Warum Gold als Krisenwährung verblasst

Goldbarren waren zuletzt vor allem in Europa gefragt.
Goldbarren waren zuletzt vor allem in Europa gefragt.
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Trotz des Griechenland-Dramas sinkt der Goldpreis seit Monaten. Fragen und Antworten

Frankfurt.. Gold gilt als Krisenwährung, auch in Europa. Trotz des monatelangen Gerangels mit Griechenland und der akuten Gefahr eines Austritts aus der Eurozone freilich ist der Goldpreis seit Monaten auf Talfahrt. Er rutschte vergangene Woche unter die Marke von 1100 US-Dollar je Feinunze (31,1 Gramm), den tiefsten Stand seit fünf Jahren. Zwischenzeitlich befürchteten Marktbeobachter sogar einen dreistelligen Goldpreis, er pendelte sich aber zum Wochenende bei 1100 Dollar ein. Vorerst bleiben die Aussichten für das Edelmetall nach Ansicht von Experten mäßig, bis zum Jahresende und in den nächsten Jahren könne es aber wieder deutlich nach oben gehen. Fragen und Antworten.

Warum ist der Goldpreis zuletzt so stark eingebrochen?

Händler in Europa und in Amerika wurden in der vergangenen Woche von der Entwicklung in Asien überrascht. In Shanghai hatten Spekulanten Gold in großen Mengen verkauft. Dort soll allein ein Investor innerhalb von Minuten fünf Tonnen Gold abgestoßen haben. Normalerweise werden pro Tag insgesamt etwa 25 Tonnen gehandelt. Zudem hatte die chinesische Notenbank Ende vergangener Woche ihre Goldreserven viel weniger stark erhöht als Experten erwartet hatten. Dies alles löste auch in Europa und Amerika Goldverkäufe aus.

Wie hat sich der Goldpreis generell in den vergangenen 12 Monaten entwickelt?

Vor einem Jahr wurde die Feinunze zu rund 1312 Dollar gehandelt, bis November ging es auf 1140 Dollar nach unten, bevor sich der Preis bis März wieder auf gut 1300 Dollar erholte. Seitdem hält die Talfahrt an. Für die Entwicklung sind aber nicht nur Spekulanten verantwortlich. Eine wichtige Rolle spielt Janet Yellen, die Chefin der US-Notenbank Fed. Sie hat angedeutet, dass der Leitzins in den USA erstmals seit 2008 im September wieder steigen könnte. Dies stärkt den Dollar und die Anlage in US-Staatsanleihen. Gold wird weniger attraktiv, weil es keine Zinsen abwirft.

Was spricht noch gegen Gold?

Generell ist die Stimmung gegenüber Gold eher schlecht. Auf Gold spezialisierte Fonds verkaufen das Edelmetall. So hat der weltgrößte Fonds dieser Art seine Goldbestände auf den niedrigsten Stand seit September 2008 heruntergefahren. Derzeit gibt es ein Überangebot an Gold, obwohl die Notenbanken in China und Russland ihre Goldreserven zuletzt aufgestockt haben. Aber wichtige Goldländer wie China oder Indien schwächeln, weil Verbraucher weniger in Schmuck investieren. In China hat der jüngste Einbruch der Aktienkurse die Anleger generell verunsichert, viele haben kein Geld für Gold. Zudem wird mehr Gold aus den Minen geholt, weil die Betreiber die Produktionskosten gesenkt haben.

Wie entwickeln sich Angebot und Nachfrage?

Nach Angaben des World Gold Council ging die Nachfrage im ersten Quartal um ein Prozent auf 1079 Tonnen zurück. Darunter entfielen rund 601 Tonnen auf Schmuck, 80 Tonnen auf die Industrie, 253 Tonnen auf Goldbarren und Münzen und 119 Tonnen auf Zentralbanken. Die stärkste Nachfrage kam trotz eines Rückgangs um sieben Prozent mit rund 272 Tonnen aus China, bei Indien waren 192 Tonnen. Die Nachfrage aus den USA lag bei 32 und aus Europa bei 73,5 Tonnen. Das Gold-Angebot übertraf mit 1089 Tonnen die Nachfrage, wobei 734 Tonnen aus Minen gefördert und 355 Tonnen Gold recycelt wurden.

Warum haben in Europa die Käufe von Barren und Münzen zugelegt?

Gegen den globalen Trend stiegen die Käufe von Barren und Münzen in Europa im ersten Quartal 2015 um 16 Prozent. Die Diskussion um Griechenland und das Anleihe-Kaufprogramm der EZB hat viele Anleger ins Gold getrieben – gemäß seinem alten Ruf als Krisenwährung. Allein in Deutschland, der Schweiz und Österreich wurden 49 Tonnen Münzen und Barren verkauft. In den letzten Wochen zog zudem die Nachfrage aus Griechenland deutlich an, berichten Goldhändler in Frankfurt und München. Das dürfte mit der Angst vor einem Grexit zu tun haben.

Wie sind die Prognosen?

Zum Jahresende erwartet Commerzbank-Chef-Volkswirt Jörg Krämer wieder 1250 Dollar. Das Umfeld für Gold bleibe günstig, auch wegen der niedrigen Inflation. Andere rechnen 2016 sogar mit 1420 Dollar. Das letzte Hoch wurde im September 2011 mit 1912 Dollar registriert.

 
 

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