Wie Tesla die Autoindustrie weltweit unter Druck setzt

Das Tesla Model 3 bei einer Präsentation in Kalifornien.
Das Tesla Model 3 bei einer Präsentation in Kalifornien.
Foto: REUTERS
Der Tesla-Chef Musk bedroht mit seinen Innovationen das Geschäft der Autoindustrie. Er setzt die traditionellen Autobauer unter Druck.

Man stelle sich vor, Volkswagen, Daimler oder BMW hätten ein solch begehrenswertes und umweltfreundliches Elektroauto konstruiert, dass die Menschen frühmorgens auf der Straße vor den Filialen Schlange stünden, um es zu bestellen. Ein Auto, für das die Kunden gerne viel Geld bezahlen wollen, ohne jemals damit gefahren zu sein. Ein Fahrzeug, dass Zehntausende Käufer blind bestellen, weil sie glauben, dass es besser sein wird als alle vergleichbaren Produkte auf dem Markt.

Eine schöne Vorstellung, doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Es ist der kalifornische Multimilliardär Elon Musk und seine Firma Tesla, die sich gerade als Außenseiter anschicken, den Massenmarkt für Elektromobilität zu erfinden und die Geschäftsmodelle der traditionellen Autobauer anzugreifen.

Ein selbsterklärter Weltverbesserer

Vieles daran mag noch utopisch klingen – doch für die Verwirklichung von kühnen Technikutopien fühlt sich der selbsterklärte Weltverbesserer Musk besonders qualifiziert. Mit PayPal hat er ein weltumspannendes Onlinebezahlsystem mit Millionen Nutzern geschaffen, mit SpaceX schießt er Satelliten ins All und reanimiert sogar die bemannte Raumfahrt in den USA.

Jetzt nimmt Musk sich den Automarkt vor. Noch sind die Absatzzahlen seiner defizitären Firma Tesla ein Witz im Vergleich zu großen Konzernen – aber die bahnbrechenden Tesla-Produkte sind eine Warnung und eine Provokation für alle traditionellen Autobauer. Denn Tesla baut Autos, die aus der Zukunft zu kommen scheinen. Fahrzeuge, die tatsächlich smart sind. Rollende Computer mit modernem Design. Doch das ist nicht die Hauptsache. Vor allem durch die Reichweite einer Batterieladung unterscheidet sich Tesla von allen Wettbewerbern. Sie beträgt laut Musk mindestens 346 Kilometer. Für 35.000 Dollar (31.000 Euro) soll das Model 3 auf den Markt kommen. Wenn Musk liefert, was er verspricht, müssen sich traditionelle Autobauer sehr anstrengen, um mithalten zu können.

Eher dinosaurierhafte Anpassungsgeschwindigkeit

Während Musk provokativ über die „Benzinköpfe“ in den Vorstandsetagen der anderen Autokonzerne lästert, lässt sich dort tatsächlich oft eher eine dinosaurierhafte Anpassungsgeschwindigkeit an die neue Zeit beobachten.

Ein besonders krasses Beispiel von Rückwärtsgewandtheit lieferte gerade VW ab. Statt seine Ingenieure das modernste Elektroauto der Welt bauen zu lassen, wurde im Konzern viel Aufwand betrieben, um rückständige Dieselautos so zu manipulieren, dass sie nur in Testsituationen nicht so viel giftige Stickoxide ausstoßen wie sonst immer: im realen Fahrbetrieb, in der Lebenswelt der Kunden. Auch BMW kann mit Tesla nicht mithalten. Zwar haben die bayerischen Autobauer mit viel Aufwand den i3 entworfen, aber das Elektroauto schafft es laut Testberichten im Winter gerade mal 90 Kilometer weit.

Und Daimler mischt zwar bei der Elektromobilität überall etwas mit, doch als führenden Konzern nimmt den Stuttgarter Autobauer dabei aber niemand wahr. Der Smart ist eher ein beengtes Stadtfahrzeug. Und Daimlers Vorzeigeelektrofahrzeug, den SLS electric drive, gibt es nur in einer limitierten Auflage von 416 Stück und nur mit einer Reichweite von 250 Kilometern. Dafür aber für 416.000 Euro.

Musk, der kreative Zerstörer

Im vergangenen Jahr trennte sich Daimler zudem von seiner einstigen Batterievorzeigefabrik Li-Tec in Kamenz in Sachsen. Damit schloss die einzige Fabrik in Deutschland, die Lithium-Ionen-Zellen für Elektroautos im indus­triellen Maßstab herstellte. Eine innovative Vorreiterschaft bei der Elektromobilität sieht anders aus.

Deshalb starren alle fasziniert auf Musk, den kreativen Zerstörer. Ob er jemals so viele Autos verkaufen wird wie diese, darf bezweifelt werden. Aber er treibt den Markt an. Eine Rolle, die Musk liegt. 130.000 Vorbestellungen in nur 24 Stunden für sein Elektroauto. Die etablierten Konzerne müssen beweisen, dass sie es besser können. Und Musk muss jetzt zeigen, dass sein Auto auch 346 Kilometer weit fährt.

EURE FAVORITEN

Weitere interessante Artikel