Werl verzichtet auf 11 Millionen Euro Steuergelder – und rettet ATU

Hagen/Werl..  Die Stadt Werl erlässt dem Unternehmen ATU (Auto-Teile Unger) rund 11 Millionen Euro Gewerbesteuern und leistet damit offenbar den entscheiden Beitrag für eine Sanierung des finanziell angeschlagenen Gesamtunternehmens.

In Werl (Kreis Soest) hat die Kfz-Werkstatt- und -Fachmarkt-Kette ATU ein Zentrallager; beschäftigt sind dort 150 Mitarbeiter. Gesellschafter und Gläubiger hatten gegenüber dem Gesamtunternehmen mit Hauptsitz in Weiden in der Oberpfalz auf Forderungen in Höhe von rund 600 Millionen Euro verzichtet. Dieser Forderungsverzicht ist, zumindest in den Rechnungsbüchern, wie ein Ertrag zu behandeln, ohne dass es tatsächlich einen Zahlungseingang gegeben hat – es handelt sich um einen „Sanierungsgewinn“. ATU hat die Stadt Werl gebeten, auf die auf den Sanierungsgewinn entfallenden, anteiligen Gewerbesteuern zu verzichten; nur, wenn alle Steuergläubiger auf die Abgabenzahlung verzichteten, ließe sich eine Insolvenz des Unternehmens abwenden, lautete die Begründung. Immerhin geht es um die Arbeitsplätze von rund 12 000 Mitarbeitern.

Der Hauptausschuss der Stadt Werl hat jetzt einer Erlasszusage und damit dem Verzicht auf rund 11 Millionen Euro Gewerbesteuern zugestimmt; der Stadtrat wird diesem Votum absehbar folgen.

„Das ist ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur Sanierung des Unternehmens“, ordnete ATU-Sprecher Manfred Meißner gestern gegenüber unserer Zeitung das Werler Votum ein. Ohne den Verzicht wäre „der aktuelle Sanierungsplan gescheitert“. Jetzt soll noch im Januar die Neuaufstellung des Unternehmens abgeschlossen werden. Am Ende soll der New Yorker Finanzinvestor Centerbridge Partners Mehrheitsgesellschafter von ATU sein.

Stadt bekommt Gelder vom Land

Obwohl die Entscheidung zum Verzicht in Werl mit nur einer Gegenstimme gefallen ist, ist der Vorgang nicht unumstritten. Die Stadt muss ihre Finanzen ordnen; ihr droht die bilanzielle Überschuldung. Werl gehört zu den Kommunen, die innerhalb des „Stärkungspaktes Stadtfinanzen“ Gelder vom Land NRW bekommen.

 
 

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