Windanlagenbauer Prokon wird eine Genossenschaft

Prokon-Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin. Für die Gläubigerversammlung ist eigens eine Hamburger Messehalle angemietet worden.
Prokon-Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin. Für die Gläubigerversammlung ist eigens eine Hamburger Messehalle angemietet worden.
Foto: dpa
Die Insolvenz der Windenergie-Firma Prokon ist eine der größten deutschen Unternehmenspleiten. Jetzt hat die Firma wieder eine Zukunft.

Hamburg.. Die Gläubiger der insolventen Windenergie-Firma Prokon haben sich einhellig und mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, das Unternehmen als Genossenschaft fortzuführen und nicht zu verkaufen. Bei der Gläubigerversammlung in Hamburg stimmten rund 80 Prozent des vertretenen Anlegerkapitals für das Genossenschaftsmodell, teilte Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin mit. Ein Kaufangebot des Energieversorgers EnBW über 550 Millionen Euro wurde nicht mehr zur Abstimmung gestellt,

Für die Gläubigerversammlung von Prokon ist eigens eine Hamburger Messehalle mit 9200 Platzen angemietet worden. Sie wurde in der Größe nicht benötigt; es kamen schließlich nur etwas mehr als 2000 Gläubiger persönlich. Über Anwälte und Vollmachten waren aber die meisten der 75.000 Anleger dabei, die rund 1,4 Milliarden Euro in Prokon investiert hatten.

Worüber stimmten die Gläubiger ab?

Der Insolvenzverwalter legte einen Genossenschafts-Insolvenzplan und einen Investoren-Insolvenzplan vor. Für den ersten Vorschlag mussten sich bereits im voraus Genussrechts-Inhaber mit Forderungen über mindestens 660 Millionen Euro verbindlich verpflichten, ihr Kapital in die Genossenschaft einzubringen. Die Hürde wurde mit 866 Millionen Euro genommen. Bei der Abstimmung waren es dann 843 Millionen Euro. Der zweite Vorschlag - ein Verkauf an den Karlsruher Energiekonzern EnBW - kam nicht zum Zuge und wurde auch nicht mehr zur Abstimmung gestellt.

Was bringt den bisherigen Genussrechts-Inhabern eine Genossenschaft?

Das Kerngeschäft von Prokon - Windenergie-Anlagenbau und Stromhandel - wird fortgeführt. Die Gläubiger erhalten nach einer Prognose voraussichtlich 57,8 Prozent ihres eingesetzten Geldes zurück (Insolvenzquote) - allerdings über zwei Komponenten: Genussrechts-Inhaber, die an Prokon beteiligt bleiben wollen, können voraussichtlich 23,3 Prozent ihrer Forderungen in eine längerfristige Mitgliedschaft umwandeln. Zusätzlich haben sie Anspruch auf eine bis zum Jahr 2030 laufende Schuldverschreibung.

Genussrechts-Inhaber, die aus Prokon aussteigen wollen, erhalten eine Barabfindung aus dem geplanten Verkauf eines Palettenwerks in Torgau sowie rumänischer Wälder (ebenfalls 23,3 Prozent). Außerdem bleibt ihnen ebenfalls der Anspruch auf die - wie angekündigt - handelbare, festverzinsliche Anleihe.

Warum stimmten die Gläubiger mehrheitlich für eine Genossenschaft?

Viele, vor allem der Verein "Freunde von Prokon" mit mehr als 10.000 Mitgliedern, setzen sich für eine ökologische Energiewende ein und wollen diese mit Bürgerbeteiligung gestalten. Sie erwarten eine prosperierende Zukunft von Prokon und lasten die Insolvenz dem Missmanagement des Firmengründers Carsten Rodbertus an. Außerdem hoffen die Genussrechtsinhaber, dass sie nach bisherigen Verlusten über die Anleihe noch eine Rendite für ihr Geld erhalten werden.

Wie geht es im Unternehmen weiter, was passiert mit den rund 300 Arbeitsplätzen bei Prokon?

Da das Unternehmen fortgeführt werden soll, bleiben die Arbeitsplätze vorerst erhalten. Der Insolvenzverwalter wird die Genossenschaft gründen, übrige Unternehmensteile veräußern und das Insolvenzverfahren abschließen. Es soll in einigen Wochen aufgehoben werden. Der Aufsichtsrat und die derzeitige Prokon-Geschäftsführung werden sich über die Ausgestaltung der Genossenschaft zu verständigen haben. "Wir müssen eine To-do-Liste aufstellen und abarbeiten", kündigte Vereinsvorstand Wolfgang Siegel an. Er ist auch im Kontrollgremium vertreten. (dpa)

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