Draußen königlich sitzen am Schloss Borbeck in Essen

Foto: imago stock&people 9xklug
Die Außenterrasse von Schloss Borbeck ist definitiv ein „Verweile doch, du bist so schön“-Ort. Im Inneren ist es leider nicht ganz so schmuck.

Essen.  Was für ein paradiesischer Platz für einen Sommer-Abend (auch wenn wir 2016 erbärmlich wenige im Kalender verzeichnen können). Der Clou: Die Konstruktion, die – anders als das barocke Essener Wasserschlösschen – ein Ergebnis zeitgenössischer Architektur ist, gibt Gästen trockenen Fußes das Gefühl, auf dem Wasser zu speisen, Blick auf sattgelbe Seerosen inklusive.

Aber diese Freude verdarb erneut der so genannte Sommer. Also hinein, wo das Glück trotz imposanter historischer Gewölbedecken von Details getrübt wird. Ich entdecke direkt neben meinem Tisch in der ziemlich gestrigen Blumenbank eine ganz sicher seit Tagen vergessene Zimmerpflanze, völlig verdorrt, unrettbar. Wie kann man so etwas übersehen?

Immerhin, frisch geht es in der Küche her. So oft uns selbst bei guten Adressen öde Vinaigrettes empfangen: Hier finden wir eine ausgesprochen köstliche, mit toll austarierter süß-sauer Balance. Auch Hollandaise und Estragonmayonnaise sind offenbar frisch bereitet. Letztere begleitete den Vorgang aus gratiniertem Ziegenkäse, Rucola und kleinem Erdbeersalat (8,90 €). Ideal rosig gebraten ein Klassiker: Schweinefiletmedaillons (18,90 €) mit Champignons und Rahm-Kohlrabi. Überhaupt lässt sich über die Küche an sich eher Gutes sagen. Dass der Service an einem nicht gerade in Publikumsandrang erstickendem Abend, eins von zwei Getränken vergisst und die Stachelbeer-Torte eher nach Kühlschrank als nach ihrem Namensgeber schmeckt, können wir nicht unerwähnt lassen.

Schlossgastronomie Borbeck, Schloßstr. 101, 45355 Essen-Borbeck, Tel: 0201-681425. www.gastronomie-schloss-borbeck.de

Preise: Kalkulation in der Liga oberer bürgerlicher Mittelklasse. Grundsätzlich ganz in Ordnung.

Ambiente: Außenterrasse traumhaft, drinnen fehlt jedoch die eindeutige stilistische Handschrift.

Service: Erschien uns im Test allzu routiniert, um das Gefühl eines wirklich willkommenen Gastes haben zu können.

 
 

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