Zalando zeigt RTL-Reporterin wegen Undercover-Bericht an

Der Versandhändler Zalando steht in der Kritik wegen seines Logistiklagers in Erfurt.
Der Versandhändler Zalando steht in der Kritik wegen seines Logistiklagers in Erfurt.
Foto: Bodo Marks/Archiv
Nach dem Enthüllungsbericht einer RTL-Reporterin, der die Missstände im Zalando-Logistiklager in Erfurt kritisiert, wehrt sich der Online-Versandhändler rechtlich gegen die Vorwürfe. Die Nutzer von Facebook und Twitter wetterten bereits gegen den Online-Händler.

Erfurt. Zalando klagt gegen die RTL-Reporterin Caro Lobig. Der Konzern wirft ihr Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen vor. Die 21-Jährige hat drei Monate lang undercover im Logistiklager des Versandhändlers gearbeitet. Nach ihrer Recherche soll Zalando massiv gegen das Arbeitsrecht verstoßen haben.

Die Tarnung der Reporterin flog am 28. März jedoch auf. Es folgte ein Polizeieinsatz und eine Anzeige von Zalando gegen Lobig. Die will das Onlinekaufhaus auch nicht zurückziehen, bestätigte Zalando-Sprecher Boris Radke gegenüber der Wirtschaftswoche: "Wir müssen verhindern, dass unsere Prozesse und Systeme, die wir zum Teil auch selbst entwickelt haben, irgendwo auf Film verfügbar sind."

Die Erfurter Staatsanwaltschaft bestätigte am Mittwoch, dass sie aufgrund der Anzeige Ermittlungen wegen des Verdachts auf Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen aufgenommen habe. Das Verfahren stehe noch am Anfang. Ein RTL-Sprecher sagte, juristischen Schritten sehe sein Sender gelassen entgegen.

Zalando wirft RTL-Reporterin Lügen vor

Zalando sagt, dass einige Behauptungen im RTL-Bericht glatte Lügen seien. So heißt es, ein Angestellter hätte auf der Toilette einen Herzinfakt erlitten. Zalando äußert sich auf seiner Homepage: "Wir waren erschüttert über den Bericht eines angeblichen Todesfalls in unserem Logistikzentrum in direkter Folge von Überarbeitung und den Vorwurf, diesen verheimlicht zu haben. Tatsache ist, dass es bis zum heutigen Tag keinen einzigen Todesfall in unserem Logistikzentrum in Erfurt gab."

Die RTL-Reporterin wiederum: Sie hat gemeinsam mit der Gewerkschaft Verdi eine Kündigungsschutzklage gegen Zalando auf den Weg gebracht. Die juristische Auseinandersetzung nennt Zalando auch als Grund, warum der Konzern zur Zeit nicht auf die Anfrage der RTL-Reporterin reagiert.

RTL-Reporterin filmte mit versteckter Kamera

In ihrem Bericht filmt Lobig mit einer versteckten Kamera ihre Arbeit im Logstiklager. Sie dokumentiert den Druck durch Vorgesetzte. Pausen würden nicht gerne gesehen, die Angestellten müssten pro Tag bis zu 27 Kilometer laufen, um die Ware einzusammeln. Als der Kreislauf der Reporterin kollabierte, habe sie statt medizinischer Versorgung eine Verzichtserklärung von Zalando erhalten.

Nach der Ausstrahlung des Berichtes folgte ein Shitstorm gegen Zalando. Besonders bei Facebook und Twitter wetterten viele Menschen gegen die "menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen". Einige User änderten das Zalando-Logo in "Sklavando".

Konzern will Vorwürfe aufklären

Der Online-Versandhändler reagierte promt und schrieb auf seiner Facebookseite: "Auch wir sind über den Beitrag erschüttert. Wir setzen uns kritisch mit dem eigenen Unternehmen auseinander und nehmen die Vorwürfe sehr ernst." In ausführlichen Stellungnahmen und Frage-Antwort-Form versucht der Konzern sich zu verteidigen.

Die Geschäftsführung versucht nun, die Vorwürfe aufzuklären. "Als die ersten kritischen Berichte kamen, sind wir nicht öffentlich in die Offensive gegangen. Das war falsch. Deshalb wollen wir offener werden; aber auch, weil wir nichts zu verstecken haben", sagt Zalando-Geschäftsführer David Schröder in einem Interview mit dem Handelsblatt.

Die Nutzer bei Facebook und Twitter beschwichtigt das kaum, sie wettern online weiter gegen den Versandhändler. RTL will das Thema weiter im Auge behalten. "Unsere Reporter werden weiter verfolgen, ob die von Zalando angekündigten Überprüfungen zu Veränderungen geführt haben", sagte ein RTL-Sprecher. "Darüber berichten wir weiter." (we/mit dpa)