Wie die Deutsche Bahn ein Fünftel mehr Züge einsetzen will

Züge vom Typ ICE am Hauptbahnhof in München (Bayern). Das sogenannte Programm „Digitale Schiene“ soll den Bahnverkehr bis 2030 digitalisieren.
Züge vom Typ ICE am Hauptbahnhof in München (Bayern). Das sogenannte Programm „Digitale Schiene“ soll den Bahnverkehr bis 2030 digitalisieren.
Foto: Matthias Balk / dpa
Die Deutsche Bahn will ihr Streckennetz digitalisieren. Damit könnte sie auch Verspätungen vermeiden. Was steckt hinter dem Projekt?

Berlin.  Es könnte eine kleine Revolution des Fernverkehrs in Deutschland bedeuten: Die Bahn will ihr Streckennetz grundsätzlich digitalisieren, um mehr Züge auf die Schienen zu bringen. „Ziel ist es, sage und schreibe bis zu 20 Prozent mehr Kapazität im deutschen Schienennetz zu schaffen“, sagte Bahnchef Richard Lutz in Berlin. Auch Verspätungen sollen damit vermieden werden.

Hintergrund ist das sogenannte Programm „Digitale Schiene“, das bis zum Jahr 2030 einen grundlegenden technischen Wandel im deutschen Eisenbahnsektor bringen soll. Am Ende steht laut Bahnchef Lutz ein Netz aus digitaler Leit- und Sicherungstechnik, das eine dichtere Zugfolge und eine bessere Ausnutzung der Schienenwege möglich mache.

Zugsteuerung ETCS ermöglicht engeren Takt

Flächendeckend plant die Bahn die digitale Zugsteuerung European Train Control System (ETCS). Diese macht die bisher eingesetzten optischen Signale, die Züge wie Ampeln im Straßenverkehr steuern, auf den Strecken überflüssig. Die Bahnen werden digital mit dem ETCS digital gesteuert, was einen engeren Takt ermöglicht. Auf längere Sicht könnte das System sogar die Grundlage für autonom fahrende Züge sein.

Das aktuelle Netz der deutschen Bahn ist hochkomplex – und fehleranfällig: Täglich 40.000 Züge im Fern-, Nahverkehr und Güterverkehr sind täglich auf dem Schienennetz unterwegs. In den deutschlandweit rund 3000 Stellwerke, an denen Weichen und Signale geregelt werden, arbeiten mehr als 12.000 Fahrdienstleiter.

McKinsey prüft Machbarkeit

Günstig wird das Projekt nicht. Experten schätzen die Kosten für den Umbau laut „Süddeutscher Zeitung“ auf mindestens 30 Milliarden Euro. Da die Bahn hoch verschuldet ist, rechnen sie damit, dass der Bund als Eigentümer einspringt. Laut der Zeitung lässt das Bundesverkehrsministerium die Machbarkeit gerade von der Unternehmensberatung McKinsey prüfen. Auf lange Sicht erwarten Fachleute auch Einsparungen: Zum Beispiel bräuchte die Bahn weniger Personal für den Betrieb des Netzes.

Die Modernisierung spielt auch verkehrspolitisch eine entscheidende Rolle. Das rasante Verkehrswachstum vor allem auf den Straßen hat in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass der Verkehrssektor gegenüber 1990 kein Treibhausgas einsparte. Laut Sondierungspapier von Union und SPD sowie dem Klimaschutzplan der amtierenden Bundesregierung soll sich das bis 2030 grundlegend ändern.

20 Signalsystem in Europa vereinheitlichen

Der umweltfreundliche Schienenverkehr soll so gestärkt werden, für den Personenverkehr attraktiver werden und dem Lkw-Verkehr stärker Konkurrenz machen. Im Sondierungspapier von Union und SPD hat zudem die Digitalisierung einen Schwerpunkt, dorthin sollen erheblich mehr Mittel fließen.

Das European Train Control System (ETCS) soll längerfristig auch die Zugverkehr zwischen den europäischen Ländern vereinfachen. Die neue Technik soll rund 20 verschiedene Signalsysteme in Europa vereinheitlichen. (les/mit rtr)

 
 

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