Trotz Verluste: Banker fordern Bonuszahlungen

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Frankfurt/Main. Trotz hoher Verluste pochen bei der Dresdner Bank mehrere Investmentbanker auf ihre erfolgsabhängigen Bonuszahlungen. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz findet dafür klare Worte: "dreist und maßlos".

Hohe Bonuszahlungen an Banker trotz Milliardenverlusten und Inanspruchnahme staatlicher Hilfen stoßen zunehmend auf Kritik. Allein bei der Dresdner Bank pochen Investmentbanker der Tochter Dresdner-Kleinwort auf zugesagte Boni in Höhe von 400 Millionen Euro. Allerdings will die Commerzbank als neuer Besitzer der Dresdner die Zahlungen kürzen. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, hieß es am Mittwoch bei der Dresdner Bank in Frankfurt am Main.

In der «Bild»-Zeitung kritisierte Marco Cabras von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) die Forderungen der Investmentbanker als «dreist und maßlos». Boni müssten verdient werden und könnten nicht einfach mitten im Jahr zugesagt werden, ging er zudem die Allianz als ehemalige Mutter der Dresdner an.

Bonus versprochen

Diese hatte im Sommer 2008 mit den Zusagen versucht, die Investmentexperten vor dem anstehenden Verkauf an die Commerzbank im Unternehmen zu halten, wie es aus Finanzkreisen hieß. «Das grenzt schon an den Tatbestand der Untreue», meinte Cabras.

Banken-Fachmann Wolfgang Gerke erklärte ebenfalls in der «Bild»-Zeitung: «Moralisch ist die Forderung nicht haltbar. Wie kann jemand, der massive Verluste produziert hat, jetzt eine Belohnung einfordern? Aber offenbar wurden Verträge gemacht, die völlig ungeeignet sind und falsche Maßstäbe für Bonus-Zahlungen beinhalten.»

Commerzbank-Sprecher Reiner Roßmann sagte, die Vorgänge würden geprüft, es handle sich aber um eine «ganz komplexe Situation». Zum Beispiel habe es Vereinbarungen über Geschäftsziele gegeben. Es müsse nun also geprüft werden, ob diese eingehalten worden seien.

Commerzbank-Chef erwägt Kürzung

Commerzbank-Chef Martin Blessing habe ebenso wie Finanzvorstand Eric Strutz schon vor einiger Zeit deutlich gemacht, dass die Bonuszahlungen angesichts der Finanzkrise wohl gekürzt werden sollten. Blessing habe sinngemäß gesagt, man könne nur einen Bonus bekommen, wenn man etwas verdient habe, erklärte Roßmann.

In Bankenkreisen wurde bestätigt, dass die betroffenen Investmentbanker mit Klagen drohten, sollten sie die zugesagte Boni nicht oder nicht vollständig erhalten. Bei dieser Art von Verträgen beruhe mitunter ein Großteil des Einkommens auf Bonuszahlungen, hieß es.

Allerdings gebe es im Fall Dresdner-Kleinwort auch eine Vertragsklausel, dass die Zahlungen abhängig von der wirtschaftlichen Situation erfolgten, erklärte eine mit den Vorgängen vertraute Person. Zu bedenken sei andererseits, dass auch im Investmentbanking nicht alle Bereiche Verlust gemacht hätten, sondern nur etwa zehn Prozent.

Auch bei der Schweizer UBS und der Royal Bank of Scotland gibt es Kritik an Bonuszahlungen in Milliardenhöhe, obwohl beide Geldhäuser nach massiven Verlusten Staatshilfe erhalten. (ap)

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