Richter nehmen Vergleichsportal Check24 unter die Lupe

Auf der Suche nach Versicherungen, Reisen oder Stromtarifen verlassen sich viele Verbraucher auf Vergleichsportale wie Check24.
Auf der Suche nach Versicherungen, Reisen oder Stromtarifen verlassen sich viele Verbraucher auf Vergleichsportale wie Check24.
Foto: dpa
Die Bedeutung von Preis-Vergleichsportalen im Internet nimmt stetig zu. Versicherungsvertreter beklagen mangelnde Transparenz. Fragen und Antworten.

München. Millionen Verbraucher vertrauen bei der Suche nach dem billigsten Anbieter von Versicherungen, Strom oder Reisen auf Vergleichsportale im Internet. Ein paar Angaben bei Check24 oder Verivox genügen – und schon erscheint auf dem Bildschirm eine Liste der Anbieter, sortiert nach Preis. Nicht allen Verbrauchern ist klar, dass die Portale für jeden Vertragsabschluss Provisionen von Versicherungen oder Reisefirmen kassieren. Denn der Hinweis auf die Rolle als Makler ist auf die Schnelle in den Vergleichsportalen nicht zu sehen. Ein Prozess, der am Mittwoch vor dem Landgericht München begann, könnte die Portale zu mehr Transparenz zwingen. Mit einem Urteil wird für den 11. Mai gerechnet.

Warum beschäftigen sich Richter mit Vergleichsportalen?

Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute wirft Check24 Irreführung der Verbraucher vor und hat geklagt: Das Internetportal tarne sich zwar als Preisvergleichsportal, arbeite aber genau wie ein Makler und kassiere Provisionen. Auf den ersten Blick könnten die Kunden dies jedoch nicht erkennen. Die Richter sollen klären, ob Check24 gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb verstößt.

Mit der Klage strebt der Verband einen Musterprozess an, der auch Folgen für andere Vergleichsportale haben könnte. Zum Prozessauftakt deutete sich in diesem Punkt ein Erfolg für die Kläger an: Der Besucher der Seite müsse verstehen, dass Check24 ein Makler ist und nicht nur ein Dienstleister, der Preise vergleicht, sagte Barbara Clementi, Vorsitzende Richterin der 11. Kammer für Handelssachen am Landgericht München. Der Hinweis auf die Maklerrolle finde sich bislang nur in der Fußzeile und werde deshalb wohl von vielen Verbrauchern nicht gesehen. Sie schlug ein Pop-up-Fenster vor.

Von wem kassieren die Vergleichsportale Geld?

Die Portale haben meist Verträge mit den Versicherern oder Reisefirmen abgeschlossen, deren Leistungen sie anbieten. Für jeden Kunden, den die Versicherer oder Reisefirmen über die Portale gewinnen, müssen sie Geld an die Betreiber zahlen: Bei der Kfz-Haftpflichtversicherung zum Beispiel soll die Provision nach Angaben aus der Versicherungsbranche rund 50 bis 100 Euro pro Vertrag ausmachen. Da kommt einiges zusammen: Allein in der letzten Wechselrunde für die Kfz-Haftpflichtversicherung vermittelte Check24 rund 950 000 Verträge.

Was halten Verbraucherschützer von Vergleichsportalen?

Vor allem die mangelnde Transparenz stört Verbraucherschützer. Denn ob die Auswahl der Produkte, die auf den Vergleichsportalen angeboten werden, von den jeweiligen Provisionen abhängig ist, ist für die Kunden kaum nachvollziehbar. Die Verbraucherzentralen in Bayern, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen haben vor Kurzem die bekanntesten und beliebtesten Vergleichsportale untersucht und kommen zu einem ernüchternden Fazit: „Der Nutzen für die Verbraucher wird eingeschränkt, da die Portale häufig nicht den günstigsten Preis anzeigen.“ Der Bund der Versicherten rät Verbrauchern grundsätzlich dazu, sich nicht auf ein einziges Portal zu verlassen. „Vergleichen Sie die Vergleichsportale.“

Können die Portale per Gesetz gezwungen werden?

Der Prozess könnte klären, in welcher Form die Portale die Verbraucher über ihre Rolle als Makler informieren müssen. Formal richtet sich die Klage zwar nur gegen Check24 als Marktführer – in der Praxis dürften aber auch andere Anbieter sich dem Wort der Richter beugen, um eigene Prozesse zu vermeiden. (dpa)

 
 

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