WAZ Medienkonzern im Mehrheitsbesitz der Familie Grotkamp

Thomas Wels
Das Verlagshaus der WAZ Mediengruppe in Essen.
Das Verlagshaus der WAZ Mediengruppe in Essen.
Die Verträge zum Zukauf von 50 Prozent der Anteile der Mitgründerfamilie Brost sind unterschrieben. Damit hält Petra Grotkamp, eine von drei Töchtern des Mitgründers Jakob Funke, 66,66 Prozent an dem Unternehmen.

Essen. Der WAZ Medienkonzern wird ein Familienunternehmen in Mehrheitsbesitz der Essener Familie Grotkamp. Am Montagabend sind die Verträge zum Zukauf von 50 Prozent der Anteile der Mitgründerfamilie Erich Brost an den Gesellschaften der WAZ Mediengruppe unterschrieben worden. Das teilte der Anwalt von Petra Grotkamp, Andreas Urban, mit. Damit hält Petra Grotkamp, eine von drei Töchtern des Mitgründers Jakob Funke, 66,66 Prozent an dem Medienunternehmen.

Jeweils 16,66 Prozent der Anteile liegen in Händen der Funke-Tochter Renate Schubries und dem Erben der verstorbenen Funke-Tochter Gisela Holthoff, Stephan Holthoff-Pförtner. Die drei Drittel sind in der Funke-Familien- Gesellschaft gebündelt (FFG).

"Schweren Herzens" zugestimmt

Klaus Schubries, Bevollmächtigter der Funke-Familien-Gesellschaft, begrüßte „ausdrücklich, dass es Frau Grotkamp gelungen ist, die bisher von der Brost Holding gehaltenen Anteile zu übernehmen. Ich bringe damit die Hoffnung zum Ausdruck, dass es uns gemeinsam in der Einigkeit, die bei den letzten FFG-Sitzungen praktiziert worden ist, gelingen wird, die WAZ Mediengruppe erfolgreich in die Zukunft zu führen und weiter zu entwickeln.“

Peter Heinemann, Testamentsvollstrecker von Erich Brost erklärte, er habe sich „schweren Herzens entschlossen, dem Verkauf zuzustimmen“. Schweren Herzens, so Heinemann, da der Verkauf der Anteile dem Willen von Erich Brost widerspreche und er als Testamentsvollstrecker dem „Erblasser Loyalität“ schulde. Andererseits hätte er einen Verkauf, den die Erben - die Enkelkinder von Erich Brost -, gewünscht hätten, „nur für die Dauer der Testamentsvollstreckung“ bis Juli 2015 aufhalten können. „Das aber hätte für das Unternehmen einen mehr als dreijährigen, kaum vertretbaren Schwebezustand bedeutet“, so Heinemann, Sohn des Bundespräsidenten Gustav Heinemann. Die Enkel von Erich Brost haben kein Interesse an dem Unternehmen.

Voraussetzung für den Verkauf „waren die Prüfung und Feststellung der Angemessenheit des Kaufpreises“. Der nicht genannte Kaufpreis - die Rede war von 500 Millionen Euro - könne als fair gelten. Ein Angebot von Springer, das über dem Marktpreis gelegen habe, sei auf Grund der Gesellschafterverträge nicht zum Zuge gekommen: Denen zufolge sind die Anteile nur innerhalb der Gründerfamilien zu veräußern.

Bodo Hombach legt Geschäftsführungsmandat nieder

Trotz seines Gewissenskonfliktes sieht Heinemann den Kauf der Anteile als vorteilhaft für die Zukunft des Unternehmens: „Das Ende des bisherigen Einigungszwanges zwischen den beiden Gründerfamilien erleichtert die Entscheidungsfindung im Konzern. Für die Zukunft ist dies eine wichtige Voraussetzung, die WAZ Mediengruppe weiter auszubauen.“

Bodo Hombach, von der Brost-Familie eingesetzter Geschäftsführer der WAZ-Gruppe, legt seine Geschäftsführungsmandate nieder. In einer mit der Grotkamp-Seite abgestimmten Erklärung heißt es: „Herr Hombach war zehn Jahre Geschäftsführer der WAZ Mediengruppe. Er kann auf ein wirtschaftlich und publizistisch erfolgreiches Wirken zurückblicken. Herr Hombach hat in seiner Zeit konzeptionelle und inhaltliche Zeichen gesetzt und das Haus auch nach außen nachhaltig vertreten. Als er keinen Simultanpartner in der Geschäftsführung hatte, hat er beide Gesellschaftergruppen vertreten und gemeinsame Entscheidungen vorbereitet. Auch für sein integratives Wirken hat er Anerkennung und Respekt beider Gesellschaftergruppen.“

Die Erklärungen finden Sie als Downloads in der rechten Spalte