Der Wandel gehört zur Welt – Neuanfänge in der Natur

David Huth
Häutet sich mehrmals im Jahr: Die scheue Schlingnatter war das „Reptil des Jahres 2013“.
Häutet sich mehrmals im Jahr: Die scheue Schlingnatter war das „Reptil des Jahres 2013“.
Foto: picture alliance / dpa
Nicht nur der Mensch kennt den Neuanfang, der Wandel gehört zu unserer Welt: Der Hai wechselt seine Zähne, der Hirsch wirft sein Geweih ab, die Schlange häutet sich. Und die Ozeane spucken neue Inseln aus. Wie die Natur ständig Neues erschafft zeigt diese Übersicht.

Das neue Jahr hat begonnen: Und nicht nur im Leben der Menschen spielen Neuanfänge eine wichtige Rolle. Auch die Natur ist geprägt von ewigem Wandel und vom Neuanfang. Fünf Beispiele:

Eine neue Insel aus dem Meer

Ende November wuchs vor Japan eine neue Insel aus dem Meer. Sie wurde von einem Unterseevulkan im Pazifik ausgespuckt. Es war das erste Mal seit 40 Jahren, dass entlang der 3000 Kilometer langen Unterseevulkan-Kette südöstlich von Japan ein Berg aus dem Wasser wächst. Die vulkanische Aktivität in dieser Region ist darauf zurückzuführen, dass dort riesige Erdplatten aufeinanderstoßen. Wissenschaftler schätzen, dass die neue Insel den Fluten trotzen wird und Bestand hat.

Das Geweih der Hirsche

Andere Neuanfänge finden so regelmäßig wie der Jahreswechsel statt. So wirft der mächtige Rothirsch jedes Jahr sein Geweih ab. Nach dem Winter ist der Testosteronspiegel bei den männlichen Tieren auf einem Tiefstand. Durch den Mangel des Sexualhormons verlieren sie schließlich ihr Geweih. Knochenfressende Zellen zerstören dann die Knochensubstanz zwischen Geweih und Hirnzapfen, auf denen das Geweih sitzt. So lösen sich die einzelnen Stangen zu Beginn des Frühjahres – und der imposante Kopfschmuck fällt ab. Ist das Geweih abgefallen, fängt es wieder von Neuem an zu wachsen. 140 Tage dauert es, bis der Hirsch wieder seinen eindrucksvollen Kopfschmuck trägt. Warum Hirsche diesem Zyklus unterworfen sind, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Übrigens: Wer ein abgeworfenes Geweih bei einem Waldspaziergang findet, der darf es nicht einfach mitnehmen. Das wäre Wilderei.

Die Haut der Schlange

Bei der Schlange weiß man genau, warum sie sich alle paar Monate oder Wochen häutet. Die Schlange wächst ihr ganzes Leben lang. Ihr einziges Problem: Die Haut wächst nicht mit. Aus diesem Grund muss sie sich je nach Art zwei bis zwölf Mal pro Jahr häuten. Die alte Haut, das so genannte Schlangenhemd, wird abgestreift, wenn darunter eine neue Schicht gewachsen ist. Während dieser Phase bekommen die Augen der Schlange eine milchig-trübe Färbung. Um aus ihrem alten „Hemd“ zu schlüpfen, reibt sich das Tier an spitzen und rauen Gegenständen. Die Haut soll hängen bleiben, damit die Schlange hinauskriechen kann.

Die Zähne der Haie

Der Hai, oft gefürchtet wegen seiner scharfen Zähne, ist nur wegen seines Revolvergebisses ein erfolgreicher Jäger. Verliert er einen Zahn, dann lädt er einen neuen nach – ähnlich wie bei einer Schusswaffe. Daher stammt auch der Name Revolvergebiss. Hinter jeder Zahnreihe befindet sich eine Zahnbildungsgrube. Dort wachsen gleichzeitig mehrere Zähne nach. Bricht ein Zahn ab oder fällt aus, klappt von hinten einfach der nächste nach. Ein Tigerhai beispielsweise benötigt in zehn Jahren 1400 Zähne.

Fellwechsel der Wildtiere

Im Übergang vom Herbst zum Winter bekommen viele Tiere ein Winterfell. Im Gegensatz zu Haustieren wie Hund und Katze benötigen Wildtiere das Fell als Schutz gegen die frostigen Temperaturen. Der Hirsch tauscht sein rötlich-braunes Sommerfell im Herbst gegen ein grau-braunes. Wildschweine haben den Fellwechsel erst im November abgeschlossen. Spitzenreiter beim Fellwechsel ist der Maulwurf. Er bekommt dreimal im Jahr ein neues Haarkleid. Zwischen den jahreszeitlichen Wechseln durchläuft er eine sommerliche „Zwischenhaarung“. Der Fellwechsel bei allen Tieren wird über Hormone gesteuert. Sie reagieren auf die Tageslänge und die Temperatur. Daher gilt: Weniger Licht und weniger Wärme gleich dichteres Fell.