Amor ganz altmodisch – Partnervermittlung in Bochum

Die Partnervermittlung möchte ältere Menschen ansprechen.
Die Partnervermittlung möchte ältere Menschen ansprechen.
Foto: Mathias Schumacher
Die Bochumer Partnervermittlung „Liebes-Bote“ mag es klassisch. Hier zählt das persönliche Gespräch. Und der Mann greift als Erstes zum Telefonhörer.

Bochum..  Wie kommt ein Diplom-Psychologe dazu, eine Partnervermittlung zu gründen? „Ich bin Überzeugungstäter“, lacht Johannes Weiß, „auf diesem Wege habe ich meine Frau kennen gelernt.“ 2009 war Hochzeit. Vier Jahre später, Ende 2013, gründete Weiß in Bochum die Firma „LiebesBote“. Vorher hat er sich darüber viele Gedanken gemacht: „Ausschlaggebend waren für mich solche Dinge wie Ehrlichkeit, Gradlinigkeit, Zugewandtheit und Professionalität.“ Ganz bewusst wollte er Online-Single-Portalen und Dating-Lines etwas entgegenstellen: „Da kann jeder ein Foto hoch laden, das mit dem tatsächlichen Aussehen nichts zu tun hat oder Dinge von sich behaupten, die schlichtweg erfunden sind.“

In einem roten Backsteinhaus im quirligen Bochumer Gerberviertel kommt Amor ganz altmodisch daher. Zwar wirbt die Partnervermittlung auch mit einer Homepage, aber das Gros der Kundschaft meldet sich aufgrund von Annoncen. Ab da wird nur noch persönlich kommuniziert. Digitale Anonymität, hinter der man sich verstecken kann, ist unerwünscht. Auch die Klientel, der der Sinn nach Seitensprüngen, heißen Affären und schnellem Sex steht, muss sich andernorts umschauen. „Uns geht es um das wahrhaftige Interesse an einer langfristigen Beziehung“, betont der 44-Jährige.

Per telefonischem Erstgespräch wird geklärt, ob das überhaupt vorhanden ist. Oder ob der Anrufer oder die Anruferin sich bloß aushalten lassen will. Oder jemand statt der großen Liebe nur „eine Putz-, Wasch-, Koch- und Bügelfrau“ sucht, die unentgeltlich arbeitet. Das alles sind K.O.-Kriterien für Weiß und seine sieben Mitarbeiter: „60 Prozent aller möglichen Kunden fallen so raus.“ Unter anderem, weil eine finanziell solide Basis Voraussetzung ist: „Die Menschen sollten beide mit beiden Beinen im Leben stehen.“ Ehe ein Partner fürs Leben in Dortmund, Essen, Mülheim oder Gladbeck in den Bereich des Möglichen rückt, wird nochmals ausgesiebt. Ein persönliches Gespräch, auf Wunsch im Bochumer Büro oder im heimischen Wohnzimmer, dient den Liebes-Boten dazu, sich ein gründlicheres Bild von den Bindungswilligen zu machen: „Das kann zwischen zwei und vier Stunden dauern.“ Manchmal ist es schneller zu Ende. Endgültig.

Die Hausbesuche werden häufig in Anspruch genommen: „Da gibt es die sehr nette Witwe, 72, die wohnt auf dem Land und hat keinen Führerschein. Oder jemand, der sehr viel arbeitet und abends quer durch den Berufsverkehr muss.“ Notizen machen sich die Partnervermittler mit der Hand, wer von den für seriös befundenen Interessenten zu einem anderen passen könnte, diskutieren sie im Büro: „Manchmal trifft man da auch Entscheidungen aus dem Bauch. Es muss nicht immer der Akademiker für die Akademikerin sein.“ So wie neulich, als ein Handwerker und eine Lehrerin sich nicht gesucht – aber gefunden haben.

Partnervorschläge kommen, auch ganz altmodisch, mit der Post. Der Erstkontakt läuft später übers Telefon. Wobei, selbstredend, der Herr die Dame anruft. Was, möglicherweise, die erste Verabredung zur Folge hat. Die Kunden von Weiß, die zwischen 45 bis Anfang 80 sind, schätzen dieses Vorgehen. Es geht zwar langsamer voran, aber dafür sind die Ergebnisse auch lang anhaltender. Weil es eben nicht um die schnelle Nummer geht.

Betreut werden Suchende übers erste Date hinaus: „Manchmal heißt es ,Bitte keine weiteren Vorschläge mehr’, manchmal haben sich zwei viermal getroffen, aber der Funke ist nicht übergesprungen. Wir begleiten jeden, so lange er uns braucht.“

Bezahlt wird pauschal zu Beginn: „Das ist wie bei einer schönen Reise.“ Die, unternommen auf dem Ozean der Gefühle, allerdings einen schönen Preis hat. Er liegt im vierstelligen Bereich. Eine Garantie fürs Happyend gibt es nicht: „Das machen wir auch unmissverständlich klar. Alles andere wäre unseriös.“

Gute Partnervermittlung ist harte Arbeit, findet Weiß. Aber eine, die sich lohnt. Spätestens, wenn wieder zwei Glückliche bei ihm auftauchen und er mit ihnen mit einem Gläschen Sekt auf ihre Zukunft anstößt.

 
 

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