Immer mehr Paare lassen sich nach 40, 50 Jahren scheiden

Annika Fischer
Jahrzehnte sind sie zusammen gegangen, plötzlich trennen sich ihre Wege.
Jahrzehnte sind sie zusammen gegangen, plötzlich trennen sich ihre Wege.
Foto: Jakob Studnar
Das verflixte 50. Jahr: Noch nie hat es so viele alte Ehen gegen. Und noch nie brachen so viele auseinander. Warum trennen sich auf einmal Paare nach Jahrzehnten des Zusammenseins? Wir beleuchten dieses neue Phänomen „Scheidung im Alter“ und warum meistens die Frauen gehen.

Essen.  Charlotte* wartete 44 Jahre. Aber als es genug war, „bin ich aus dieser Tür gegangen und habe mich nie wieder umgedreht“. Nicht nach dem Mann, mit dem sie all diese Jahrzehnte geteilt hat, nicht nach dem Vater ihres Sohnes, nicht nach der Wohnung, der Ehe, den gemeinsamen Zeiten. „Ich wünsche ihm alles Liebe für sein Leben“, sagt die 64-Jährige. „Aber ich gehöre nicht mehr dazu.“

Charlotte lässt sich scheiden.

Es sind meistens die Frauen, die gehen. Und immer mehr gehen spät. Trennungen nach 40, 50 Ehejahren sind keine Ausnahmen mehr: Von 1975 bis 2005 hat sich die Zahl der Scheidungen nach 25 Ehejahren verdoppelt, seither steigt sie weiter an. Noch nie hat es so viele Altehen gegeben – noch nie brachen aber auch so viele auseinander. Knapp 14 Prozent der 179 000 bundesweit erfassten Scheidungen fielen 2012 auf ein Datum nach der Silberhochzeit. Nordrhein-Westfalen, das auch danach noch differenziert, zählte im vergangenen Jahr 85 Scheidungen nach der Goldenen. Warum? Weil Menschen mit wachsender Lebenserwartung von diesem Leben noch etwas (Schönes) haben wollen.

Charlottes Mann war „nie eine treue Seele“. Ein „Fremdgänger“, sagt sie gelassen, denn viel schlimmer fand sie, dass er log: „Eine seiner schlechtesten Eigenschaften.“ Sie nahm auch das hin, „ich kann viel ertragen“, sie hielt die Fassade aufrecht, wie Frauen ihres Alters es gelernt haben. Er sorgte für die Familie, gestritten haben sie selten – es war, wie es war. Doch dann kam die Diagnose. Krebs, bei ihm. Und was machte er? Nahm sich eine Freundin. Charlotte hat ihn gefragt: „Ich wohne hier, ich koche für dich, ich wasche für dich, demnächst pflege ich dich – stellst du dir das so vor?“ Es tat ja alles „schon lange nicht mehr weh“, sagt die 64-Jährige, aber dass die dauernden Verletzungen nun öffentlich wurden – „das brauchte ich nicht“.

Wenn er geht, ist meist eine Jüngere im Spiel

Wenn ER geht, weiß die Familienrechtlerin Heike Dahmen-Lösche mit Praxen in Duisburg, Düsseldorf und München, „ist der Grund meist eine neue, deutlich jüngere Partnerin“. Meist aber geht er nicht. „Männer sitzen das aus“, klagen ihre Frauen, in einem Scheidungsforum im Internet schreibt eine: „Im Bekanntenkreis habe ich es oft erlebt: Mann geht fremd, sieht aber keinen Grund, deswegen die Ehe zu beenden.“ Warum auch, bei der in diesem Alter oft noch klassischen Rollenverteilung verlöre er seine „Haushälterin“ und eine Summe Geld. Zudem haben Studien gezeigt: Verheiratete Männer leben länger und gesünder.

Und Frauen haben in dieser Generation meist dafür gesorgt. „Sie hat ihm den Rücken freigehalten“, sagt Anwältin Dahmen-Lösche, „ihr einziges Lebensziel war oft, ihm das Leben schön zu machen.“ Untergeordnet hätten sie sich, hört sie häufig von ihren Mandantinnen, „ich konnte nie etwas für mich tun“. Heute aber durchlaufen diese Frauen oft eine „Spät-Emanzipation“, wie die Psychologin Insa Fooken sagt. Gerade, weil sie statistisch länger leben, länger auch als ihre Männer, fragten sich viele: „Soll es so weitergehen wie bisher?“ Forscherin Fooken von der Universität Siegen hat eine empirische Studie zu Scheidungen nach langjährigen Ehen vorgelegt, die zeigt: Kriegs- und Nachkriegstöchter sind oft der klassischen Rollenverteilung verpflichtet, sehen aber in der modernen Zeit, in der sie alt werden, dass es auch anders gehen könnte – und sorgen nun für klare Verhältnisse. Sie wollen frei sein. „Ich habe mir meine letzten Jahre vorgestellt“, schreibt eine Frau im Netz, „und gewusst, dass ich so nicht leben kann.“ Sie wolle nicht mehr „nur Mutter und Putzfrau sein, ein praktisches Möbelstück“.

So schlimm muss es nicht immer kommen, aber tatsächlich gehen späten Trennungen oft lange Phasen der Ödnis voraus, Tage, Wochen, Jahre, in denen man sich nichts mehr zu sagen hatte. „Er streitet sich nicht“, sagt etwa Charlotte. „Er hört gar nicht erst zu.“ Sie sagt, ihre Ehe war zuletzt „eine sprachlose Geschichte. Meine Monologe gingen immer gegen die Wand.“ Das ist nun etwas, das viele Frauen beklagen – und auch ein Grund, warum in dieser Geschichte vor allem Frauen reden – in der Generation der Nachkriegskinder aber hat es System: Sie haben häufig nicht gelernt zu kommunizieren. „Zu reden war mit ihm nicht“, schreibt eine Frau in einem anderen Trennungsforum.

Man glaubt, die Antwort des Partners schon zu kennen

Der Essener Professor für Klinische Sozialarbeit und Diplompädagoge Michael Vogt fand heraus, „dass bestimmte Fragen gar nicht mehr gestellt werden, weil man glaubt, die Antwort des Partners im Voraus zu kennen“. In seinen Beratungsgesprächen erkennt er gerade bei Menschen, die lange zusammen sind, die „negative Charakteristik“ einer Kommunikation, die vor allem aus Verallgemeinerungen besteht: „Du bist“, „du hast“, „immer“, „nie“.

Sie hatten viel Zeit, so etwas einzuüben in den Jahrzehnten. Denn viele haben zusammengefunden wie einst Charlotte und ihr Mann: Kennen gelernt mit 18, „er wollte unbedingt heiraten“, aber das durfte man unter 21 Jahren damals nur mit Kind. „Dieser Generation“, sagt Professor Vogt, „war die Erfüllung äußerer Ansprüche, etwa die der Kinder, oft wichtiger, als die eigene Beziehung zu pflegen.“ Sie waren Eltern, später vielleicht Großeltern, Ernährer, Hausfrau, aber Partner? In der Rolle als Mit-Mensch haben viele einander nie richtig kennen gelernt. Oder sich auseinander entwickelt. Und mit den Rollen haben sich auch die Machtverhältnisse verändert.

Experte: „Die Grundbedürfnisse altern nicht weg“ 

„Die Grundbedürfnisse“ aber, weiß Michael Vogt, „altern nicht weg.“ Auch alte Menschen wünschen sich Liebe, Intimität, einen Partner, mit dem sie Wünsche und Werte teilen. Die Lebenszeit, notiert eine geschiedene 70-Jährige im Netz, ist „zu kostbar, um in einer liebesleeren Beziehung vergeudet zu werden“. Eine andere wagte sich noch vor dem Eintritt in die Rente an eine Bestandsaufnahme: Wie würde es sein, wenn sie plötzlich beide daheim wären? „Ich hätte einen kulturell desinteressierten, engstirnigen, geistigen Zwerg an meiner Seite.“

Charlotte indes hegt keinen Groll gegen ihren Mann, sie hat ihn geliebt, bis sie erkannte, „dass die ständigen Schritte auf ihn zu sinnlos“ waren. „Er hat als Single neben mir gelebt, und ich habe ihm das zugestanden.“ Deshalb hat sie auch keine Angst vor dem Alleinsein. „Ich war ja immer allein.“ Sie findet, sie muss jetzt nicht mehr hinten anstehen, sie will jetzt mal nach vorne in der Schlange. Sie arbeitet noch, ist körperlich fit, „von daher – hey“! Sie geht ihr neues Leben an, sie will es „er-leben“, aber sie hat darüber zwei Männer verloren: Ihr Sohn versteht sie nicht.

Viele Paare trennen sich nicht, solange die Eltern noch leben

Dabei kriselt auch dessen Ehe, glaubt Charlotte. Psychologen erkennen darin Muster: Weil ältere Menschen bei ihren Kindern sehen, dass sie sich schneller trennen und neu anfangen, entdecken sie diese Art der „Lebensplanung“ auch für sich. Andersherum blicken sie auch auf ihre Eltern, sagt Insa Fooken: „Sie trennen sich nicht, so lange Mutter und Vater noch leben, weil sie ihnen das nicht antun wollen. Sind diese verstorben, muss man auch nicht mehr die gute Tochter oder der gute Sohn sein.“ Dazu kommt, man schämt sich nicht mehr: „Früher gehörte es sich nicht, sich zu trennen“, sagt Pädagoge Vogt. „Heute sind Scheidungen eine legitimierte Form der Lebensgestaltung.“

Auch für ältere Menschen. Kürzlich erst trennten sich der frühere Ministerpräsident und Manager Lothar Späth und seine Frau Ursula – im Jahr nach der Goldhochzeit. Schauspieler Danny DeVito ließ sich nach 30 Jahren scheiden, Wladimir Putin tat es auch. Rechtsanwältin Dahmen-Lösche berichtet von einem Paar, das über 60 Jahre verheiratet war: Er jenseits der 80, sie 75, es ging zunächst um Geld, nun ist das Paar total zerstritten. „Sie können überhaupt nicht mehr miteinander reden, alles geht über Anwälte.“ Sie hat aber auch Fälle in ihren Kanzleien, in denen eine alte Liebe in die alte Ehe funkt: Mehrfach kam es vor, dass ein Klassentreffen Schulfreunde wieder näher zusammenbrachte.

Ein anderes Paar, 55 Jahre zusammen, versucht mit einiger Verzweiflung, das geplante gemeinsame Älterwerden mit Leben zu füllen. Sie blickt in den Beratungen mit Professor Vogt nach vorn, er nur zurück in die Kindheit. Noch arbeiten sie an ihrer Ehe, eine andere konnte Vogt nicht mehr retten: Zum 60. Hochzeitstag schenkte der Gatte der Gattin einen Geldgutschein. Großzügig, fand er. Gedankenlos, sagte sie. Und befand in der Folge, dass ihre Bedürfnisse eigentlich immer zu kurz gekommen seien. Liebe, Zuneigung, Wertschätzung, auch das haben viele Kinder der 40er nie wirklich gelernt zu zeigen.

Charlotte hat Kekse auf ein Tellerchen gelegt, sie hat ein paar Tassen, die nicht zusammen passen, die Bilder an der Wand ihrer winzigen Wohnung sind selbst gemalt, sonst besitzt sie nicht viel. Kürzlich hatten sie Gütetermin, sie und ihr Noch-Ehemann in ihrer Stadt im westlichen Ruhrgebiet, „aber es gibt keine Güte mehr“. Charlotte sieht das jetzt pragmatisch: Sie wollte sich bloß trennen, aber dann würde ihr eigenes Geld niemals reichen, haben sie ihr gesagt, „und ich kann ja nicht warten, bis der Herr stirbt“. Sie ist ein bisschen zickig geworden auf die alten Tage ihrer Beziehung und hat es selbst gemerkt, „zickig“ ist ihr eigenes Wort. In dem Moment war es, dass sie beschloss: „Nix geht mehr.“ Sie hat gepackt und eine Bleibe gesucht, in dieser Reihenfolge, und nun ist sie weg. Ihr Mann sagt, es gehe ihr nur um sein Geld. Sie kann noch nicht einmal mehr Mitleid mit ihm haben.

Viele Männer haben nicht gelernt, für sich zu sorgen

Als sie ihn sah, ist sie trotzdem erschrocken. „Er sah schlecht aus“, so ist das oft: Gerade Männer, weiß Psychologin Fooken, neigen zur Verwahrlosung, wenn sie nach langer Beziehung plötzlich auf sich gestellt sind, sie können, wollen oft nicht stemmen, was die Ehefrau ihnen jahrzehntelang abgenommen hat. Sie haben nicht gelernt, für sich selbst zu sorgen, und sie geben es nicht zu. „Sie gestehen ja nicht einmal, dass sie trauern.“ Die meisten, weiß die Forscherin, fallen aus allen Wolken, wenn die Ehefrau geht. Und die tun sich ja durchaus schwer. „Darf ich denn meinen Mann verlassen?“, fragen sie die Anwältin Dahmen-Lösche, sie hadern damit, ihre Versprechen zu brechen, ihre Verantwortung abzugeben, die sie bei der Hochzeit schließlich gelobt haben.

Bestimmt, glaubt auch Charlotte, habe ihr Mann „gedacht, ich komme wieder“. Aber sie will nicht mehr, keine Socken mehr waschen, für keinen mehr kochen, nicht mehr betrogen werden, mit anderen Frauen und um ihre eigene Freiheit. „Ich kann ihm nicht mehr helfen.“

* Name geändert

Das sagt das Gesetz zu Scheidung im Alter 

„Eine Ehe“, schreibt die Familienrechtlerin Heike Dahmen-Lösche, „wird dann als gescheitert angesehen, wenn die eheliche Lebensgemeinschaft nicht mehr besteht und der scheidungswillige Ehegatte ausdrücklich wünscht, dass es keine ehelichen Gemeinsamkeiten mehr gibt“. Das und jede weitere gesetzliche Regelung gilt natürlich auch für die so genannten „Alt-Ehen“. Paragrafen zu Trennungs- und nachehelichem Unterhalt haben für alte Menschen unter Umständen aber eine besondere Bedeutung: Nach § 1361 BGB kann ein Ehegatte vom anderen angemessenen Unterhalt verlangen, „wenn er selbst nicht in der Lage ist, seinen Bedarf sicher zu stellen“. Das ist häufig so bei älteren Frauen, die sich um Haushalt und Kinder gekümmert haben und nicht berufstätig waren.

Der nacheheliche Unterhalt ist laut Dahmen-Lösche „die am härtesten umkämpfte Scheidungsfolgesache“. Dazu gehören auch Ansprüche wegen Alters, Krankheit oder Gebrechen.

Besonders wichtig: der Versorgungsausgleich. „Er bezweckt, dass die Renten- und Pensionsanwartschaften, die von beiden Eheleuten während der Ehezeit erworben wurden, ausgeglichen werden.“ Praktisch bedeutet das: Wenn der Mann der „Ernährer“ war und seine Gattin die „Hausfrau“, muss er ihr die Hälfte seiner Rente abgeben. Auch wenn beide dann Aufstockung beantragen müssten.

Der Zugewinnausgleich regelt zudem die Aufteilung allen Vermögens, das während der Ehe erwirtschaftet wurde. Das ist schwierig zu berechnen, aber auch hier gilt: Derjenige, der den höheren Zugewinn erwirtschaftet hat, muss dem anderen die Hälfte davon zahlen.

Weiterlesen: Heike Dahmen-Lösche: Ehevertrag. Vorteil oder Falle? dtv, 148 S., 10,90 Euro

Experten-Gespräch über die Gründe – Plan- und Lieblosigkeit 

Prof. Michael Vogt, Diplom-Pädagoge und -sozialarbeiter, war jahrelang Leiter der Familienberatung im Bistum Essen, ist immer noch in der Beratung tätig und forscht heute an der Hochschule Coburg, besonders zum Thema Leben und Liebe im Alter. Annika Fischer sprach mit ihm.

Warum trennen sich Menschen im höheren Alter noch und fangen ein neues Leben an?

Es ist mit ihre letzte Chance, ihrem Leben noch eine neue Wendung zu geben; es geht um ein Austarieren der Lebensmöglichkeiten. Wir erleben inzwischen drei größere Scheidungswellen in Deutschlands Großstädten: nach vier, nach 25 und inzwischen zunehmend nach 50 Jahren. Man hat heutzutage auch nach der Goldhochzeit das „Schiff noch nicht auf dem Trockenen“. Die Lebenserwartung ist gestiegen, noch nie konnten Paare miteinander so alt werden.

Wer geht, die Frau oder der Mann?

Mehrheitlich die Frauen, weil ihnen die emotionale Bindung nicht mehr ausreicht, um damit bis ans Ende ihres Lebens zu kommen. Frauen sagen oft: „Ich bin immer den untersten Weg gegangen, habe ihm den Rücken frei gehalten.“ Nun wollen sie über ihre eigenen Bedürfnisse reden. Männer haben eine geringere Lebenserwartung, Frauen überdenken da häufig ihre Situation neu. Manche fühlt sich, gerade, wenn der Ehemann immobiler wird, „lebendig verwitwet“. Hinzu kommt der Blick auf die Lebensentwicklung erwachsener Kinder. Wenn dort Trennungen und Scheidungen stattfinden, lenkt das den Blick auf die eigene Lebensentscheidung. Das hat etwas „Infektiöses“, es geht um Freiheit. Nichts hat so große Bedeutung wie die Kontrolle über das eigene Schicksal.

Warum aber warten die Menschen so lange, wenn alles im Argen liegt?

Die Hoffnung ist unausrottbar, dass sich alles zum Besten wendet. Auch im hohen Alter erleben sie nicht nur Resignation. Sehnsucht spielt eine sehr wichtige Rolle. Hinzu kommt der Umgang mit der eigenen Endlichkeit, die näher rückt, mit Krankheiten. Die Frage rückt ins Bewusstsein, wie man die restlichen Jahre verbringen will.

Wenn man es so lange miteinander ausgehalten hat, was treibt dann noch auseinander?

Wenn der Beziehung die Lebendigkeit abhanden gekommen ist, empfinden viele eine große Einsamkeit. Lieblosigkeit ist ein ganz großes Thema. Bei manchen äußert sich das sogar in psychosomatischen Erkrankungen. Vieles hat aber auch mit der gemeinsamen Gestaltung des neuen Lebensabschnitts zu tun. Großeltern zu werden, das sind noch einmal neue Rollen, die zu einer guten Bindung führen können. Aber wenn dann die Enkelkinder selbstständiger werden, fällt ein Paar auf sich selbst zurück, es muss lernen, 24 Stunden zusammen zu sein, diese Zeit miteinander zu gestalten. In der Paar-Beratung geht es meist um vier große Themen: Intimität – man lebt nebeneinander, kommt aber nicht in Kontakt –, Sexualität – was tue ich, um für meinen Partner attraktiv zu bleiben, um einen erotischen Spannungsbogen zu erhalten –, gemeinsame Werte und die Autonomie des Einzelnen.

Haben ältere Menschen keine Angst vor dem Neuanfang?

Doch, sie haben große Angst. Davor, was bleibt, wenn sie allein sind. Auch vor den Veränderungen im sozialen Netz: Was passiert mit den Freunden, in der Familie, im Bekanntenkreis – ungerade Zahlen sind dort nie gern gesehen. Und besonders Frauen, die ihr Leben lang für den Partner da waren, haben ein sehr ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein. Sie lassen den anderen nicht so einfach allein.

Weiterlesen: Michael Vogt (Hrsg.): Lebens- und Bedarfslagen im Alter. Verlag Ziel, 232 S. 19,80 Euro