Wie gut sind Billig-Möbel? Ikea, Roller und Co. im Test

„ZDFzeit“ hat die Möbel-Discounter Ikea, Roller und Höffner getestet: Wer bietet die besseren Möbel zum kleinen Preis?
„ZDFzeit“ hat die Möbel-Discounter Ikea, Roller und Höffner getestet: Wer bietet die besseren Möbel zum kleinen Preis?
Foto: Franziska Boeing / ZDF
Das ZDF hat Möbel von Ikea, Roller und Höffner getestet. Defizite haben alle Möbelhändler, doch es gibt einen eindeutigen Gewinner.

Berlin.  In der ZDFzeit-Dokumentation „Ikea, Roller & Co. – Wer ist der beste Möbel-Discounter?“ testet der Fernsehsender die drei großen Möbelhäuser auf dem deutschen Markt. In den Kategorien Preis, Qualität, Service und Transparenz lässt das ZDF die Händler antreten. Am Ende gibt es einen deutlichen Gewinner und zahlreiche Überraschungen.

Dabei begeben sich die Filmemacherinnen Franziska Boeing und Kristin Siebert auf ein schwieriges Terrain. Der Markt für Möbel ist riesig. Allein Ikea hat im vergangenen Jahr 4,5 Milliarden Euro in Deutschland umgesetzt. Bei Höffner waren es 2,1 Milliarden Euro, bei Roller 1,5 Milliarden.

Kaum ein Wirtschaftszweig gilt unter Beobachtern aber als so intransparent wie der Möbelmarkt. So sind die jeweiligen Möbelmodelle der Hersteller kaum vergleichbar. Dass auf Produkte stets hohe Rabatte gewährt werden, lässt den Kunden mit der Frage zurück: „Wie viel ist das Modell denn nun wirklich wert?“ Das ZDF liefert mit seiner Doku allerdings Testergebnisse, die diese Umstände quasi vergessen lassen.

Qualitätssieger: Ikea

Potentielle Kunden und Experten wie Schreiner, Dekra-Tester und Mitarbeiter von Umzugsunternehmen standen für den Test bereit. Auch Laien bauen Betten und Regale auf und wieder ab. Dabei zeigt sich in puncto Qualität schnell ein Sieger: Ikea. Die Möbel halten viel aus und sind verhältnismäßig leicht aufzubauen. Abstriche gibt es lediglich bei der Qualität der Deko-Artikel von Ikea, die das ZDF hat testen lassen. Zudem attestiert ein Schreiner den Möbeln von Ikea – wie auch denen aller anderen Händler – zu dünne Rückwände.

Den negativen Ausreißer bildet ein Produkt von Rolle. Das Tempra KR01 von Roller hält Gewichten von nur knapp über fünf Kilogramm nicht stand. Die Regalbretter sind dazu nicht fixiert und können leicht herausfallen – vor allem für Kleinkinder ein Verletzungsrisiko. Der Händler hat reagiert. Das Produkt verschwindet „sowohl aus dem Onlinebereich als auch aus unseren Filialen“, wie der Geschäftsführer von Roller, Marcus Droste, gegenüber dem ZDF sagte.

Preissieger: Ikea

Im Test-Warenkorb für die Dokumentation sind ein Bett, eine Kommode und ein Regal in vergleichbarer Größe und Qualität gelandet. Alle Produkte zusammen genommen kosten bei Ikea 303 Euro, bei Höffner 393 Euro und bei Roller 478 Euro. Damit stellt sich Ikea in diesem Fall als Testsieger dar.

Servicesieger: Roller

Für einen Service-Test hat das ZDF drei Pärchen in Filialen der drei Möbelhäuser geschickt. Dort sollten sich die Tester eine Lampe und einen Teppich bei einem Budget von 100 Euro empfehlen lassen. Während das Personal bei Ikea gestresst wirkte und kaum helfen konnte, gab es bei Roller eine „tadellose Beratung“, wie ein Tester sagte.

Bei Höffner wurden dagegen Produkte empfohlen, die weit außerhalb des Budgets lagen und in der Lampen-Abteilung empfahl eine Mitarbeiterin, sich einfach „irgendeine“ Lampe auszusuchen.

Beim Telefonservice konnte hingegen Ikea punkten. Bei Höffner gab es am Wochenende keine Hilfe der Hotline, bei Roller konnten Bestellungen nicht verlässlich abgegeben werden. Der gute Service vor Ort brachte dennoch einen Punkt für Roller.

Transparenzsieger: noch gesucht

Die Möbelbranche steht immer wieder in der Kritik wegen undurchsichtiger Rabattaktionen. Wenn es um die Kataloge von Höffner geht, fällt Elvira Schade, Rechtsanwältin der Wettbewerbszentrale im TV, ein deutliches Urteil: „Es handelt sich um irreführende und unlautere Werbung“. Auch gegen Roller ermitteln die Wettbewerbshüter.

Wenn es um die Herkunft der Produkte und die Nachhaltigkeit der Herstellung geht, haben laut ZDF noch alle Händler Nachholbedarf. Lediglich ein Verkäufer bei Roller konnte Testkunden Möbel aus nachhaltiger Holzwirtschaft empfehlen. Obwohl Ikea offiziell von 50 Prozent nachhaltigem Holz spricht, sind Möbel aus solchem Holz in den Filialen nicht zu finden. Vor diesem Hintergrund vergibt das ZDF keinen Punkt in der Kategorie Transparenz.

Was der Dokumentation fehlt

Nicht nur die Möbel, sondern auch der ZDF-Film muss einen Test über sich ergehen lassen. So weist die Doku einige Mängel auf. Vor allem bei der Frage zur Qualität hätte ein Rückblick auf Sicherheitsrisiken bei Ikea-Produkten nicht geschadet. Der Möbelhersteller hatte im Sommer 2016 in den USA mit Rückrufaktionen zu kämpfen, nachdem Kommoden des schwedischen Möbelhauses umgekippt waren und nach Ansicht von US-Verbraucherschützern so ein erhebliches Sicherheitsrisiko bildeten.

Auch finden einige der Tests unter ungleichen Vorzeichen statt. Die Laien-Teams beim Aufbau der Möbel sind zum Beispiel nicht gleich groß. Kein Wunder also, dass zwei Menschen beim Aufbau länger brauchen als andere Teams mit mehr Mitgliedern. Am Ende sind allerdings die Mängel und Preisunterschiede so groß, dass die Ergebnisse dennoch eindeutig sind.

• Die Dokumentation ist in der ZDF-Mediathek zu sehen.

 
 

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