Weiter Unruhe und wilde Gerüchte bei Thyssen-Krupp

Berthold Beitz (re.) und Gerhard Cromme im Gespräch.
Berthold Beitz (re.) und Gerhard Cromme im Gespräch.
Foto: Kai Kitschenberg/WAZ FotoPool
Thyssen-Krupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme steht unter Druck. Fragen nach der Verantwortung des Chefkontrolleurs für das Brasilien-Debakel werden laut. Von den Arbeitnehmern wird Cromme unterstützt. Weder in der Person noch inhaltlich seien Alternativen in Sicht, heißt es.

Essen.. Nach einem Zeitungsbericht bröckelt der Rückhalt für Thyssen-Krupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme in dem Aufsichtsgremium. Einige der zehn Aufsichtsräte, die von den Anteilseignern entsandt sind, wollten Cromme zum Rückzug von der Aufsichtsratsspitze bewegen, so die Süddeutsche Zeitung. „Bei Thyssen-Krupp muss es einen Neuanfang geben“, zitiert das Blatt aus Aufsichtsratskreisen.

Am Mittwoch hatte der Personalausschuss des Aufsichtsrats unter Führung von Cromme die Konsequenzen aus dem Milliarden-Desaster um die Stahlwerke in Brasilien und USA sowie den Kartell- und Korruptionsfällen gezogen und die Entlassung von drei Vorständen vorgeschlagen. Die Vertreter der Kleinaktionäre hatten daraufhin die Frage nach der Verantwortung des Aufsichtsrates gestellt. Eine Ablösung von Cromme erscheint indes chancenlos.

Beitz steht fest zu Cromme

Zum einen steht die Krupp-Stiftung unter Führung von Berthold Beitz (99) fest zu Cromme (69), heißt es in Aufsichtsratskreisen. Die Stiftung, die gut 25 Prozent an dem Technologie- und Stahlkonzern hält, hat drei Vertreter in den Aufsichtsrat entsandt. Zudem steht die Arbeitnehmerbank, die ebenfalls aus zehn Mitgliedern besteht, derzeit ebenfalls hinter Cromme. Weder in der Person noch inhaltlich seien Alternativen in Sicht. Damit hätte Cromme einschließlich seiner Stimme als Aufsichtsratschef eine klare Mehrheit im 20-köpfigen Gremium hinter sich.

Dass die Frage nach der Verantwortung des Aufsichtsratschefs für das Stahlwerk-Debakel gestellt werden würde, war abzusehen. „Wenn man den halben Vorstand rausschmeißt, was ist dann mit dem Aufsichtsrat?“, sagt Marc Gabriel, Analyst beim Bankhaus Lampe. Das Rumoren ist unüberhörbar und wird sich auf der Aktionärsversammlung im Januar entladen: Wenn die aufgelaufenen Missstände so groß sind, dass die Entlassung des halben Vorstandes geboten erscheint, stellt sich immer die Frage nach der Kontrolle.

Eine Entlastung soll nun eine Effizienzprüfung bringen, in der zwei externe Gutachter die Rolle des Aufsichtsrates bei den missglückten Stahlwerksprojekten in Brasilien und USA untersuchten. Fehleinschätzungen, unvollständige und im Nachhinein falsche Antworten des Vorstandes gegenüber den Kontrolleuren seien zu Tage gefördert worden, heißt es in Aufsichtsratskreisen. So habe sich im Nachhinein herausgestellt, dass es überhaupt keine Referenzanlage für eine Kokerei des chinesischen Herstellers Citic gab, die der Vorstand vor deren Beauftragung für das Brasilien-Projekt eigentlich besucht haben wollte.

Wilde Gerüchte kursieren

Wie aufgeladen die Stimmung ist, zeigen auch wilde Gerüchte, die um die Villa Hügel wabern, wie etwa das von Hans-Peter Keitel. Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und Thyssen-Krupp-Aufsichtsrat strebe statt Cromme die Nachfolge von Beitz in der Krupp-Stiftung an. Die Süddeutsche hingegen schreibt, eine gesichtswahrende Lösung wäre es, wenn Beitz nun den Platz in der Stiftung für Cromme frei machte. Es ist allerhand los im Essener Quartier.

Klar ist: Der neue starke Mann, unbelastet von der Vergangenheit und konkurrierenden Vorständen ist Vorstandschef Hiesinger. Das Handelsblatt bescheinigt ihm, mit der „laxen Haltung gegenüber unsauberen Geschäften“ aufgeräumt zu haben. Zwei Dutzend Manager musste ihren Hut nehmen.

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