Windows macht sich fit für Tablets

Sven Frohwein
Hatten offensichtlich Spaß bei der Vorstellung von „Windows 8“: Windows-Chef Steven Sinofsky und Microsoft-Managerin Julie Larson-Green. Foto: ap
Hatten offensichtlich Spaß bei der Vorstellung von „Windows 8“: Windows-Chef Steven Sinofsky und Microsoft-Managerin Julie Larson-Green. Foto: ap
Foto: AP
US-Softwareriese Microsoft entdeckt mit seinem neuen Betriebssystem „Windows 8“ den Tablet-Computer für sich. Und plant wie die Konkurrenz von Google und Apple, Apps zu verkaufen. Wann das neue System erscheint, ist allerdings noch nicht bekannt.

Essen. Software-Entwickler müsste man sein: Denn US-Elektronikriese Microsoft zeigte sich gegenüber den anwesenden Vertretern dieser Zunft im kalifornischen Anaheim besonders großzügig: Als Windows-Chef Steven Sinofsky seinen Vortrag auf der Entwicklerkonferenz „Build“ beendet hatte, durfte jeder der Anwesenden einen nagelneuen Minicomputer mit nach Hause schleppen. Der eigentliche Star aber war das Betriebssystem, das auf den Samsung-Geräten lief: „Windows 8“.

Der Nachfolger des äußerst erfolgreichen PC-Betriebssystems Windows 7 ist Microsofts Antwort auf die immer mächtiger werdende Konkurrenz von Apple und Google. Und die setzen bekanntlich nicht auf den PC, sondern auf Tablet-Computer. Den Geräten trägt jetzt auch Windows 8 Rechnung. Denn was bei den Mitbewerbern schon Standard ist, soll jetzt auch dem Windows-PC zu einfacherer Bedienung verhelfen: Künftig darf auch bei Microsoft nach Herzenslust mit Fingern getippt, gewischt und gezoomt werden. Berührungsempfindliche Bildschirme hätten alles verändert, muss auch Steven Sinofsky zugeben: „Wer es einmal ausprobiert hat, will es nicht mehr missen.“

Windows Phone 7 ist das Vorbild

Dabei erinnert der neuste Microsoft-Ableger stark an das schon seit Monaten am Markt befindliche Handy-Betriebssystem Windows Phone 7. Die Software ist denn auch nicht nur für den heimischen PC gedacht, sondern vor allem für die immer größer werdende Palette der Streichel-PC. Von Microsofts Handy-System übernimmt Windows 8 die sogenannten Kacheln, die die Programm-Icons und die 1995 eingeführte Startleiste ersetzen. Die Kacheln sind aber nicht nur einfache Platzhalter, sie sind gleichzeitig Vorschaufenster auf das, was sich hinter ihnen verbirgt. Die Kachel für E-Mails beispielsweise zeigt die neuste elektronische Post direkt auf dem Desktop an. Wer mehr lesen will, tippt mit Maus oder Finger drauf.

Und noch etwas hat sich Mi­crosoft bei der Konkurrenz abgeschaut: die Art, Geld zu verdienen. Auch für Windows 8 soll es Apps geben. Mit den Miniprogrammen soll allein Apple 2010 zwei Milliarden Dollar Umsatz gemacht haben. Kein Wunder, dass Microsoft da mitmischen will. Nur einen Erscheinungstermin für Windows 8, den nannte der Konzern nicht.