Was vom Bergbau im Ruhrgebiet übrig bleiben soll

Wirtschaftsminister Garrelt Duin.
Wirtschaftsminister Garrelt Duin.
Foto: DIETMAR KLINGENBURG
Landeswirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) macht dem Bergbau im Land Hoffnung auf eine Referenzzeche in China. Er setzt auf den Export von deutscher Bergbautechnik - und darauf, dass aus den heimischen Schächten in nicht allzu ferner Zukunft auch einmal Ökostrom kommen könnte.

Marl.. Der Bergmannsgruß „Glückauf“ und der Schnaps nach der Grubenfahrt kommen dem gebürtigen Ostfriesen Garrelt Duin (SPD) locker über die Lippen, als er auf der Marler Zeche Auguste Victoria im verschwitzten Steigerhemd seinen ersten Besuch in 1300 Meter Tiefe bilanziert. Doch wenn es nach dem NRW-Wirtschaftsminister geht, soll vom Steinkohleabbau in NRW nach dem endgültigen Aus 2018 mehr übrig bleiben als Folklore.

Duin nährte bei seinem Besuch auf Auguste Victoria, wo bereits Ende 2015 die letzten Tonnen Kohle gefördert werden, die Hoffnung der RAG, dass bergmännisches Wissen und Können nicht unwiederbringlich verloren gehen. Die Landesregierung sei in intensiven Gesprächen mit der chinesischen Regierung über eine moderne Referenzzeche in Fernost. Gedacht ist an eine Leistungsschau der Maschinenhersteller aus dem Ruhrgebiet und der RAG-Ingenieure. „Es wird jetzt darüber verhandelt, wer so etwas bezahlen könnte“, sagte Duin. RAG-Chef Bernd Tönjes zeigte sich aufgeschlossen: „Wir könnten Betreiber-Know-how für den effizientesten und sichersten Bergbau der Welt einbringen.“

Drei Unfälle auf eine Million Arbeitsstunden

Während die RAG mit neuesten Maschinen und Sicherheitsvorkehrungen die Zahl der Unfälle je eine Million Arbeitsstunden innerhalb von 20 Jahren von 57 auf drei drücken konnte, sterben in anderen Teilen der Welt immer noch Tausende Bergleute pro Jahr im Streb. „Es ist bedauerlich, dass der effizienteste, technologisch fortschrittlichste und sicherste Bergbau der Welt ausläuft“, sagte Duin. Zugleich betonte er, Deutschlands Ausstieg aus der hochsubventionierten Steinkohle-Förderung nicht infrage stellen zu wollen. Es gehe nun darum, Wissen und Geräte der RAG zu vermarkten. Der deutsche Bergbau könne „mehr, als auf dem Weltmarkt nachgefragt wird“. Das Interesse von China an einer Referenzzeche könne helfen, Effizienz und Sicherheit made in Germany zu exportieren.

Für die Zechen im Revier sieht der Wirtschaftsminister eine Zukunft als Pumpspeicheranlagen in Zeiten der Energiewende. „Wir versprechen uns viel davon und wollen mit in die Planung gehen“, sagte Duin. Gemeinsam mit Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) werde er sich noch im Mai beim Finanzminister dafür einsetzen, dass Landesgeld in die Planung von Pumpspeicher-Kraftwerken fließt. Zu Größenordnungen wollte sich Duin nicht äußern. Es wird aber über einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag spekuliert.

Pumpspeicher-Kraftwerk in Bottrop

RAG-Chef Tönjes geht davon aus, dass ein Pumpspeicher-Kraftwerk rund um die Schachtanlagen der Zeche Prosper Haniel ab 2022 Realität werden könnte. „Wir favorisieren dafür Bottrop“, sagte Tönjes. Eine Machbarkeitsstudie hatte die Fantasien zuletzt beflügelt.

Die Landesregierung verfolgt ein solches Referenzprojekt zur Speicherung von Ökostrom mit hohem Interesse. Ein ausgeklügeltes System aus Windrädern und Schachtturbinen könnte Spannungsschwankungen ausgleichen und selbst bei Dunkelheit und Windstille Strom liefern. Das Aus für das geplante Pumpspeicher-Kraftwerk von Trianel am Rursee in der Eifel sei auch für die Landesregierung „ein Schlag gewesen“, räumte Duin ein. Dem Talsperren-Projekt fehlte der gesellschaftliche Rückhalt. „Mit Anwohnerproblemen“, sagte RAG-Chef Tönjes, „werden wir auf unseren Anlagen jedenfalls nicht zu kämpfen haben.“

 
 

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