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Wie das Geschäft der Heizungsableser funktioniert

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BGH ueber die Gueltigkeit von Heizkostenabrechnung
In wenigen Wochen beginnt wieder die Hochsaison für Heizungsableser. Zu den Branchenriesen zählt die Essener Firma Ista. Allein in Deutschland kümmert sich das Unternehmen um 4,4 Millionen Wohnungen. Nun strebt Ista an die Börse – ein Gespräch mit Firmenchef Walter Schmidt.

Essen. 

Bald beginnt wieder die Hochsaison für Heizungsableser. Dann schwärmen auch die Mitarbeiter des Essener Branchenriesen Ista aus, um zu messen, wie viel Energie Millionen Mieter verbraucht haben. „Im Januar setzen wir mehr als 2500 Ableser in Deutschland ein, darunter zahlreiche 400-Euro-Kräfte“, erzählt Ista-Geschäftsführer Walter Schmidt im Gespräch mit dieser Zeitung. „Auch viele Polizisten oder Schichtarbeiter, die sich Geld dazuverdienen möchten, sind für uns tätig.“ Es geht um ein großes Geschäft. Ista kümmert sich weltweit um rund elf Millionen Wohnungen, 4,4 Millionen davon befinden sich in Deutschland.

Zu den großen Auftraggebern gehören Immobilienkonzerne wie die Deutsche Annington und die LEG. Weltweit zählt Ista 450 000 Kunden und sieht sich damit als Weltmarktführer. In Deutschland ist nur der Konkurrent Techem stärker. Ista zählt weltweit 4600 Mitarbeiter, 1200 Beschäftigte sind es in Deutschland. Derzeit liegt Ista in den Händen der britischen Finanzinvestoren Charterhouse (56 Prozent) und CVC (24 Prozent). Das Ista-Management ist mit 20 Prozent beteiligt.

„Wir wären vorbereitet für den MDax“

Nun liebäugelt Ista-Chef Schmidt mit einem Börsengang. „Die Zusammenarbeit mit einem Finanzinvestor ist in der Regel eine Partnerschaft auf Zeit“, sagt er. „Als Weltmarktführer sind wir ein Kandidat für einen Börsengang. Wir wären vorbereitet für den MDax.“ Das Unternehmen hofft dabei auf Rückenwind durch die Diskussion über mehr Energieeffizienz. „Die Energiewende beflügelt unser Geschäft“, sagt Schmidt. „Wir sehen weltweit einen starken Trend zu mehr Energieeffizienz. China ist dafür ein faszinierendes Beispiel.“ Schon jetzt erwirtschaftet Ista rund 50 Prozent des Umsatzes außerhalb Deutschlands.

In der Branche ist es derzeit üblich, den Kunden jährlich mitzuteilen, wie viel Energie sie verbraucht haben. Schmidt erwartet ein Umdenken. „Die Zukunft liegt in der monatlichen Verbrauchsinformation“, sagt er. „Eine monatliche Information führt in der Regel dazu, dass die Heizkosten der Verbraucher deutlich sinken. Mehr Transparenz schafft bei den Kunden mehr Kostenbewusstsein.“ In der Regel rechne das Unternehmen seine Dienstleistung über eine Pauschale ab, die in Deutschland derzeit im Schnitt bei etwa 40 Euro pro Jahr liege. „Für einen Aufpreis von zehn Euro pro Jahr können wir monatliche Verbrauchsinformationen liefern.“

Dazu ist aber die Funktechnologie erforderlich, mit der nur jeder vierte Kunde ausgestattet ist. Hintergrund: Im Moment arbeitet Ista mit unterschiedlichen Systemen: zum einen mit Verdunstern, also Röhrchen mit Flüssigkeit, die sich am Heizkörper befinden; zum anderen mit elektronischen Geräten. Schmidt räumt ein: „Die Genauigkeit von elektronischen Geräten ist verständlicherweise größer. Auch daher raten wir unseren Kunden zum Einsatz der modernen Funk-Technologie.“

„Der Mieter muss schließlich auch die Wartung der Aufzüge im Haus zahlen“

Verbraucherschützer beäugen die Branche kritisch – von zu wenig Wettbewerb und zu hohen Preisen ist die Rede. Tatsächlich erreicht Ista in Deutschland einen Marktanteil von 25 Prozent – und ist damit bundesweit gerade einmal die Nummer zwei auf dem Markt. „In Deutschland zählt unsere Branche mittlerweile fast 200 Unternehmen. Das führt zu Wettbewerb und einem erhöhten Preisdruck“, kontert Schmidt. „Unsere Preise steigen mit der Inflation. Die Preissteigerungen bei Strom, Gas und Wasser oder Nebenkosten wie den Müllgebühren liegen um ein Vielfaches oberhalb der Inflationsrate.“

Kritisiert wird auch, dass Mieter in der Regel nicht mitreden können, wenn es um die Auswahl des Ablesedienstes geht. Schmidt verteidigt diese Praxis. „Es ist sinnvoll, dass uns der Immobilieneigentümer beauftragt“, sagt er. „Alles andere wäre kaum praktikabel, um den Verbrauch gerecht abzurechnen. Der Mieter muss schließlich zum Beispiel auch die Wartung der Aufzüge im Haus zahlen.“