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Test moniert Holzkohle aus Tropenholz bei Hellweg-Baumärkten

Test moniert Holzkohle aus Tropenholz bei Hellweg-Baumärkten

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Grill, Grillen Foto: Archiv/Markus Weißenfels, FUNKE Foto Services
  • Holzkohle von Dortmunder Baumarktkette fällt in Vergleichstest durch
  • Viele importierte Holzprodukte stammen aus illegalen Rodungen
  • Vertrieb von Holzkohle aus Tropenholz ist in EU bislang legal

Dortmund. 

Das Lob ist eindeutig, auch wenn sich nur insgesamt zwei Bewertungen finden: Mit fünf von fünf zu vergebenden Sternen haben Kunden der Baumarktkette Hellweg die dort vertriebene Holzkohle gelobt. So ist es im Onlineshop des Dortmunder Unternehmens zu lesen. „Nicht zufriedenstellend“ ist dagegen das Urteil einer österreichischen Verbraucherschutzorganisation. Die Hellweg-Holzkohle, die so auch bei uns vertrieben wird, fiel dort jüngst unter elf verglichenen Produkten als einzige durch.

Der Labortest ergab, dass die Hellweg-Holzkohle ausschließlich aus Tropenholz aus Afrika oder Südostasien hergestellt wurde. Auch in Holzkohle der österreichischen Aldi-Tochter Hofer und in einem weiteren bei Hellweg vertriebenen Produkt wurde zum Teil Tropenholz ausfindig gemacht.

Viele importierte Holzprodukte stammen aus illegalen Rodungen

Umweltorganisationen mahnen Verbraucher seit Jahren, auf Tropenholz zu verzichten. „In den vergangenen 50 Jahren wurden alleine in Indonesien über 74 Millionen Hektar Wald zerstört“ – vor allem, um für die umstrittenen Palmöl-Plantagen Platz zu machen, berichtet etwa die Umweltorganisation Greenpeace. Das Problem: „Weltweit stammen rund 20 Prozent der Treibhausgasemissionen aus der Zerstörung von Wäldern“, weil dabei Kohlendioxid freigesetzt wird. „Das ist mehr, als der gesamte Verkehrssektor weltweit emittiert“, sagt Greenpeace.

„Ein Großteil des auf dem deutschen Markt gehandelten Holzes kommt aus Paraguay, Namibia und Nigeria“, erklärt Hans Martin Behr, Geschäftsführer des Holz-Energie-Zentrums Olsberg. Der Anteil heimischen Holzes wiederum sinkt; so wird in Deutschland immer weniger Grillkohle hergestellt. Viele importierte Holzprodukte stammten laut Greenpeace zudem aus illegalen Rodungen etwa in Südostasien. Allein im Jahr 2012 sind nach Angaben des Umweltbundesamtes rund 243.000 Tonnen Grillkohle in Deutschland importiert worden.

EU-Holzhandelsverordnung gilt nicht für Holzkohle

Um den Import von illegal geschlagenem Holz in Europa einzudämmen, hat die EU eine Holzhandelsverordnung erlassen. Aber die gilt nicht für Holzkohle. Dies sei aber geplant, erklärt eine Sprecherin der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. Das bedeutet: „Derzeit gibt es kein gesetzliches Verbot des Inverkehrbringens und auch keine sonstigen Nachweispflichten“.

„Auch artenschutzrechtlich ist Tropenholz in Holzkohle legal“, sagt Franz Böhmer, Experte beim Bundesamt für Naturschutz. International geschützte Holzarten sind zum Beispiel Mahagoni, Palisander oder, in der höchsten von zwei Schutzstufen, brasilianisches Rosenholz „Dalbergia nigra“ aufgeführt: „Dieses besonders hochwertige Holz wird für den Instrumentenbau verwendet, für Holzkohle wäre das viel zu schade und zu teuer“, meint Böhmer.

Experten empfehlen Produkte mit „FSC“-Siegel

Wer beim Grillen den Naturschutz berücksichtigen will, sollte auf das „FSC“-Siegel achten („Forest Stewardship Council“). Dieses Siegel „ist das einzige weltweit von den großen Umweltverbänden anerkannte Zeichen, das eine ökologisch nachhaltige, sozial verträgliche und ökonomisch machbare Waldnutzung garantiert“, erklärt Greenpeace. Der Blick auf herkömmliche Packungen hilft Verbrauchern jedoch wenig: Für die auch in Deutschland vertriebene Hellweg-Grillkohle – den 10-Kilo-Sack für 9.99 Euro – wird als Holzart nur „Laubholz“ bzw. „Mischholz“ genannt und auf eine Norm verwiesen, die laut Tüv Rheinland jedoch nur die Brenn-Anforderungen definiert.

Die österreichische Verbraucherschutz-Organisation Arbeiterkammer hat noch eine andere Empfehlung: „Solargriller ausprobieren – benötigt weder Kohle, Strom noch Gas“.