Ballauf (Klaus Behrendt), Silke „Alberich“ Haller (Christine Urspruch), Martina Bönisch (Anna Schudt) und Peter Faber (Jörg Hartmann).
Foto: WDR/MDR/dpa/Montage: Mazza
Der 1000. Tatort heißt wie der erste: „Taxi nach Leipzig“. Die Liebe der Deutschen zu ihrer Krimireihe lässt auch nach 46 Jahren noch nicht nach.

Essen.. Die Lage ist ernst in jenem Herbst 1969. Denn das Erste ist oft nur noch Zweiter. Immer öfter liegt das ZDF in der Zuschauergunst vorne. Vor allem „Der Kommissar“ macht den ARD-Verantwortlichen zu schaffen. Günter Rohrbach, damals Fernsehspielchef des WDR bittet seinen Redakteur Gunther Witte zum Waldspaziergang. „Wir müssen dagegenhalten“, soll er gesagt haben und um diesen Plan in die Tat umzusetzen, hat er einen klar umrissenen Auftrag an seinen Mitarbeiter: „Entwickeln sie mal eine Krimireihe.“

Witte entwickelt, ist aber „verwundert“, denn: „Mit Krimis hatte ich vorher nie etwas am Hut.“ Aber zum Glück fällt ihm die alte Hörspielreihe ein, die er so lange so gerne gehört hat. „Es geschah in Berlin“ hieß sie, lief am Samstagabend im RIAS und war eine Krimi-Doku, die reale, in der Stadt verübte Kapitalverbrechen spannend aufbereitete. Diese Kernidee greift der studierte Theaterwissenschaftler auf und überträgt sie auf das Fernsehen. Die Verbrechen, so sein Plan, sollen sich überall dort ereignen, wo das Erste seine Sender sitzen hat. Jede Anstalt kann ihren eignen Krimi drehen und muss dabei im Grunde nur ein paar Regeln beachten. Es gibt immer einen Kommissar. Die Fälle müssen in der Lebensrealität der Zuschauer angesiedelt sein. Es muss regional zugehen. Extreme Gewalt und Rückblenden sind verboten, das Privatleben der Ermittler ist tabu.

Mit dem Taxi nach Leipzig

Einen Titel für die neue Reihe hat Witte auch schon im Kopf : „Tatort“. Doch zunächst sind die Fernsehspielchefs der ARD alles andere als begeistert. Bei der Vorstellung des Konzeptes erntet Witte nach eigener Erinnerung „eisiges Schweigen“. Doch er lässt nicht locker, andere haben keine bessere Idee und drei Monate später geht alles plötzlich ganz schnell.

Am 29. November 1970 fährt Kommissar Trimmel mit dem „Taxi nach Leipzig“. Der NDR-Krimi sollte eigentlich die zweite Folge einer eigenen Reihe sein, nun wird er der erste „Tatort“ – und 61 Prozent der deutschen Fernsehzuschauer schalten ein. Logisch, dass schon bald Fall zwei folgt. Und Fall drei, vier, fünf. . .

Der Tatort zeigt, wie dieses Land zu welcher Zeit getickt hat

Nun also sind es 1000 in 46 Jahren. Eine lange Zeit, in der nahezu jedes Thema aufgegriffen worden ist, das gesellschaftlich relevant war: Sextourismus und Kindesmissbrauch, Neonazis und Gewalt gegen Obdachlose, deutsche Teilung und Wiedervereinigung, organisiertes Verbrechen und Weiße-Kragen-Kriminalität. Verpackt in Fälle, die nicht – wie oft behauptet – die Geschichte Deutschlands nacherzählen, aber die viel darüber verraten, wie dieses Land zu welcher Zeit getickt hat. 1978 löste mit Nicole Heesters die erste Frau als Mainzer Kommissarin Buchmüller einen Fall und viele Zuschauer waren irritiert. Heute gibt es 19 Ermittlerinnen – ebenso frech wie fähig, so schlau wie selbstbewusst. Und ohne Probleme, ihre Sexualität auszuleben, die von gleichgeschlechtlicher Liebe über One Night Stands bis hin zur Verpflichtung von Call Boys reicht. Irritiert ist längst niemand mehr.

Aber auch die Kommissare haben sich verändert. Sind sie früher, von Ausnahmen wie dem Zollfahnder Kressin mal abgesehen, eher aus der Kategorie brav und bieder, haben sie heute, entgegen der alten Regel manchmal mehr mit privaten Sorgen als mit Verbrechern zu kämpfen. Oder sie pendeln, wie Jörg Hartmann als Kommissar Faber, zwischen Genie und Wahnsinn.

Große Schauspieler-Namen verbinden sich mit der Serie

Vielleicht macht auch das den Tatort bei Schauspielern so beliebt. Jan Josef Liefers und Axel Prahl, Ulrich Tukur, Axel Milberg, Wotan Wilke-Möhring, Sibel Kekilli, Anja Schudt, Heike Makatsch, Maria Furtwängler oder Ulrike Folkerts – die Liste der Ermittler liest sich wie ein Who’s Who der deutschen Schauspiel-Elite. Plus Til Schweiger. Und auch wer zurückblickt, stößt auf große Namen. Hansjörg Felmy, Manfred Krug, Helmut Fischer, Hans Drache oder Klaus Löwitsch sind nur ein paar von ihnen. Und natürlich Götz George alias Horst Schimanski, der den Tatort nach Ansicht vieler Experten Anfang der 1980er Jahre auf ein neues Level hebt, wenn er in Duisburg ermittelt.

Witte ist damals Tatortkoordinator der ARD. Er bestimmt Sendereihenfolge und hat die Marke an sich im Blick. Und er passt auf, dass es nicht drei Mal hintereinander um ein Beziehungsdrama geht. Auf den grundsätzlichen Inhalt der einzelnen Tatorte aber hat Witte keinen Einfluss.

Der Tatort aus Münster hat viele junge Leute zurückgebracht

„Die ARD ist ein föderales System“, sagt Wittes Nachfolger Gebhard Henke. „Jede Rundfunkanstalt ist für ihren Tatort alleine zuständig.“ Und weil Henke auch aktueller Fernsehspielchef des WDR ist, ist er gleich für drei der erfolgreichsten Ableger der Serie zuständig. Köln, Münster und Dortmund. Er kennt sich also aus mit dem Tatort, aber bei einer Frage muss der 61-Jährige ebenso passen wie sein Vorgänger. „Warum die Reihe so erfolgreich ist“, sagt Henke, „kann auch ich nur vermuten.“

Da sei, vermutet er also, erst einmal, die große Beliebtheit des Genres Krimi. „Die Leute werden Krimis einfach nicht leid.“ Davon profitiert der Tatort. Und er pfeift auf die Regeln, die er sich einst selbst auferlegt hat. Etwa bei einem Ermittler-Paar wie Thiel und Boerne, die kalauernden Kriminalisten aus dem Westfälischen. „Der Tatort aus Münster“, sagt Henke, „hat viele junge Leute zu dieser Reihe gebracht.“ Und die haben dann irgendwann auch mal bei anderen Fällen eingeschaltet oder sich zum gemeinsamen Gucken in Kneipen verabredet. Sie kommentieren jeden Fall auch ausgiebig in den sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter. „Da macht ein Tatort auch Spaß, wenn er einem mal nicht so gut gefällt“, glaubt der Koordinator Gerhard Henke.

Der Tatort erfindet sich neu

„Der Tatort“, hat Gunther Witte oft gesagt, „erfindet sich immer wieder neu.“ Das ist ein Satz, den Henke sofort unterschreibt. „Unberechenbar“ wünscht er sich die Reihe. Allerdings nicht jede Woche. Grundsätzlich, glaubt er, müsse der Tatort ein klassischer Krimi bleiben, sich an die Regeln des Genres halten, denn: „Ausnahmen sind nur gut, wenn es Regeln gibt, gegen die sie verstoßen können.“ Halten sich alle Verantwortlichen daran, wird es wohl noch lange weitergehen mit diesem Format. „Diese Sendung“, ist der heute 81-jährige Witte schon seit Jahren überzeugt, „wird mich überleben.“

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Den ersten vergisst man nie

Mit dem ersten Tatort ist es vielleicht wie mit dem ersten Kuss. Es kommen andere, bessere auch, aber vergessen kann man ihn nicht. Geküsst worden wäre man vom bärbeißigen Paul Trimmel allerdings ungern: Er hat eine Wampe, trinkt Bier aus der Flasche, trägt Hosenträger und spuckt ungeniert Zigarrenkrümel in den Papierkorb. Einer wie er durfte so was. Dass Trimmel (den es vorher schon gab, bloß als Tatort-Type nicht) 1970 ins „Taxi nach Leipzig“ stieg, war eine seiner ungeniert servierten Finten, die man diesem in Hamburg lebenden Brocken auf den ersten Blick nicht zugetraut hätte. Denn Trimmel fingiert in der DDR eine Autopanne, worauf dem bundesdeutschen Publikum die schöne sächsische Tankwart-Frage „Is wos gabudd?“ zu Ohren kam.

Ein abgründiger Fall voller Fallstricke und Emotionen im geteilten Deutschland. Mit Walter Richter durfte der Pionier-Tatort auf einen Darsteller bauen, der beides konnte: An großen Theatern als Schillers König Philipp regieren, und für die ARD einem VoPo was aufs Maul hauen. So etwas vergisst man nicht. LvG

Wie die Kinski uns verführte

„Toller Film“ haben wir gesagt, als „Reifezeugnis“ 1977 im Fernsehen lief. Aber natürlich

war das gelogen. Es gab keine Verfolgungsjagden, keine Schießereien, eigentlich gab es gar nichts, was man als 16-Jähriger gerne sieht im Fernsehen. Bis auf Nastassja Kinski. Süß, hübsch und mit der Angewohnheit, sich in freier Natur zügig ihrer Kleidung zu entledigen. „Tolle Frau“ wäre also die Wahrheit gewesen. Erst viel später hat man gemerkt, was man da tatsächlich gesehen hat. Einen völlig anders aufgebauten Tatort, bei dem die Täterin schnell bekannt ist. Mit Christian Quadflieg und Judy Winter als liberalem Pädagogen-Ehepaar und Klaus Schwarzkopf als nüchternem Kommissar Finke hochkarätig besetzt, von Wolfgang Petersen sensibel in Szene gesetzt. Kein klassicher Krimi, fast ein Lehrstück darüber, wie sich Leben innerhalb Sekunden ändern können. Soll noch einer sagen, der Tatort hätte früher nichts gewagt. a.b.

Kalte Schnauze, heiße Nächte

Der Charme des Kaputten ist im Ruhrgebiet überall zu besichtigen, natürlich auch in Dortmund. Die größte Brachfläche aber ist wohl das Seelenleben von Hauptkommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) – auf dem Schreibtisch nichts als ein Kaktus, in den tiefen der Parkataschen Vorräte an Pillen, Bier und handfesten Traumata. 2012 ermittelte Faber erstmals in Dortmund, neun Folgen lang begleitete ihn bisher sein Team – Martina Bönisch (Anna Schudt), Nora Dalay (Aylin Tezel), Daniel Kossik (Stefan Konarske) – durch wenige Höhen und sehr tiefe Tiefen. In „Hundstage“ springt Faber ins kalte Wasser des Dortmunder Hafens, muss aber lange glauben, eine Mörderin gerettet zu haben. Der Mord weist wiederum Kollegin Bönisch auf die Spur einer Jahre zurückliegenden Kindesentführung und die Fehler, die sie damals machte. Fabers schon legendäre Kaltschnäuzigkeit zerbröselt in Psychologenhand („Warum sind sie Polizist geworden?“), bis in der Sommerhitze nur der Doppelkorn noch die Gemüter kühlt. Traurig? Aber nein. Wenn Faber und Bönisch durch die verschwitzte Nacht irren, zwei verlorene Seelen – dann zeigt das Revier sein schönstes, weil unkaputtbar romantisches Gesicht. hei

Mit dem Job verheiratet

Stoever und Brocki waren als Duo fast so gut wie Thanner und Schimanski, sie wirkten immer viel verheirateter als die meisten Ehepaare. Auch für die beiden gilt, was Dietmar Bär einmal gesagt hat: Wer beim „Tatort“ anfängt, hat ab sofort einen anderen Beruf: nicht mehr Schauspieler, sondern „Tatort“-Kommissar. Nach der Pensionierung schrieb Krug noch drei Bücher, Brauer machte als Hörbuchvorleser und Musicaldarsteller von sich reden. Dass dieses Duo in 17 Fällen Duette schmetterte, Jazz-Standards wie „Over The Rainbow“, verdankte es einer langweiligen Drehpause bei der verknoteten Folge „Tod auf Scharhörn“. Unvergessen aber bleibt „Traumhaus“, weniger wegen der entspannten Handlung (Krug & Brauer: „As Time Goes By“), sondern wegen eines anderen Paars: Ulrich Mühe und Susanne Lothar liefern als verzweifeltes Kleinbürger-Ehepaar Hebbel (!) – eine unerhört intensive Sozialcharakterstudie. JD

Raubein, trinkfest, Frauentyp

Mein Lieblings-Tatort: „Moltke“ von 1988 – natürlich ein „Schimanski“. Was für ein Blick auf das raue Leben im abgeranzten Teil Duisburg! Was für eine Kommissars-Type: Horst Schimanski, den Götz George als schmuddeliges Raubein darstellte! Laut war damals der Aufschrei der Ruhrgebiets-Oberen: „Datt soll datt Ruhrgebiet sein? So sind wir doch gaa nich“, hieß es in den Rathäusern.

Ja, auch ich wollte so sein wie dieser Schimmi: große Fresse, große Muskeln, trinkfest; ein Frauentyp halt. Beim Blick in den Spiegel musste ich einsehen: Da bleibt viel zu tun.

Ich ließ keinen Schimanski-Tatort aus. Bei „Moltke“ ging’s um Polen im Ruhrgebiet, um Vorurteile, um unten und oben in der Gesellschaft. Alles mit hervorragenden Schauspielern: neben George der unvergessene Eberhard Feik als Thanner, Chiem van Houweninge als Hänschen, die Ruhrpott-Duse Tana Schanzara. Ja, und: Dieter Bohlen!

Für die, die „Moltke“ nicht kennen, lässt sich der Inhalt schwer in einigen Sätzen zusammenfassen. Wer „Moltke“ gesehen hat, wird sich erinnern. Der Film beeindruckte gar kulturaffine Kreise: Der 214. Film der Tatort-Reihe erhielt als erster den Marler Grimme-Preis. luz

Grauschleier über der Stadt

Ach, was war es früher grau bei uns im Ruhrgebiet. Wer den smarten Kommissar Haferkamp (Hansjörg Felmy) in Essen durch die 70er-Jahre hetzen sah, der musste ja denken, dass bei uns nie die Sonne scheint. Selbst wenn Haferkamp in Nobelvierteln ermittelte, wirkte das immer noch, als hätte man ein paar Schmuckstücke auf einen Haufen Kohlenstaub gesetzt. Und böse Buben nahmen ihre Fluchtwege grundsätzlich über Industriegelände, so rannte er gleich im ersten Fall „Acht Jahre später“ durch ein Stahlwerk und machte – Achtung, schlechte Luft an der Ruhr! – gleich deshalb schlapp, weil er sich an dem undichten Ofen eine Kohlenmonoxid-Vergiftung zugezogen hatte. Wer das heute sieht, muss erstmal tief durchatmen. Und wird sich freuen, dass nicht nur die Kriminellen mittlerweile im Ruhrgebiet reine Luft haben. how

Spiel uns das Lied vom Tod

„Schickt die Kinder rasch zu Bette“, warnt der antike Chor im Vorspann. Auch sonst wird nach diesem Wiesbadener „Tatort“ im November 2014 nichts mehr sein, wie es war. Ein Todesballett in Zeitlupe, Kunstblut in Fontänen, zwei Männer, deren stechende Augenpaare sich fixieren, bis nur noch Schlitze zu sehen sind, man kennt das aus den alten Italo-Western. Mit „Im Schmerz geboren“ zieht „Spiel mir das Lied vom Tod“ in den „Tatort“ ein. Regisseur Florian Schwarz stellt mit 51 Leichen nicht nur einen Rekord auf, sondern zaubert den bösesesten Bösen aus dem Hut, den die Reihe je erlebt hat. Ulrich Matthes bringt als Supergangster auf Rachetour Schneemänner zum Frieren. Und sein Gegenspieler und ehemaliger Weggefährte Murot, den Ulrich Tukur stets zum gebrochenen Helden veredelt, leidet, weil er, der Kommissar, diesen Killer-Trip nicht bremsen kann. Florian Schwarz bricht in Form und Inhalt mit Lust und Ironie die Regeln des Sonntagabendkrimis auf: Der einzige „Tatort“, der auf die Kinoleinwand gehört hätte. fp

Ein ungleiches Paar

Kommissar Thiel (Axel Prahl) und Rechtsmediziner Boerne (Jan Josef Liefers), das ist Bier gegen Wein, Fußball gegen Fechten, Wollmütze gegen Maßanzug. Je dickköpfiger die beiden mit und gegeneinander agieren, je origineller ihr verbaler Schlagabtausch ausfällt, desto größer die Gunst des Publikums. Der eigentliche Mordfall kann beim Münsteraner Tatort auch schon mal in den Hintergrund rücken. Nur gut, dass im Laufe der Folgen eine Frau immer mehr aus dem Schatten des ungleichen Paares hervortritt: Rechtsmedizinerin Silke Haller, genannt „Alberich“ (Christine Urspruch). Wenn die Kleinwüchsige wie in „Krumme Hunde“ mit links die riesige Dogge bändigt, die die Männer auf die Fensterbank flüchten lässt, kriegt das Herrengespann den verdienten Dämpfer. Zwischen den unterschiedlichen Männlichkeitsbildern von Thiel und Boerne ist sie es, die mit Intelligenz, Fleiß und Schlagfertigkeit zur heimlichen Sympathieträgerin avanciert – weil diese Figur eben nicht nur Klischee ist. AnBE

Zahlen, Daten, Fakten: ein Blick in die Tatort-Akten

46 Jahre und 1000 Folgen lang wurden die Deutschen in jedem Tatort-Vorspann von den Augen von Horst Lettenmeyer (75) verfolgt. Zu ihm gehören auch die Beine im Vorspann.

2280 Menschen hat die Serie dahingerafft. Nur in 21 Ausgaben gab es keinen Todesfall. Der Tatort-Fundus hat das mitgezählt, eine private Internet-Seite, die sich seit Jahren mit der Krimi-Reihe beschäftigt.

332 Folgen begnügten sich mit einem Todesfall. 346 Mal waren zwei Opfer zu beklagen, drei Leichen wurden in 185 Folgen aufgelistet. Mehr als fünf Tote gab es in immerhin 47 Krimis. Was natürlich alles nichts ist im Vergleich zum Tukur-Tatort „Im Schmerz geboren“, in dem die Leute schneller starben, als man mitzählen konnte. Nach 90 Minuten waren es 51. Höchstwahrscheinlich.

856 Opfer wurden auf die klassische Weise erschossen. Mit weitem Abstand folgen als Todesursache erschlagen (254) und vergiftet (175). Es gibt allerdings auch Opfer, die geköpft, gehäckselt oder gefriergetrocknet wurden. Und einen haben die Mörder auch zu Schnaps gebrannt. Hat nichts genutzt, aufgeklärt wurden 99 Prozent aller Fälle.

2 Jahre nach seinem Ausstieg als Tatort-Ermittler Jan Casstorff kehrte Robert Atzhorn als Mörder zurück. Er war vielleicht der raffinierteste Täter. Im Münchner Tatort tötet er seine Frau, in dem er sie küsst. Was natürlich nur funktioniert, wenn das Opfer unter einer Erdnuss-Allergie leidet und der Mörder vor dem Austausch von Zärtlichkeiten ordentlich Nüsschen gegessen hat. Clever ja, aber nicht clever genug für die Hauptkommissare Batic und Leitmayr (Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl), die ihn am Ende überführen.

73 Fälle haben die Kommissare an der Isar gelöst, mehr hat noch kein Team geschafft. Die Kölner mit Ballauf und Schenk folgen mit 67 Fällen knapp dahinter. Dienstälteste Kollegin ist aber Lena Odenthal (Ulrike Folkerts), die bereits 1989 ihren ersten Mord klärte.

26 Millionen Zuschauer sahen „Rot – rot – tot“. Die meistgesehene Folge lief 1978. Curd Jürgens war dabei in seiner letzten großen Fernsehrolle zu sehen – allerdings als Täter, nicht als Ermittler. Schon vier Jahre zuvor kann Klaus Schwarzkopf den bis heute größten Marktanteil eines Tatorts erzielen. Als er am 20. Januar 1974 für die Folge „Nachtfrost“ zum vierten Mal in die Rolle des Kommissar Finke schlüpft, sind 76 Prozent der deutschen Fernsehzuschauer dabei.

1999 war Bundestrainer Berti Vogts im Tatort zu Gast. Dabei sind die Gaststars im Tatort ohnehin ein Kapitel für sich. Vogts hatte bei seinem Kurzauftritt unter dem Namen Jürgen Lampert einen ausgesetzten Hasen zu seinen Besitzern zurückgebracht und sprach dabei den legendären Satz: „Gib dem Kaninchen eine Möhre extra – es hat uns das Leben gerettet.“ Nicht vergessen ist auch Roland Kaiser, der im Münsteraner Tatort einen Schlagersänger gab, während Kollege Frank Zander – ebenfalls in Münster – einen Zuhälter spielte. Ja, auch die Toten Hosen sagten nicht nein, als die ARD anfragte. Mit einem für die Band nicht ganz untypischen Humor spielten sie in München mal eine Volksmusik-Kapelle.

1988 geschah, was man irgendwie verdrängt hat: Dieter Bohlen spielte im Schimanski-Tatort „Moltke“ den „Blonden im schwarzen Golf“, den extrem eifersüchtigen Freund einer Zeugin und sang auch noch. Einen Grimme-Preis bekam die Folge dennoch.

 
 

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