Eine ansteckende Leidenschaft

M. Schürmann
Zwei machen Schmuck: Julia Steinhoff (vorne) und Kirstin Jankowski aus Essen mit ihren Ringen. Foto: Matthias Graben
Zwei machen Schmuck: Julia Steinhoff (vorne) und Kirstin Jankowski aus Essen mit ihren Ringen. Foto: Matthias Graben
Foto: WAZ FotoPool
Früher symbolisierten Ringe oft Macht, heute zeigen sie die Verbundenheit mit einem anderen Menschen, erinnern an Orte und glückliche Momente. Designer präsentieren ihre Schmuckstücke für die ansteckende Leidenschaft.

Kein Schmuckstück wird vom Träger selbst so viel betrachtet wie der Ring. Manche Menschen fühlen sich regelrecht nackt, wenn der liebste Ring nicht auf dem Finger steckt. Designer aus dieser Region stellen ihre Schmuckstücke als mögliche neue Begleiter vor. Eine Auswahl.

Zwei machen Schmuck

Geradlinig wirkt das Design von Julia Steinhoff und Kirstin Jankowski – und zugleich verspielt. Dass das kein Widerspruch sein muss, beweisen etwa Silberringe, die an eine Wasserwaage erinnern: Ein Bläschen in einer Flüssigkeit zeigt an, ob man die Hand gerade hält. Ein anderer Ring ist ein Geduldsspiel, bei dem der Träger Perlen den richtigen Schubs geben muss, damit sie in kleine Vertiefungen rollen. Und passend zur Region haben die Essener Schmuckgestalterinnen im Kulturhauptstadtjahr auch einen Zechen-Ring kreiert, dessen Form an einen Förderturm erinnert. Die Zwei empfehlen Schenkern, sich zu merken, wie weit ein gut passender Ring auf den eigenen Finger passt. Das sei genauer, als den Ring auf Papier zu legen und mit einem Stift zu umkreisen. Rüttenscheider Platz 12, Essen, www.zweimachenschmuck.de
Preis: ab 100 Euro, mar

Die Kühle des Stahls

Edelstahl ist das Material, mit dem Torsten Reissmann viele seiner Ringe fertigt. Dabei geht er wie „ein Industriedesigner“ vor: Lasertechnik gehört heute zu seinem Handwerk, das er bereits bei seinem Vater in der Duisburger Werkstatt lernte. „Silber trägt sich schneller ab“, sagt Reissmann, der sein Fach schließlich studiert hat und seinen Schmuck nun in Mülheim-Saarn verkauft. „Die Kühle des Materials, der Grauton des Stahls passt viel besser zu Diamanten.“ Die Schmuckstücke sind klar und ausdrucksstark, ansprechend für Frauen und Männer. Düsseldorfer Str. 125, 45481 Mülheim an der Ruhr www.torsten-reissmann.de
Preis: ab 100 Euro, mar

Perlen und Murmeln

Burkhard Rey weiß, wie teuer vielen Menschen ihr Ring ist: „Er wird für manche zum Talisman. Ihnen fehlt etwas, wenn sie ihn verlieren.“ Doch das liebste Stück soll dabei natürlich auch bequem sein, nicht drücken, nicht einengen. Daher achtet der Goldschmied aus Duisburg-Huckingen nicht nur auf das Design, sondern auch auf das gute Gefühl beim Tragen. „Wer Sorge hat, seinen Ring zu verlieren, der hat keine Freude daran.“ Meist arbeitet Rey mit klassischen Schmuckmaterialien, Silber und Gold. Dann arbeitet er Steine ein, wie etwa Aquamarin, oder Perlen – Tahiti- und Südseeperlen. Auch mit Glasmurmeln aus dem Spielzeugladen hat er schon experimentiert. Rey stellt seinen Schmuck nur alle zwei Jahre in seinem alten Bauernhaus aus. Wer seine Arbeiten sehen möchte, ruft daher vorher an: Tel: 0203/ 78 68 69. Preis: ab 170 Euro. mar

Lust auf Süßes

Wer die Schmuckwerkstatt von Tanja Hartmann betritt, der bekommt Lust auf Süßes: Die gelernte Goldschmiedin und Diplom-Designerin aus Wesel kreiert Kostbarkeiten, die zunächst an feinste Konditorei-Auslagen erinnern: Ringe wie weißes Baiser, Armreifen aus dicken Sahnetupfen, Ohrringe aus Lakritzschnecken. Statt auf Gold und Silber setzt die Schmuckgestalterin mit Vorliebe auf leichte, unkonventionelle Materialien wie Silikon, Kunststoff, Gummibänder. „Mein Schmuck soll Spaß machen und Lebenslust vermitteln“, sagt Tanja Hartmann, die mit ihren originellen und farbenfrohen Stücken beweist, dass es beim Schmuck nicht unbedingt auf kostbare Materialien ankommt, sondern auf ausgefallenes Design und hochwertige Verarbeitung.
Korbmacherstraße 3, Wesel
www.schmuckwerkstatt-hartmann.de
Preis: ab ca. 20 Euro, MaS

Flammende Finger

Advent, Advent, ein Ringlein brennt: Bei Anemone Tontsch gibt’s die Duftkerze für den Finger. Den Sterling-Ring mit Aromaeinlage hat die Düsseldorfer Designerin vor einigen Jahren als Geburtstagsüberraschung konzipiert. Es gibt ihn sommerfrisch mit Limettenduft oder vorweihnachtlich mit Zimt-Aroma. Wer keine Angst hat, sich die Finger zu verbrennen, kann den Ring mit einem passenden Teelicht immer wieder neu auffüllen. Mehr Weihnachts-Schmuck hält Tontsch ab dem 1. Dezember auf ihrem Homepage-Adventskalender parat. Andreasstr. 25, Düsseldorf
www.galerie-cebra.de
Kerzenring: 55 Euro, MaS

Schmuckprodukt

Julia Stotz und Annette Wackermann zeigen auf Zollverein ihre Ringe, in der Galerie Schmuckprodukt. Sie lieben die Gegensätze, kombinieren schon mal Edelstahl mit Gold. Ein anderer Ring ist mit einer Lupe versehen, durch die die darunter eingeschlossenen Silberkügelchen größer wirken. Und der „Schichtring“ lässt sich der Kleidung anpassen: einfach die im Silberring eingerollte Folie austauschen. Die Folie gibt es in acht verschiedenen Farben. Am 3. und 4. Dezember stellt Schmuckprodukt auch auf dem Designer-Weihnachtsmarkt auf Zollverein, Halle 12, aus.
www.schmuckprodukt.de
Preis: ab 4,50 Euro (Aluminiumring), mar

Dortmunder Ringe

Seit Reinhold Willeke die Dortmunder Skyline einmal als Werbegag verwendet hatte, wollte der Goldschmied heimatverbundene Erinnerungsstücke schaffen. Seine Foto-Ringe (Edelstahl ab 40, Silber ab 80, Gold ab 500 Euro) zeigen bunt oder schwarz-weiß U-Turm, Westfalenhalle, Florian und andere Wahrzeichen.

Der Fotostreifen im Mini-Format wird auf die Ringe geklebt, die Oberfläche versiegelt. (Akazienstr. 83, www.goldschmiedewilleke.de)

Der Dortmund-Ring von Freund & Bauer war ein Juwelier-Highlight im Kulturhauptstadtjahr. Doch auch danach findet das Heimatmotiv seine Liebhaber – ob zur Meisterschaftsfeier, zum Umzug in eine andere Stadt oder gar zur Hochzeit. Das Relief auf dem Silberring (119 Euro) zeigt unter anderem die Reinoldikirche, Opernhaus und Stadion. (Westenhellweg 8, www.freund-bauer.de)

Die Künstlerin Ulla Kallert fühlt sich dem Dortmunder U eng verbunden. Zur Eröffnung brachte sie ihre „U“tensilien heraus: Erst gab es einen Bronze-Ring (80 Euro), mittlerweile ist der Ring auch aus Silber (190 Euro), mit einem goldenen U versehen, zu haben. (Arneckestrasse 42, www.ullakallert.de) moco

Die Natur als Vorbild

Ob alte Ketten oder Zahngold – Jörg Piechocki arbeitet das Material zu neuen Schmuckstücken um. Der Goldschmiedemeister hat auch schon einen Kieselstein in einen Ring eingearbeitet. „Es war kein hochwertiger Stein, aber die Frau hatte ihn zusammen mit ihrem Freund am Strand gefunden.“ Auch für seine eigenen Kreationen lässt sich der Goldschmiedemeister von der Natur inspirieren. Gern raut er das Material an. „Dann erkennt man keine Kratzer und es sieht natürlich aus.“
Pastor-Winkelmann-Str. 7, Hamminkeln
www.marienthal.de
Preis: ab 150 Euro, mar

Die klare Linie

Brigitte Dombrowski verkauft ihr Design unter dem Titel „Schmuck der klaren Linie“. Es kommt ohne Schnickschnack aus. Die Goldschmiedemeisterin lässt sich von ausgefallenen Steinen inspirieren. Oder sie wendet „Mokume Gane“ an, eine uralte japanische Handwerkstechnik. Mokume bedeutet „Holzmaserung“ und Gane steht für „Metall“. Dombrowski schichtet Metallbleche unterschiedlicher Legierungen übereinander und verschmiedet sie. Jeder Ring bekommt so ein kontrastreiches Muster.
Wasserstraße 112, Bochum
www.brigitte-dombrowski.de
Preis: ab 150 Euro, mar