VW sagt CO2-Skandal ab

Wolfsburg..  Volkswagen ist dieser Tage immer für eine Überraschung gut. Am Mittwoch zum Beispiel meldete er, es gebe nur sehr wenige Unregelmäßigkeiten bei den CO2-Werten von Autos der Marke VW – und kassierte damit die eigenen Vorwürfe vom November. Damals hatte der Konzern berichtet, bei bis zu 800 000 VW-Fahrzeugen bestehe der Verdacht falscher Angaben. Jetzt hat VW nachgemessen: Bei fast allen verdächtigen Autos seien keine erhöhten CO2-Werte gemessen worden, meldete der Konzern. Die Zahl der betroffenen Autos schrumpfte VW zufolge auf nur noch 36 000.

Das Bundesverkehrsministerium und das Kraftfahrtbundesamt bleiben trotz der Prüfergebnisse skeptisch. Es handle sich um das Ergebnis interner Messungen bei VW, sagte ein Sprecher von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Das Kraftfahrtbundesamt misst selbst nach – und das dauert noch.

Nervöse Konzernführung

Der Fall zeigt, wie nervös die Konzernführung beim Thema Abgasskandal ist. Der Hinweis zu den Unregelmäßigkeiten kam offenbar aus der Belegschaft und ging direkt an den Vorstand. „Es gab anfangs Unplausibilitäten“, erklärt ein VW-Sprecher, „und es gab Mitteilungen von Mitarbeitern, die sich nicht sicher waren, ob bei Messungen alles mit rechten Dingen zugegangen war.“ Und offenbar fand sich niemand, der dafür einstand, dass die CO2-Werte stimmten. Die Lösung des Konzerns: Erst einmal den Verdacht veröffentlichen.

„Rückblickend ist es eine unglückliche Kommunikation“, sagt Frank Schwope, Autoexperte der NordLB. Das Management habe wahrscheinlich in der Verunsicherung des Diesel-Abgas-Skandals überreagiert.

Dieser Skandal betrifft weltweit elf Millionen Fahrzeuge. VW hat zugegeben, bei verschiedenen Diesel-Motoren eine Software eingebaut zu haben, die eine Abgastestsituation erkennen und den Motor so regeln, dass die strengen Grenzwerte für Stickoxide eingehalten werden. Im täglichen Betrieb liegen die Werte allerdings bis zu 40-mal höher.

In den USA sind inzwischen mehr als 350 Sammelklagen anhängig, die in Kalifornien zentral verhandelt werden sollen. Die kalifornische Umweltbehörde Carb und die US-Umweltbehörde Epa hatten die Manipulationen des Konzerns Mitte September öffentlich gemacht. In der Folge des Skandals trat Volkswagen-Konzernchef Martin Winterkorn ab, verschiedene Topmanager wurden suspendiert – unter anderem Heinz-Jakob Neußer, Entwicklungschef der Marke Volkswagen.

Am Mittwoch berief der Aufsichtsrat Frank Welsch zum Nachfolger Neußers. Welsch war bisher Vorstand für Technik und Design der tschechischen VW-Tochter Skoda. Er ist Experte für Karosserie- Entwicklung und startete 1994 bei VW. Vorgänger Neußer stehe dem Unternehmen für eine andere Aufgabe zur Verfügung, meldete VW. Einzelheiten gab es nicht.

Neuer Personalvorstand berufen

Ebenfalls in den Vorstand der Marke Volkswagen zog Ralf Brandstätter als Leiter Beschaffung ein. Darum hatte sich in Personalunion bisher auch Konzern-Einkaufschef Francisco Javier Garcia Sanz gekümmert. Der soll allerdings intensiv bei der Aufklärung des Diesel-Skandals mithelfen. Brandstätter arbeitet seit 1993 im Konzern, zuletzt als Generalbevollmächtigter.

VW berief auch einen neuen Konzern-Personalvorstand. Karlheinz Blessing, Chef des Stahlherstellers Dillinger Hütte folgt Horst Neumann, der in den Ruhestand gegangen ist.

 
 

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