Ferienbuch Österreich – Wasser gibt’s dort auch

Österreich. Wer Österreich mit Skifahren oder Wandern in den Bergen gleichsetzt, tut dem Nachbarsland Unrecht. Auch im Sommer lässt sich dort etwas erleben. Und wenn es nur in der Badeanstalt ist: „Der letzte Badegast“ von Hugo Rammek.

Selbst wenn wir die scheußlichen Bergromane abziehen (die meisten stammen ja doch von Deutschen) ist die österreichische Literatur eine faszinierend zerklüftete Landschaft. Sie liebt Außenseiter und Ambivalenzen, Träume und Abwege. Ein bisschen Freud, ein bisschen Joseph Roth und Thomas Bernhard – bestenfalls schimmert von jedem etwas durch die Poesie des felix austria.

Mag es zur Vollkommenheit bei Hugo Rammek noch ein Stück sein, ein schillerndes Stück Gegenwartsliteratur ist ihm mit „Der letzte Badegast“ dennoch geglückt.

Nun ist er doch Bademeister geworden

„Ja, das Feuchte ist das Üble“, hat die Mutter immer gesagt – und nun ist er doch Bademeister geworden.

Was ist ihm dieser Regentag nach dem, was alle Rekordsommer nennen? Ein apokalyptisches Erinnerungskarussell aus Fischaugen, biographischer Sippenhaft, feuchtschwüler Erotik und jenem einsamen Gast, der dort wie ein gespiegeltes Ich im Mantel herumsteht.

Rammeks zeitlich wie sprachlich aufregend sprunghaftes Erzählen ist von einer nebligen Magie. Immer, wenn man glaubt, einen Strang ge- und begriffen zu haben, gleitet er weg wie die vergessene Seife am Boden einer schmuddligen Duschkabine. Familienepisoden steigen mit Musikgeschichte ins Becken, ein Ich saust mit seinem Ego vom Sprungturm hinunter. Und das Wasser zeigt sich in den vielen Aggregatzuständen, die reizvolle Prosa hat: mal am Abgrund, mal an der Oberfläche.

  • Hugo Rammek: Der letzte Badegast. Wieser Verlag, 140 Seiten, 18,80 Euro