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Vodafone kauft Unitymedia: Das musst du als Kunde jetzt wissen

Der britische Konzern Vodafone weitet sein Geschäft in Deutschland aus und will den Kabelbetreiber Unitymedia übernehmen.
Der britische Konzern Vodafone weitet sein Geschäft in Deutschland aus und will den Kabelbetreiber Unitymedia übernehmen.
Foto: Neil Hall / REUTERS
Der Vodafone-Konzern übernimmt das deutsche Kabelnetz von Unitymedia. Ob Kunden ein Sonderkündigungsrecht erhalten, ist noch unklar.

Berlin.  Für 18,4 Milliarden Euro will der britische Telekom-Konzern große Teile des Europa-Geschäfts vom US-Kabelnetzbetreiber Liberty Global kaufen. Dazu gehört auch Unitymedia, eine Tochter von Liberty Global. Ein Überblick über die Folgen des Deals, soweit sie bislang absehbar sind.

• Was bedeutet der Kauf für das deutsche Kabelnetz?

Der Vodafone-Konzern wird damit zum fast zum alleinigen Kabelnetz-Betreiber in Deutschland. Es bleiben lediglich einige unabhängige lokale Kabelbetreiber übrig. Bereits 2014 hatten die Briten Kabel Deutschland übernommen – und damit das Netz in den meisten Bundesländern mit insgesamt mehr als acht Millionen Haushalten. Allein NRW , Hessen und Baden-Württemberg werden bislang noch von Unitymedia versorgt – immerhin gut sieben Millionen Kunden.

Mit der Übernahme würde Vodafone über ein TV-Kabelnetz verfügen, mit dem knapp zwei Drittel aller deutschen Haushalte erreicht werden. Damit könnte der Konzern im gesamten Land Mobilfunk, Fernsehen und Breitband im Paket anbieten.

• Ist der Deal bereits in trockenen Tüchern?

Nein. Geht es nach Vodafone, soll der Kauf soll bis Mitte nächsten Jahres über die Bühne gehen. Der Deal muss allerdings noch von den Kartellbehörden genehmigt werden. Die Übernahme wird wohl ein Fall für die Wettbewerbshüter der EU-Kommission, die letztlich entscheiden dürften. Die Kommission wurde bereits eingeschaltet, als Vodafone Kabel Deutschland schluckte. Damals kam aus Brüssel kein Veto; es hieß, die die Geschäftsbereiche würden sich lediglich ergänzen.

Ob dies diesmal wieder vergleichsweise reibungslos über die Bühne geht, ist unklar – immerhin umfasst das Milliarden-Geschäft nicht nur Unitymedia, sondern auch die Netze von Liberty Global in Tschechien, Ungarn und Rumänien.

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• Was bedeutet das Geschäft für Kabelkunden?

Das ist noch schwierig abzusehen. Aber: Vodafone kündigte am Mittwoch an, seine Kabelanschlüsse technisch deutlich modernisieren zu wollen: „Wir bauen 25 Millionen Gigabit-Anschlüsse für 50 Millionen Menschen bis 2022.“ Das Unternehmen verspricht „großflächig schnelle und bezahlbare Gigabit-Anschlüsse“. Was dies konkret für die Preise bedeutet, blieb zunächst offen.

Mit der angestrebten Aufrüstung der Fernsehkabel mit dem sogenannten Docsis-3.1-Standard lassen sich Internet-Übertragungsraten von derzeit bis zu einem Gigabit ermöglichen. Das wäre deutlich mehr als die Deutsche Telekom derzeit mit ihren zumeist alten Telefonkabeln aus Kupfer auf der sogenannten letzten Meile erreicht.

• Haben Unitymedia-Kunden ein Sonderkündigungsrecht?

Die Verbraucherzentrale NRW verweist auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) von Unitymedia. Dort heißt es: „Der Kabelnetzbetreiber darf seine Rechte und Pflichten aus diesem Vertrag ganz oder teilweise auf einen Dritten übertragen.“ Er habe „dem Kunden diese Übertragung vor ihrem Wirksamwerden in Textform anzuzeigen“. Der Kunde könne dann seinen Vertrag „innerhalb eines Monats für den Zeitpunkt, an dem die Übertragung wirksam wird, kündigen“.

Die Übernahme könnte also zu einer kürzeren Kündigungsfrist als die üblichen zwölf Monate führen. Die Betonung liegt hier jedoch auf „könnte“. Denn: Laut Verbraucherzentrale ist derzeit noch gar nicht absehbar, ob bei dem Deal tatsächlich ein „Dritter“ im rechtlichen Sinne entstehe – oder ob beispielsweise Unitymedia weiter der Betreiber bleibe, nur eben unter dem Dach von Vodafone.

Klar sei dagegen: „Ein Sonderkündigungsrecht steht dem Unitymedia-Kunden in jedem Fall zu, wenn sich bei der Übernahme in einem neuen Kundenvertrag wesentliche Änderungen zum Nachteil des Kunden ergeben“, so eine Sprecherin der Verbraucherzentrale. Dies könnten beispielsweise „erhebliche Preiserhöhungen“ sein.

• Was sagt die Telekom zu der Übernahme?

Der Zusammenschluss dürfte den Druck auf die Deutsche Telekom erhöhen, die bisher auf einen Marktanteil bei den Breitbandkunden von rund 40 Prozent kommt. Telekom-Chef Timotheus Höttges kündigte am Mittwoch bereits an, er werde dagegen ins Feld ziehen. Er halte den Deal für falsch und wettbewerbsverzerrend, so Höttges: „Ich persönlich werde dafür kämpfen, dass wir im Sinne eines fairen Wettbewerbs für die Kunden alles tun, um nicht benachteiligt zu sein und um mit gleichen Waffen kämpfen zu können.“

Die Telekom selbst hatte sich im Rahmen der Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes um die Jahrtausendwende vom Fernsehkabel trennen, weil eine zu große Marktmacht befürchtet wurde. Der Konzern bietet heute nicht über das Kabelnetz, sondern über seine Kupfer- und Glasfaserleitungen und im Mobilfunk ebenso Bündelprodukte aus Internet, Fernsehen und Telefonie an. (W.B./dpa/rtr)

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