Wirtschaft umwirbt die Studienabbrecher

Glücklich mit dem Wechsel: Tiziana Belmonte tauschte das Sprachenstudium gegen eine Berufsausbildung zur Kauffrau für Marketingkommunikation.
Glücklich mit dem Wechsel: Tiziana Belmonte tauschte das Sprachenstudium gegen eine Berufsausbildung zur Kauffrau für Marketingkommunikation.
Foto: Jakob Studnar
Mehr als jeder vierte Bachelor-Student bricht sein Studium vorzeitig ab. Da Fachkräfte fehlen, werben immer mehr Unternehmen um diese Gruppe.

Duisburg/Essen.. Die Wirtschaft interessiert sich inzwischen verstärkt um Studienabbrecher. „Die Firmen freuen sich auf diese Bewerber. Die Neuorientierung ist kein Scheitern, sondern eine Chance“, betont Hans Michaelsen, Geschäftsführer für Aus- und Weiterbildung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Essen. Die Studienaussteiger seien in der Regel reifer und wüssten besser, was sie wollen.

Vor allem in den naturwissenschaftlichen Fächern scheitern viele Studierende. Hier schaffen es nach Zahlen des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) fast 40 Prozent nicht bis zum Abschluss. Nach Schätzungen verlassen jedes Jahr rund 100.000 Studierende vorzeitig die Hochschule. „Eine solche Verschwendung von Talenten, Zeit und Ressourcen können wir uns nicht länger leisten“, sagte NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD). Erklärtes Ziel der Landesregierung ist es daher, die Abbrecherquote um 20 Prozent zu senken.

„Ein Wechsel eröffnet hervorragende Perspektiven“

Zugleich sollen Aussteiger schneller in eine geeignete Berufsausbildung vermittelt werden. Zu diesem Zweck schlossen jetzt die Universität Duisburg-Essen mit Vertretern der Arbeitsagenturen Essen, Mülheim/Oberhausen und Duisburg sowie der Hochschule Ruhr-West (Mülheim) und den Industrie- und Handwerkskammern in den vier Ruhrgebietsstädten einen Kooperationsvertrag. Ziel ist es, ehemalige Studenten besser in das Arbeits- und Ausbildungsleben zu vermitteln. In den Beratungsstellen an den Hochschulen können Studienberater künftig auf die Stellenausschreibungen der Kammern zugreifen.

Viele Studienzweifler klagten über fehlende Praxisanteile im Studienverlauf. Stefan Dietzfelbinger, Hauptgeschäftsführer der IHK Niederrhein, wirbt um diese Klientel: „Ein Wechsel in eine Berufsausbildung eröffnet hervorragende Perspektiven.“ Oftmals würden erbrachte Studienleistungen von den Ausbildungsbetrieben anerkannt.

Viele Hochschulen im Ruhrgebiet kooperieren bereits mit Arbeitsagenturen und Kammern. Studierende können auf kurzem Wege „über den Flur“ vom Studienberater zum Büro der Arbeitsagentur wechseln, um sich über Alternativen zu informieren, erklärt Isabell van Ackeren, Prorektorin für Lehre an der Uni Duisburg-Essen.

 
 

EURE FAVORITEN