Wie NRW von einem Aral-Verkauf betroffen wäre

Die Deutschlandzentrale von BP und Aral an der Wittener Strasse in Bochum. Foto: Ingo Otto
Die Deutschlandzentrale von BP und Aral an der Wittener Strasse in Bochum. Foto: Ingo Otto
Foto: WAZ FotoPool

Bochum. Wegen der Ölpest vor der US-Küste wird auch über das deutsche Geschäft von BP spekuliert. Bei einem Verkauf von Aral wäre der Standort NRW stark betroffen.

Vom neuen BP-Chef Bob Dudley wird erwartet, dass er den Konzern neu erfindet. Mit der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko hat sich die Situation für das traditionsreiche britische Unternehmen grundlegend geändert. Plötzlich werden auch Dinge für möglich gehalten, die vor einigen Monaten noch undenkbar erschienen. Und so wird mittlerweile auch darüber spekuliert, dass sich BP von der deutschen Tankstellenkette Aral trennen könnte.

BP benötigt Geld, um die Kosten zu decken, die durch die Ölpest entstehen. Dudley muss die Trennung von Firmenteilen vorantreiben, damit BP den milliardenschweren Verpflichtungen nachkommen kann. Der Konzern hatte angekündigt, innerhalb von 18 Monaten Vermögenswerte im Volumen von bis zu 30 Milliarden Dollar zu verkaufen.

Dabei soll angeblich auch das Deutschlandgeschäft von BP eine Rolle spielen. Die „Wirtschaftswoche“ berichtet unter Berufung auf beteiligte Investmentbanker, auch die Tankstellenkette Aral mit ihren bundesweit rund 2500 Stationen stehe auf der Verkaufsliste. Als Interessenten gelten demnach der französische Ölkonzern Total, der russische Konkurrent Rosneft sowie der Tankstellenverbund Avia. Der Wert von Aral werde auf gut zwei Milliarden Euro beziffert. Auch an den BP-Raffinerien in Gelsenkirchen und Lingen sei Rosneft interessiert. Eine BP-Sprecherin bezeichnete den Bericht gegenüber dieser Zeitung als „reine Spekulation“.

Die Geschäfte der deutschen BP werden von Bochum aus geleitet

In Nordrhein-Westfalen ist BP besonders stark vertreten. In Bochum befindet sich die deutsche Zentrale des Konzerns. Gelsenkirchen ist der wichtigste Raffinerie-Standort. Bundesweit beschäftigt BP rund 5200 Mitarbeiter, davon etwa 1000 in Bochum und 2000 in Gelsenkirchen. Die Marke Aral, die seit 2002 zu BP gehört, ist bundesweit Marktführer im Tankstellengeschäft. Die Geschäfte der deutschen BP leitet Vorstandschef Uwe Franke von Bochum aus, die große Konzernstrategie wird allerdings in London entwickelt.

„Aufgrund der wirtschaftlichen Situation ist klar, dass der Konzern Unternehmensteile verkaufen muss“, sagte die Energieexpertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) im Gespräch mit dieser Zeitung. „Den Tankstellenmarkt zu verlieren, wäre für BP schmerzhaft, aber letztlich verkraftbar. BP wird sich künftig vermutlich eher auf das Ölfördergeschäft und alternative Energien konzentrieren.“

Die BP-Zentrale in London verwies darauf, dass der Konzern die Absicht habe, zunächst einmal Vermögensteile aus dem Bereich der Öl-Förderung und -Produktion zu veräußern – ein Indiz dafür, dass Aral nicht ganz oben auf der Verkaufsliste steht.

Dass der russische Ölkonzern Rosneft seine Chancen auf dem deutschen Markt auslotet, wurde schon vor einigen Wochen bekannt. Rosneft könnte ins westeuropäische Endkundengeschäft einsteigen und Aral mit Benzin beliefern, das aus russischem Erdöl eigener Produktion gewonnen wird. Aus diesem Grund wäre für Rosneft auch ein Erwerb der beiden BP-Raffinerien in NRW interessant.

 
 

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