Wem die Handy-Flatrate nützt – und wem nicht

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Die viel beworbenen bequemen Pauschaltarife fürs Handy sind für Normalnutzer nicht immer die kostengünstigste Lösung. Verbraucherschützer kritisieren, dass es weniger die Kunden sind, die von den heftig beworbenen Pauschaltarifen profitieren.

Berlin.. Nichts scheint bequemer als eine Flatrate: Telefonieren, SMS-schreiben und surfen soviel man mag – und die Höhe der Handy-Rechnung steht dabei jeden Monat im Vorhinein fest. Besonders Vieltelefonierer und Smartphone-Nutzer wissen die Pauschaltarife deshalb zu schätzen. Über zusätzliche Kosten muss man sich so schließlich keine Gedanken mehr machen.

Die Bequemlichkeit hat indes ihren Preis. Verbraucherschützer kritisieren, dass es weniger die Kunden sind, die von den heftig beworbenen Pauschaltarifen profitieren. „Das dürfte sich vor allem für die Mobilfunk-Anbieter lohnen“, sagt Thomas Grund, Telekom-Experte bei der Stiftung Warentest. Denn viele Verbraucher schöpfen ihre Gesprächs- und Datenguthaben nicht aus – und spülen den Mobilfunkern so ungewollt viel Geld in die Kassen. „Nicht für jeden ist eine Flatrate deshalb geeignet“, meint Jürgen Scheurer vom Vergleichsportal Verivox.

Dauertelefonierer und Jugendliche, die unterwegs im Zehn-Minuten-Takt ihre Facebook-Seiten aktualisieren, fahren sicher gut mit Pauschaltarifen. Für Otto-Normalnutzer gibt es jedoch preiswerte Alternativen. Warentest-Fachmann Grund empfiehlt, das eigene Nutzungsverhalten kritisch in den Blick zu nehmen. Einen guten Anhaltspunkt bieten die letzten Handyrechnungen. Stellt sich dabei heraus, dass die Flatrate überdimensioniert ist, bieten sich zum Beispiel Verträge mit eingebauter Kostenbremse an. Nach dem Vorreiter O2 offerieren mittlerweile Discountanbieter wie Simyo und Blau.de (E-Plus-Netz), Fonic, Lidl Mobile (alle O22) oder DeutschlandSim (O2, gegen Aufpreis D-Netz) Tarife mit einem so genannten Kosten-Airbag.

„Airbag“-Tarif vor allem für Leute, die nicht dauertelefonieren

Das Prinzip ist überzeugend. Gespräche, Kurznachrichten und teils auch der Datenverkehr werden einzeln abgerechnet, bis ein monatlicher Höchstbetrag erreicht ist. Danach wandelt sich der Tarif in eine Art Flatrate um. Die Verträge verzichten fast immer auf Mindestlaufzeiten, Grundgebühr und Mindestumsatz. Auslandsgespräche und Sonderrufnummern fallen nicht unter die Kostenkontrolle.

Eine Minute telefonieren und der SMS-Versand kosten dabei in der Regel neun Cent, einen Megabyte Datentransfer gibt es für 24 Cent. Für exzessives Surfen sind die Tarife kaum geeignet: Bereits ab etwa 160 MB im Monat drosseln die Mobil-Discounter die Datenübertragung auf das extrem langsame GPRS-Niveau herunter, sofern sie überhaupt angeboten wird.

Der Kosten-Airbag greift bei DeutschlandSim ab 35 Euro im Monat, bei Blau.de und Simyo ab 39 Euro, Fonic und Lidl ziehen die Grenze bei 40 Euro ein.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die „Airbag“-Tarife sind vor allem für Nutzer mit wechselhaftem Telefonverhalten und maßvolle Surfer geeignet. Extrem-Telefonierer und Facebook-Junkies sind nach wie vor besser mit Pauschaltarifen bedient.

 
 

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