Was in die Wertstofftonne kommt

Berlin.  Barbara Hendricks (61) ist seit Ende 2013 Bundesumweltministerin. Zuvor trug sie die Verantwortung für die Finanzen der SPD. Mit Hendricks, die aus Kleve stammt, sprach Hannes Koch über das Wertstoffsammeln und die Klimapolitik.

Für den Schutz des Klimas wäre es gut, wenn wir weniger wegwerfen würden oder zumindest die Rohstoffe aufbereiteten. Wann kommen die neuen Wertstofftonnen?

Hendricks: Wir sind auf einem guten Weg. In diesem Herbst werden wir einen Vorschlag vorlegen, wie wir das Wertstoff-Recycling für die Bürger flächendeckend noch leichter machen können.

Welche Materialien sollen die Bürger dann damit sammeln?

Erstens die Verpackungen, die heute bereits die Dualen Systeme in den gelben Tonnen und gelben Säcken erfassen. Außerdem andere Gegenstände aus Kunststoff und Metall, beispielsweise altes Kinderspielzeug, ausrangierte Töpfe, Schaumstoff – möglichst viel, das man wiederverwerten kann. Untersuchungen zeigen, dass man so die Sammelmenge um sieben Kilo pro Einwohner und Jahr steigern kann.

Müssen die Hauseigentümer neben den gelben Tonnen Platz schaffen für einen weiteren Behälter?

Nein, es bleibt bei einem System für Verpackungen und stoffgleiche Wertstoffe. Wir wollen den Bürgern das Recycling ja leichter machen. Dank der Wertstofftonne sollte klar sein, was nicht mehr in den Restmüll gehört. Außerdem haben wir das neue Elektrogesetz auf den Weg gebracht. Künftig müssen beispielsweise Elektronikmärkte alte Notebooks, Handys, Föne oder Bügeleisen zurücknehmen. Bisher war das freiwillig.

Sie haben angekündigt, dass Deutschland schnell einen nationalen Klimaschutzplan mit Sofortmaßnahmen bekommt. Warum?

Ohne zusätzliche Anstrengungen können wir unsere Zusage nicht verwirklichen, den Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid bis 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu verringern. Wenn wir keine weiteren Maßnahmen ergreifen, werden wir nur rund 33 Prozent erreichen. Es muss also etwas geschehen – unter anderem im Gebäudebestand, im Verkehr und in der Landwirtschaft.

Wie wollen Sie Immobilienbesitzer dazu bringen, dass sie ältere Wohngebäude besser dämmen?

In Deutschland stehen beispielsweise rund 15 Millionen Ein- und Zweifamilienhäuser. Und viele Eigentümer sind nicht in der Lage, beliebig hohe Summen für die komplette energetische Sanierung ihres Häuschens auszugeben. Darum wollen wir auch Teilsanierungen stärker fördern. Die kosten weniger, aber bringen dem Klima mehr, als wenn gar nichts geschähe.

Beim EU-Gipfel in dieser Woche diskutieren die Staaten über die künftige Energiepolitik. Sie haben die neue Klimapolitik der EU-Kommission als zu wenig ehrgeizig kritisiert. Warum ist Brüssel neuerdings so zurückhaltend beim Klimaschutz?

Die EU ist größer geworden und eine Einigung mitunter schwieriger. Manche osteuropäische Staaten sehen engagierten Klimaschutz skeptisch, denn ihre Energieversorgung basiert noch zu stark auf alten fossilen Energiequellen. Das beeinflusst natürlich die EU-Kommission, die zu einvernehmlichen Regelungen kommen muss. Im internationalen Geschäft muss man diese Interessenlagen erkennen und dann eine Lösung finden, zum Beispiel bei der EU-internen Verteilung der Ziele.

Bis 2020 verfolgt die EU ein dreifaches Ziel: jeweils 20 Prozent Minderung des Kohlendioxid-Ausstoßes, Anteil von regenerativem Strom und Steigerung der Energieeffizienz. Lässt sich dieser Ansatz für die Zeit nach 2020 retten?

Die Kommission schlägt ein für alle Mitgliedsstaaten verbindliches CO2-Reduktionsziel von 40 Prozent bis 2030 vor. Wir treten zusätzlich dafür ein, neben einem Effizienz-Ziel auch ein für alle Staaten verbindliches neues Ziel für den Anteil der erneuerbaren Energien festzulegen. Da spüren wir aber starken Gegenwind.

Trotz der Energiewende nimmt der Kohlendioxid-Ausstoß aus deutschen Kohlekraftwerken wieder zu. Wie wollen Sie den Emissionshandel verbessern?

Die Verschmutzungszertifikate, die unter anderem die Betreiber von Kohlekraftwerken nachweisen müssen, sind einfach zu billig. Der Grund: Es sind zu viele auf dem Markt. Deswegen plädiere ich dafür, das System schon 2016 zu reformieren und nicht erst 2020, wie die EU-Kommission vorschlägt.