Veolia-Konzern will sich von Verkehrs-Sparte trennen

Der französische Veolia-Konzern, zu dem u.a. das Unternehmen NordwestBahn gehört, will sich von seiner Transport-Sparte trennen.
Der französische Veolia-Konzern, zu dem u.a. das Unternehmen NordwestBahn gehört, will sich von seiner Transport-Sparte trennen.
Foto: Ulrich von Born
Der Französische Versorgungs-Konzern Veolia will seine Transport-Sparte rasch verkaufen. Grund seien starke Verluste im vergangenen Jahr, gab der Konzern am Donnerstag bekannt. In NRW gehören zu Veolia unter anderem NordwestBahn, RheinBus und WestBus am Niederrhein.

Paris. Nach einem herben Verlust von 490 Millionen Euro im vergangenen Jahr will der französische Veolia-Konzern seine Transport-Sparte rasch verkaufen und setzt auf die Bereiche Wasser, Abfall und Energie. Bereits 2012 könnten erste Ergebnisse der Strategie eines Rückzugs aus der Transportbranche erzielt werden, sagte Veolia-Chef Antoine Frérot am Donnerstag. Veolia ist im deutschen Nahverkehr der größte Konkurrent der Deutschen Bahn. In NRW gehören unter anderem die Unternehmen NordwestBahn, Rheinbus und WestBus zum Konzern.

Nach Angaben des Unternehmens laufen derzeit Verhandlungen mit einem Investor, um den Veolia-Anteil von 50 Prozent in den Bereichen Busse und Bahnen zu verkaufen. Laut Finanzdirektor Pierre-François Riolacci könnte ein Abkommen bis Ende des Sommers unterschrieben sein. Der Konzern könnte seine Anteile an Veolia Transdev, an dem zur Hälfte auch das staatliche Finanzinstitut Caisse des Dépôts (CDC) beteiligt ist, voraussichtlich nach und nach abstoßen. Laut Wirtschaftszeitung "Les Echos" geht es bei dem Investor um den Fonds Cube Infrastructure der französischen Investmentbank Natixis.

Schwere Gewinneinbrüche im Transportgeschäft

Veolia hatte die strategische Entscheidung, sich aus den Transportaktivitäten zurückzuziehen, nach schweren Gewinneinbrüchen getroffen. Die Umstrukturierung bedeutet einen radikalen Strategiewechsel gegenüber der Ausrichtung unter dem früheren Veolia-Chef Henri Proglio, der jetzt an der Spitze des französischen Energiekonzerns EDF steht. Proglio hatte eine Internationalisierung und Ausweitung der Veolia-Aktivitäten vorangetrieben.

Frérot äußerte sich am Donnerstag auch erstmals offen zu dem Streit um seine Position an der Konzernspitze. Im Februar hatten Berichte über eine geplante Ablösung von Frérot die Wellen hochschlagen lassen: Präsident Nicolas Sarkozy ließ dementieren, dass es eine Absprache mit Proglio gegeben habe, um seinen früheren Umweltminister Jean-Louis Borloo an der Veolia-Spitze zu platzieren. Borloo hatte auf seine Kandidatur bei der anstehenden Präsidentschaftswahl in Frankreich verzichtete und Sarkozy so wichtige Stimmen aus dem Mitte-rechts-Lager ermöglicht.

Nun sagte Frérot der Tageszeitung "Le Monde" mit Blick auf eine Einsetzung Borloos: "Das wäre ein großer Fehler gewesen." Die Kunden würden Veolia vor allem wegen der Professionalität vertrauen und weil es eben nicht um Parteizugehörigkeit gehe. Er sei besonders erstaunt gewesen, dass ein "solch genauer Kenner unseres Unternehmens wie mein Vorgänger" Proglio einen Politiker an die Unternehmensspitze hatte bringen wollen.

Veolia, das führende Unternehmen für Umweltdienstleistungen in Frankreich, hat mehr als 310.000 Angestellte. Der Konzern will seine Schulden von 14,7 Milliarden Euro Ende Dezember bis Ende 2012 auf dann weniger als zwölf Milliarden Euro senken. (dapd)