Vivawest verdoppelt Investitionen

Vivawest-Führungsduo Ralf Giesen und Claudia Goldenbeld in den Neuen Stadtgärten Recklinghausen
Vivawest-Führungsduo Ralf Giesen und Claudia Goldenbeld in den Neuen Stadtgärten Recklinghausen
Foto: Matthias Graben
Gelsenkirchener Unternehmen saniert schwierige Wohnquartiere und will 3100 neue Wohnungen bauen. Flüchtlingszustrom als „große Herausforderung“

Recklinghausen..  Der Umbruch in der Wohnungswirtschaft geht weiter. Börsennotierte Konzerne wie Vonovia, LEG und Deutsche Wohnen planen Mega-Fusionen. Bei diesem Monopoly mischt die Gelsenkirchener Vivawest derzeit nicht mit. Mittelfristig kann sie sich aber vorstellen, auch durch Kooperationen mit kommunalen Wohnungsunternehmen zu wachsen.

„Wir stehen den Kommunen sehr nahe. Wir können uns vorstellen, Partner von städtischen Wohnungsunternehmen zu werden“, sagt Vivawest-Geschäftsführerin Claudia Goldenbeld. „Wir passen gut zusammen“, betont auch Co-Geschäftsführer Ralf Giesen. Kommunale Gesellschaften wie etwa die Duisburger Gebag stecken in der Krise. Den Städten fehlen die Mittel für Investitionen.

Seine Visitenkarte für Projekte mit städtebaulichem Anspruch gibt Vivawest, mit 120 000 Wohnungen eines der großen Unternehmen der Branche, gerade in Recklinghausen ab. Für rund 22 Millionen Euro saniert Vivawest die Hochhaussiedlung Neue Stadtgärten, lange ein sozialer Brennpunkt. „In der Vergangenheit gab es hier zwei Morde. Wir hatten Probleme mit Einbrüchen und einem schlechten Image“, erklärt Projektleiter Tilo Butermann. Doch anstatt das Quartier mit 370 Wohnungen abzureißen, entschied sich Vivawest zur Sanierung.

Zwei Milliarden Euro Investitionen

Die Häuser bekamen einen bunten Anstrich, die Betonsünden in den Innenhöfen wurden entfernt und Angsträume beseitigt. Mit der Modernisierung leerstehender Wohnungen, für die weitere 2,5 Millionen Euro bereitstehen, will Vivawest nun neue Mieterkreise ansprechen und wirbt mit der zentralen und grünen Lage in Recklinghausen. Die Kaltmiete stieg von 5,10 auf 5,57 pro Quadratmeter.

Die Neuen Stadtgärten sind nur eines von vielen Projekten auf der Vivawest-Agenda. „Bis 2020 wollen wir zwei Milliarden Euro investieren“, kündigt Geschäftsführerin Goldenbeld an. Die Hälfte davon soll in Instandhaltung und energetische Sanierung fließen, eine weitere Milliarde in Neubauten (3100 Wohnungen bis 2020) und Zukäufe. „Wir sind langfristig ausgerichtet. Bei uns können die Mieter ruhig schlafen“, sagt Giesen im Hinblick auf die Fusionspläne der börsennotierten Konkurrenten.

Die Pläne, das jährliche Investitionsvolumen für Neubauten auf 100 Millionen Euro pro Jahr zu verdoppeln, entstanden bereits im Frühjahr, als die Wucht der Flüchtlingswelle noch nicht absehbar war. Vivawest prüft jetzt aber auch eine Aufstockung der Mittel im geförderten Wohnungsbau.

„Flüchtlinge mit Wohnraum zu versorgen ist für uns eine große Herausforderung“, meint Giesen. Rund 900 Zuwanderer wohnten bereits unter Vivawest-Dächern, 800 Wohnungen, in die Flüchtlinge ziehen könnten, seien identifiziert. Neubauten könnten die Flüchtlingsnot erst mittelfristig lindern, Planung, Genehmigung und Bau benötigten mindestens zwei Jahre. Giesen: „Die Menschen müssen schnell untergebracht werden. Neue Schnellbau-Quartiere nur für Flüchtlinge wären aus unserer Sicht jedoch nicht die richtige Antwort.“ Bei Vivawest setze man deshalb auf Durchmischung, Fluktuation und Wohnungstausch älterer Menschen, die sich kleiner setzen.

Die Unternehmensspitze kritisiert, dass Neubaukosten insbesondere durch wachsende Umweltauflagen in die Höhe schössen. „Seit dem Jahr 2000 sind die Baukosten um 39 Prozent, die Lebenshaltungskosten aber nur um 27 Prozent gestiegen“, sagt Goldenbeld. Zum Jahresende wolle die Bundesregierung eine weitere Richtlinie in Kraft setzen, die die Baukosten um weitere rund sieben Prozent pro Quadratmeter steigen lassen werde. „Die Verschärfung der energetischen Anforderungen passt nicht in diese Zeit“, betont Giesen. Er fordert die Bundesregierung auf, das Inkrafttreten der Richtlinie auszusetzen und die Standards zu senken, damit rasch neue Wohnungen gebaut werden können. Denn: „Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum – nicht nur für Flüchtlinge.“

 
 

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