Auf der Halde fühlt sich der Pinscher Buddy pudelwohl

Die Bloggerin Melody Bayermit ihrem Buddy vor der Zeche Wohlverwahrt.
Die Bloggerin Melody Bayermit ihrem Buddy vor der Zeche Wohlverwahrt.
Foto: Volker Hartmann
Wir trafen Melody Bayer an der Zeche Wohlverwahrt. Mit ihrem Hund Buddy erwandert sie das Revier. Was sie dabei erleben, erzählt sie in ihrem Blog.

„Gerade noch müde vor sich hin trottend, sprintet er im nächsten Moment freudig über die riesige Freifläche, als wäre er gerade erst aus dem Pinschermobil gehüpft.“ Mit solchen Worten beschreibt Melody Bayer, wie sie mit ihrem Hund Buddy den Gipfel der Schurenbachhalde in Altenessen erklommen hat. An ihren Erinnerungen lässt sie alle teilhaben, die im Internet auf ihre Seite gehen: „Buddy and Me – Der Dogblog mit Pinscherperspektive“. Seit zweieinhalb Jahren ist Buddy ihr treuer Gefährte. Ein Zwergpinscher. „Ein bisschen großer Zwergpinscher“, sagt die 30-Jährige lächelnd. Zusammen haben sie schon so manche Halde erkundet.

Es fällt schon auf: Wer einen dieser künstlichen Hügel besucht, trifft eigentlich immer mindestens einen Hundebesitzer. Was macht den Reiz der Halden aus für Hund und Herrchen – oder eben Frauchen? Wir treffen Melody Bayer an der Zeche Wohlverwahrt in Essen-Horst. Die Halde ist zugegeben eher ein Häldchen. Ein Trampelpfad führt zwischen Birken und Brombeerbüschen hinauf. An diesem Regentag sinken die Wanderstiefel von Melody Bayer im Schlamm ein. „Mir macht das nichts“, sagt die Frau mit der Regenjacke. Buddy dagegen mag es nicht so gerne, wenn sein kurzes dunkles Fell nass wird. „Aber einen Mantel findet er noch schlimmer.“ Etwas zittrig ist „Herr Zwerg“ auf seinen Pfoten. Aber kaum scheint die Sonne wieder, ist der Kleine vorneweg. Weiter nach oben.

Horster Mühle und Villa Vogelsang

Eine Panoramaaussicht oder eine Landmarke sucht man auf diesem Haldentop vergebens. Nur eine winzige Lichtung ist dort. Und zwischen den grünen Blättern glitzert das Blau der Ruhr, die am Haldenfuß entlangfließt. Der Fluss ist auch einer der Gründe, warum sich der Ausflug zu dieser kleinen Halde trotzdem lohnt. Und die alten Industriegebäude neben dem Hügel: die Horster Mühle, die der Unternehmer Wilhelm Vogelsang kaufte. Auf einem Backstein-Schornstein ist heute noch die Aufschrift „W. Vogelsang“ zu lesen – sie erinnert an das einstige Karbidwerk an dieser Stelle. Von der anderen Seite der Ruhr kann man das Gebäude in der Nähe der Schleuse noch besser bestaunen. Ebenso die nicht weit entfernt gelegene Villa Vogelsang – früher war sie im Besitz des Unternehmers, heute beherbergt sie ein Hotel. Und dann steht neben der Halde noch das letzte erhaltene Backsteingebäude der ehemaligen Zeche Wohlverwahrt, deren Geschichte zurück bis ins 18. Jahrhundert reicht. Vogelsang kaufte die Zeche ebenfalls. Nach rund 50 Jahren wurde das Steinkohle-Bergwerk 1962 stillgelegt.

Und dann kam der Dogblog

Buddy interessiert sich weniger für die Gebäude und mehr für die Bäume. Er schnüffelt sich durch das Gras am Wegesrand. War da nicht gerade ein Kaninchen? Auch in ihm steckt ein Jäger. Aber nur wenn andere Tiere Löffel haben, wird er neugierig. Rehe interessieren ihn gar nicht. Was macht man mit Hunden mit einer Vorliebe für Hasen? Bei solchen Fragen schaut Melody Bayer lieber in Blogs als in Fachbücher. Die Beiträge von anderen Hundebesitzern im Internet findet sie persönlicher. Irgendwann dachte sie: Warum mache ich das nicht selbst? Und ihr Dogblog war geboren. Die Schwerpunkte: Ruhrgebiet und Wanderungen mit kleinem Hund.

Jedes Wochenende macht sich Melody Bayer zusammen mit ihrem Mann und Buddy auf zu einer Halbtagestour. Aber warum in die Ferne schweifen? Im vergangenen Sommer besuchte sie die erste Halde. Und bekam direkt mehrere „Pfotenabdrücke“. Das sind die Kommentare der Leser zu den Blog-Einträgen. Die Rückmeldung war so positiv, dass sie gleich eine ganze Serie daraus machte. Die Schurenbachhalde in Essen und Halde Norddeutschland in Neukirchen-Vluyn sind heute ihre Lieblingshalden. Oder auch Rheinpreußen in Moers. In ihrem Blog schrieb sie dazu: „Wir haben uns allein eine Stunde lang nur oben rund ums Geleucht aufgehalten, Ball gespielt, die Aussicht genossen und fotografiert, ohne zu merken wie die Zeit verstreicht. Herr Zwerg hat unsere Gassitour mit viel freier Flitzefläche und Leinenfreiheit jedenfalls sehr gut gefallen – hätte er den Kaninchen nachjagen dürfen vielleicht sogar noch ein kleines bisschen besser *zwinker*.“

„Diese Weitläufigkeit finde ich gut“, erklärt Melody Bayer aus Bergerhausen, warum sie so gerne Halden erwandert. Sie mag den Wald, die Lichtungen. Und während sich „Herr Zwerg“ austoben kann – „Oft gibt es keinen Leinenzwang“ – genießt sie die Aussicht.

Buddy bekommt einen Hundekeks. Selbstgebacken. Die gibt es nur an besonderen Tagen. „Thunfisch, Hüttenkäse, Haferflocken“, zählt Melody Bayer die Zutaten auf, während Buddy krümelt. Um seinem Hals hängt eine Bernsteinkette. „Es soll ja gegen Zecken helfen“, sagt Bayer skeptisch. „Wir probieren das mal.“

Kleiner Hund ganz selbstbewusst

Seitdem sie einen Blog schreibt, bekommt sie Hundezubehör von Händlern geschickt, um sie zu testen. Sie kennzeichnet solche Beiträge, aber alle Produkte stellt sie nicht vor. „Das muss schon zu uns passen.“ Gerade habe sie eine Anfrage bekommen, ob sie eine Hundetasche vorstellen könnte. „Wenn ich ihn in die Tasche stecke, würde er mir aber etwas erzählen“, sagt sie lächelnd und schaut zu ihrem „Kumpel“. Dabei hat Buddy selten etwas zu bellen. Nur als der Fotograf ihn streicheln möchte, beschwert er sich. Die Kamera findet er jedoch, im Gegensatz zu anderen Hunden, sehr beschnüffelnswert. Schließlich ist Frauchen auch ständig mit solch einem schwarzen Ding unterwegs. Mit zwölf Jahren hat Melody Bayer angefangen zu fotografieren. Heute ist die Kamera bei den Wanderungen dabei. Im Fokus: Buddy. Danach schreibt sie ihre Erlebnisse auf, abends oder auch vor der Uni. Stunden verbringt sie damit, drei bis fünf Beiträge die Woche.

Manchmal melden sich Leser, fragen sie etwa: „Wie hast du das gemacht, dass er so selbstbewusst ist wie ein Großer?“ Melody Bayer, die in Dortmund Erziehungswissenschaften studiert, freut sich, wenn sie helfen kann. Sie behandle Buddy einfach nicht wie einen Kleinen. „Ich habe ihn nicht immer gleich hochgenommen, wenn ein großer Hund kam.“ Sie und ihr Mann kommen aus Familien, in denen immer ein großer Hund ein Mitglied war. Als sie zusammengezogen sind, haben sie irgendwann gespürt: „Da ist eine Lücke.“ Buddy hat sie gefüllt.

Melody Bayer ist heute mit anderen Hunde-Bloggern aus der Region befreundet. „Da gibt es wenig Konkurrenzdenken“, erzählt sie, während an der Ruhr eine Frau mit Kinderwagen vorbeijoggt. Hinterher trippelt ein Chiwawa. Doch Buddy würdigt ihn kaum eines Blickes. Es geht zurück – über die Halde.

 
 

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