Warentester kritisieren Abzocke beim Dispo-Kredit

Hannes Koch
Viele Banken verlangen den Verbrauchern erstaunlich hohe Zinsen für Dispo-Kredite ab. „Es sind meist kleine Volksbanken, Raiffeisenbanken und Sparkassen, die ihre Kunden so schröpfen“, so Stiftung Warentest. Zu den teuersten Instituten in NRW gehören die Stadtsparkasse in Wetter und die Sparkasse Witten.

Berlin. Dass die Zinsen auf einem historischen Tiefststand liegen, können Besitzer eines Girokontos so nicht bestätigen. Wenn es darum geht, ihre Kunden beim Überziehen des Kontos zur Kasse zu bitten, bleiben die Banken nicht zimperlich. Und wieder sind es vor allem die Sparkassen sowie die Volks- und Raiffeisenbanken, die im aktuellen Vergleich der Stiftung Warentest mit besonders üppigen Zinsforderungen auffallen.

Der Dispo ist der Zins, den die Bankkunden zahlen müssen, wenn ihr Girokonto in die roten Zahlen rutscht. Umgerechnet auf eine Verschuldung von 1000 Euro bezahlte ein Kunde bei der preiswertesten Bank 96 Euro weniger jährlich für seinen Dispo als bei der teuersten. „Zinssätze von 13 Prozent und mehr, die wir bei 119 Banken gefunden haben, sind einfach inakzeptabel“, sagte Stephanie Pallasch, Projektleiterin der Stiftung Warentest. Die meisten Banken, die hohe Dispozinsen in Rechnung stellen, fand die Stiftung mit 44 in Bayern. In NRW waren es 15.

NRW-Banken liegen im Mittelfeld

Die Banken in NRW liegen mit ihren Dispo-Zinsen bundesweit im Mittelfeld. Auch hier verlangen die Sparkassen und Volksbanken die höchsten Sätze, auch hier greift die Faustregel – je ländlicher, desto höher die Dispozinsen.

So berechnet die Sparkasse Haltern satte 13 Prozent, die in Waltrop 12,62 Prozent. Die teuerste der große Stadtsparkassen ist die Duisburger mit 12,56 Prozent. Den höchsten Satz in der Region nimmt die Targobank für ihr Aktiv-Konto mit 13,28 Prozent. Auch die Deutsche Bank findet sich unter den Häusern mit den höchsten Sätzen – 12,25 Prozent (siehe Grafik).

Die günstigsten Zinssätze haben erneut Online- und Direktbanken. Im Vergleich zu den Filialbanken haben sie deutlich geringere Kosten und können so mit günstigeren Konditionen locken. Die Großbanken und Sparkassen halten mit ihrer Kundennähe dagegen.

Leitzins beträgt nur 0,5 Prozent

Überziehungskredite seien unbesichert und damit für die Banken die teuerste Form der Kreditgewährung, rechtfertigte Stephan Götzl, der Präsident des Genossenschaftsverbandes Bayern. Er warf der Stiftung Warentest Stimmungsmache im Wahlkampf vor.

Deren Vorstand Hubertus Primus entgegnete, der Leitzins der Europäischen Zentralbank liege bei 0,5 Prozent. Die Banken könnten sich selbst also sehr billig Geld leihen. Ihre Dispo-Zinsen müssten deshalb „deutlich unter zehn Prozent“ liegen. Schließlich würden auch fast alle Kunden ihre Kredite zurückzahlen, das Ausfallrisiko sei sehr klein, so Primus.

Deutsche Dispozinsen international hoch

Im Vergleich zu anderen europäischen Staaten wie Österreich und Holland liegt das Zinsniveau in Deutschland außergewöhnlich hoch, erklärte die Stiftung. Vor allem die Kunden in Kleinstädten und ländlichen Regionen bezahlen mehr als nötig. Der Grund: Dort gibt es oft nur einen Anbieter. Diese Bank kann den Verbrauchern dann die Bedingungen diktieren.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat unlängst eine Obergrenze für Dispozinsen von acht Prozentpunkten über dem Leitzins gefordert, die Linkspartei verlangte einen Abstand von höchstens fünf Punkten. Verbraucherministerin Ilse Aigner regte an, ein Vergleichsportal im Internet zu gründen.

Mit der aktuellen Untersuchung auf der Webseite der Stiftung Warentest existiert dieses Portal quasi schon – auf www.test.de/dispo. Mit wenigen Ausnahmen: 26 Institute verweigerten die Mitwirkung. Selbst beim persönlichen Besuch konnten die Tester dort den Dispozins nicht in Erfahrung bringen.