Alexey Semenenko liebt das Leben zwischen Mozart und Dinos

Sieht selbstsicher aus, übt aber auch viel Selbstkritik: der Geiger Alexey Semenenko.
Sieht selbstsicher aus, übt aber auch viel Selbstkritik: der Geiger Alexey Semenenko.
Foto: Juan Osvaldo Budet Melendez
Bescheiden ist der junge Geiger. Der 25-Jährige betrachtet sein eigenes Spiel mit kritischen Augen. Dabei hat Alexey Semenenko schon einige Preise gewonnen. Zurzeit weilt er in Amerika. Kritisch schaut er von dort auch auf das, was zurzeit in seiner Heimat geschieht: in der Ukraine.

Köln.. Als kleiner Junge hatte Alexey Semenenko nur eins im Kopf: „Fußball, Fußball, Fußball.“ Fast. Denn im Leben des jungen Ukrainers gab es noch etwas, das ihn faszinierte: Mozart. „Nicht nur seine Musik, sondern auch seine ganze Biografie mit diesem mysteriösen Tod am Ende.“ Das ist bis heute so geblieben, wobei es dem 25-Jährigen schwerfällt, das, was ihn da so sehr packt, in Worte zu fassen: „Mozarts Musik ruft in mir Gefühle hervor, die ich nicht beschreiben kann. Es gibt Passagen, die mich besonders berühren, nicht unbedingt die fröhlichen, eher die melancholischen.“

Mozart zu hören und Mozart zu spielen, das ist für den Geiger aus Odessa zweierlei. „Das klappt noch nicht“, sagt er. Überhaupt legt der mehrfach ausgezeichnete Musiker (u.a. Alois-Kottmann-Preis der Stadt Frankfurt, Moskauer Paganini-Wettbewerb, Young Concert Artists International Auditions New York) überraschend viel Selbstkritik an den Tag, wenn es darum geht, über die eigene Person zu urteilen. Zum Komponieren, so sagt er, fehle ihm das Talent, er treibe keinen Sport mehr („früher habe ich Fußball und Tischtennis gespielt“) und er verbringe zu viel Zeit mit YouTube: „Ich sollte besser mehr Bücher lesen.“

2007 hat er sein Studium an der Hochschule für Musik in Köln aufgenommen. Derzeit tourt der Meisterschüler von Zakhar Bron durch die USA, das Konzertengagement für Städte wie New York, Washington D.C. oder Vermont ist Teil des Preises, den er bei den Young Concert Auditions gewonnen hat: „Verglichen mit Köln ist das ein total verrücktes, faszinierendes Leben. Man trifft immer neue Leute, man bleibt nie auf einer Stelle und wohnt in immer anderen Häusern.“

Eine Begegnung der dritten Art

Und neulich hatte er im Museum eine Begegnung der dritten Art: „Plötzlich stand ich dem Skelett eines Dinosauriers gegenüber. Das war ungemein beeindruckend.“ Der junge Mann mit den seelenvollen dunklen Augen liebt große Tiere: „Besonders Bären und Elefanten. Ich interessiere mich sehr für die Natur. Und für Astronomie. Eigentlich für alles, was mit unserer Erde zu tun hat und dem, was darüber hinausgeht.“ Manchmal spielt er auch Klavier oder Gitarre. Und singt Lieder von den Beatles: „Die mag ich sehr.“ Daheim in der Ukraine geht er manchmal fischen. Darüber, was derzeit dort passiert, mag er nicht reden. „Mir reicht, was 2004 passiert ist. Schon da war es mir genug. All die Massenproteste – und nichts hat sich geändert. Wenn man anfängt, Menschen zu töten, weiß ich nicht, wo das noch hinführen soll.“

Am Mittwoch, 26. Februar, 20 Uhr, gastiert Alexey Semenenko mit der Jungen Philharmonie Köln in der Philharmonie Essen. Zum Abschluss des Abends spielt er Ludwig van Beethovens Konzert D-Dur für Violine und Orchester, op. 61.

 
 

EURE FAVORITEN