Wandern am Rothaarsteig ist auch ein Wirtschaftsfaktor

Joachim Karpa
Ein besonderes  Erlebnis: die 40 Meter lange, schwingende Hängebrücke im Rothaarsteig.
Ein besonderes Erlebnis: die 40 Meter lange, schwingende Hängebrücke im Rothaarsteig.
Foto: WP
Elf Jahre nach der Eröffnung ist der Premiumweg ein Renner und Wirtschaftsfaktor: Jedes Jahr sind 1,5 Millionen Wanderer auf der 154 Kilometer langen Strecke von Dillenburg nach Brilon unterwegs. Der Umsatz der 111 zertifizierten Hotels und Gasthöfe an der Strecke liegt bei etwa 35 Millionen Euro.

Kirchhundem. Wandern ist im Wirtschaftsteil der Zeitung angekommen. Warum? Weil es ein Wirtschaftsfaktor ist.

Elf Jahre nach Eröffnung ist der 154 Kilometer lange Weg der Sinne ein Renner. Er liegt an dritter Stelle der beliebtesten Fernwanderwege in Deutschland. Jedes Jahr sind 1,5 Millionen Wanderer auf dem bundesweit ersten „Premiumweg“ zwischen Brilon und Dillenburg unterwegs. Fußvolk, das Geld ausgibt und Arbeit schafft.

Hotels an der Wanderstrecke machen jährlich 35 Millionen Euro Umsatz

Der Umsatz der 111 zertifizierten Hotels und Gasthöfe an der Strecke liegt jährlich bei etwa 35 Millionen Euro. 800 Frauen und Männern hat der Weg zu einem neuen Arbeitsplatz verholfen.

„Gemeinsam haben wir hier etwas erreicht“, sagt Thomas Weber, Geschäftsführer vom Sauerland-Tourismus, „auf das wir stolz sein können. Der Rothaarsteig hat die Region nachhaltig verändert und eine neue Form interkommunaler Zusammenarbeit begründet. Er gilt als Vorreiter unter den Top Trails of Germany, den führenden Weitwanderwegen Deutschlands.“

Weber gehört mit dem deutschen Wanderpapst, dem Marburger Natursoziologen Rainer Brämer, zu den Initiatoren des Rothaarsteigs. Ihre Idee: die Natur zu Fuß zu einem Erlebnis zu machen. Nicht mit spektakulären Eingriffen in die Natur, sondern mit Besonderheiten bei der Streckenführung.

In Westeuropa einzigartige Wisent-Wildnis

Mehr Pfad als Weg, mehr Aussichten als düstere Mauern aus dichten Fichten am Wegesrand, mehr Schlangenlinien als Pisten für Wanderer, die Kilometer fressen wollen. Kurzum, eine natürliche Inszenierung mit Höhepunkten. Die 40 Meter lange Hängebrücke im so genannten Amazonasstil in Bad Berleburg-Kühhude zählt dazu. An Ideen, den Rothaarsteig ständig weiter zu entwickeln, fehlt es nicht.

„Mit der Eröffnung der in Westeuropa einzigartigen Wisent-Wildnis und den Extratouren“, sagt Roswitha Still, Geschäftsführerin des Touristikverbandes Siegerland-Wittgenstein, „hat der Weg seine Qualität und Wahrnehmung als attraktives Ausflugsziel erneut gesteigert.“ Ob die gemütliche Trödelsteinspur in Burbach, die sportive Oberhundemer Bergtour oder der entschleunigende Grönebacher Dorfpfad. Jeder, der sich auf seine Art auf den Weg machen will, findet ein passendes Angebot.

Der Rothaarsteig kommt echt daher

In die Hände spielt allen engagierten ehrenamtlichen und bezahlten Kräften die wachsende Landlust, die Antwort der Menschen auf den Stadtfrust. Auf den Höhen des Rothaarkamms löst er sich in der schwingenden Landschaft in Luft auf. Wie nichts. Lautlos schluckt die Tiefe des Raumes die Geräusche des Alltags.

„Im Mittelpunkt der Menschen“, sagt Wanderführerin Heidi Dickel aus Bad Berleburg, „steht das einfache Naturerlebnis. Die Wanderer suchen Erholung vom Stress und wollen gar nicht den großen Luxus.“ Das passt. Der Rothaarsteig kommt echt daher. Das wird belohnt, das spricht sich herum.

Wie es sich in einem Wirtschaftsteil gehört, die sagenhafte Bilanz zum Schluss: Schätzungsweise 17 Millionen wanderten seit 2001 auf dem Weg. Umsatz 457 Millionen Euro. 3,3 Millionen Übernachtungen. Ein Wirtschaftsfaktor.