Veröffentlicht inWirtschaft

Türkische Modefirmen sollen in NRW neue Jobs schaffen

27217703--543x199.jpg
Foto: APN

Istanbul/Düsseldorf. 

Die Landesregierung in NRW will die deutsch-türkische Achse in der Modebranche ausbauen. Das Ziel von Wirtschaftsministerin Christa Thoben: NRW soll für türkische Unternehmen verstärkt zur Vertriebsdrehscheibe für ganz Europa werden.So sollen auch neue Jobs entstehen.

Rund um den Laufsteg der „Istanbul Fashion Week“ liegen Sitzkissen aus Nordrhein-Westfalen. Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) hat in der ersten Reihe Platz genommen. Türkische Models werden gleich die neue Kollektion der Kölner Designerin Eva Gronbach präsentieren. Gronbach wohnt in Köln, doch es ist vor allem das Ruhrgebiet, das ihre Mode prägt. Die 38-Jährige verarbeitet ehemalige Bergmannsbekleidung zu Laufstegkollektionen, die Titel tragen wie „Glückauf“ oder „Liebeserklärung an Deutschland“. In Istanbul tritt Gronbach gewissermaßen als künstlerische Botschafterin für NRW auf.

Christa Thoben gerät ins Schwärmen, als sie die Kollektionen betrachtet. Die Ministerin ist nach Istanbul gereist, um das zu stärken, was sie „die Mode-Achse zwischen der Türkei und NRW“ nennt. Für türkische Modehersteller übernimmt die Bundesrepu-blik eine Brückenfunktion nach ganz Europa. Thoben sieht NRW als „führenden Modestandort in Deutschland“. Schließlich haben 20 der 50 umsatzstärksten deutschen Textileinzelhändler hier ihren Sitz – darunter große Kaufhäuser und Filialisten wie C&A, Karstadt, Kaufhof, Kik, Peek & Cloppenburg oder Takko. „Im bundesdeutschen Vergleich besitzt NRW die stärkste Einkäuferstruktur der Modebranche“, sagt Thoben. Ihr Ziel ist, dass türkische Unternehmen Standorte an Rhein und Ruhr verstärkt als Vertriebsdrehscheibe für Europa nutzen.

Türkische Modeunternehmen setzen auf NRW

Wie das Ruhrgebiet ist Istanbul „Kulturhauptstadt Europas 2010“. Erst im vergangenen Frühsommer reiste Thoben daher in die Millionenmetropole. Vor wenigen Tagen war die Ministerin in Sachen Mode unterwegs.

Als Textil-Lieferant spielt die Türkei auf dem deutschen Markt nach wie vor eine bedeutende Rolle. Bei C&A macht der Anteil türkischer Produkte zehn Prozent des Liefervolumens aus. Ein großer Vorteil sei die Nähe der Türkei zum deutschen Markt, sagt Unternehmenssprecher Thorsten Rolfes. „So können wir schnell auf Modetrends reagieren.“ Sechs Prozent der Betriebe, die für C&A produzieren, befinden sich in der Türkei. Zum Vergleich: China und Indien erreichen einen Anteil von 20 beziehungsweise elf Prozent. Auch der Modekonzern Gerry Weber lässt seit rund zwanzig Jahren in der Türkei fertigen. Der Standort sei „auf gleichbleibendem Niveau wichtig“.

Umgekehrt setzen auch türkische Modeunternehmen auf den Standort NRW. Eines von ihnen ist die Sarar-Gruppe, die in 22 Ländern rund 5500 Mitarbeiter beschäftigt. Seit zehn Jahren befindet sich die Europazentrale von Sarar in Düsseldorf. Emre Sarar, der 32-jährige Geschäftsführer, hat ehrgeizige Pläne. Rund 40 Mitarbeiter beschäftigt Sarar derzeit in Düsseldorf. In den kommenden fünf Jahren soll sich die Zahl mehr als verdoppeln.

Türkei profiliert sich als „Modeland“

Die türkische Modeindustrie – eine der wichtigsten Exportbranchen des Landes – hat einen rasanten Strukturwandel durchlebt. Angesichts der Billigkonkurrenz asiatischer Nähstuben mussten viele Betriebe schließen. Innerhalb von fünf Jahren ging die Zahl der Arbeitsplätze in der Branche von vier auf drei Millionen zurück, berichtet Lemi Tolunay vom Türkischen Textil- und Bekleidungsverband.

Die Industrie schneiderte sich ein Profil jenseits der Massenfertigung. „Wir spielen in einer anderen Liga als die fernöstlichen Länder“, sagt Tolunay. Anders als in „reinen Produktionsländern“ wie China, Indien oder Pakistan sei die Türkei ein „Modeland“ mit kreativen Designern und modernen Fertigungsstätten.

Die deutsche Designerin Eva Gronbach jedenfalls erhielt herzlichen Applaus bei ihrem Debüt in der Türkei. Womöglich reist sie künftig häufiger nach Istanbul.