Viele Mittelständler verschlafen Auftritte im Internet

Mario Ohoven, Chef des Bundesverbands der mittelständischen Wirtschaft, ermuntert kleine Betriebe, das Internet zu nutzen.
Mario Ohoven, Chef des Bundesverbands der mittelständischen Wirtschaft, ermuntert kleine Betriebe, das Internet zu nutzen.
Foto: TA
Mittelständische Unternehmen haben einen großen Nachholbedarf bei ihrer Präsenz im Internet und beim Einsatz moderner Kommunikationstechniken. Die Initiative „Antrieb Mittelstand“ ermuntert die Firmen, die Digitalisierung nicht zu verschlafen. In Oberhausen erklärte sie, wie das gehen kann.

Oberhausen. Nur sechs von zehn Mittelständlern in Deutschland sind weder mit einem eigenen Internet-Portal noch mit einem Online-Shop im Netz vertreten. Lediglich jedes fünfte Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern nutzt Software zur Kundenverwaltung.

Diese Zahlen nannte Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbands mittelständischer Wirtschaft (BVMW) am Dienstag in Oberhausen. Die Initiative „Antrieb Mittelstand“, getragen vom BVMW und der Deutschen Telekom, hatte rund 500 Unternehmer und Geschäftsführer in die Luise-Albertz-Halle eingeladen, um den Mittelständlern Appetit auf das Internet zu machen. Als Hauptsponsoren hat die Initiative die Konzerne Dell, Microsoft und Nokia gewonnen. Medienpartner ist die WAZ Mediengruppe.

Verharren in der Offline-Welt

„Ich habe kein Verständnis dafür, dass viele Mittelständler in ihrer Offline-Welt verharren“, versuchte Verbandschef Ohoven seine Unternehmerkollegen aufzurütteln. „Das Internet kann für den Mittelstand wie ein Wachstumstrafo wirken“, versprach Ohoven und rief dazu auf, das Online-Geschäft „nicht der Konkurrenz zu überlassen“. Zumal einer Infratest-Umfrage zu Folge 76 Prozent aller Bundesbürger angebe, täglich im Netz unterwegs zu sein.

Die Idee zur Initiative „Antrieb Mittelstand“ hatte vor rund einem Jahr Christian Rätsch, Marketingleiter für kleine und mittlere Unternehmen bei der Deutschen Telekom. „Die Menschen verstehen unsere Sprache nicht mehr. Und der Mittelstand ist damit überfordert, wie sich Technologie-Unternehmen präsentieren“, sagte Rätsch.

Digitalisierer ernennen

Die Digitalisierung im Mittelstand verlaufe so schleppend, weil die Unternehmer , die entsprechende Technologien einkaufen müssen, von englischen Fachbegriffen und zu viel vorausgesetztem Basiswissen abgeschreckt würden. Rätsch rät jedem Unternehmen, einen Digitalisierungs-Beauftragten zu benennen, der den Technikbedarf bewerten kann und in der Lage ist, diesen der Geschäftsführung zu vermitteln.

In Workshops versuchten Branchenvertreter in Oberhausen, Mittelständlern mit verständlichen Worten zu erklären, wie sie online mehr aus ihren Unternehmen machen können. In seinem launigen Vortrag nannte der Bestsellerautor Edgar Geffroy einige Beispiele, wie Firmen via Internet ihren Erfolg verbessern können:

Digitalisierung ist Chefsache

Ein Blumenhändler, dem Kunden ihre Blumenstrauß-Entwürfe per Smartphone schicken können oder der Friseur, der sich die Domain „blond färben“ in allen Facetten schützen ließ. Das lohne auch für andere Branchen. So werde in Suchmaschinen 3600 Mal pro Monat die Wörter-Kombination „Fitness Studio Essen“ aufgerufen. Wer das Keyword besetze, könne davon auch wirtschaftlich profitieren. Geffroys Devise: „Digitalisierung ist Chefsache.“

 
 

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