Trotz Rekordverlust - Eon-Chef fühlt sich in Essen wohl

Eon-Chef Johannes Teyssen fühlt sich in der neuen Konzernzentrale an der Essener Gruga wohl. Die Bilanzzahlen für 2015 sind nicht so gut.
Eon-Chef Johannes Teyssen fühlt sich in der neuen Konzernzentrale an der Essener Gruga wohl. Die Bilanzzahlen für 2015 sind nicht so gut.
Foto: dpa
Eon-Chef Johannes Teyssen legte seine Bilanz erstmals am neuen Konzernsitz in Essen vor. Die Energiewende beschert dem Versorger einen Rekordverlust.

Essen.. „Ein Haus, ein Team, ein guter Start“ – im lichtdurchfluteten Foyer weisen Plakate darauf hin, dass in der ehemaligen Ruhrgas-Zentrale an der Essener Gruga nun der Energieriese Eon seinen Sitz hat. Vorstandschef Johannes Teyssen fühlt sich in dem Haus sichtlich wohl. „Kurze Wege, kurze Entscheidungen. Hier wurde mit Weitsicht gebaut“, sagt der Manager, der nach einer Diät rund 30 Kilogramm abgespeckt hat.

Zumindest in Sachen Zufriedenheit unterscheidet sich Teyssen nach dem Umzug aus Düsseldorf von seinem Rivalen Peter Terium. Am Tag zuvor hatte der RWE-Chef keinen Hehl daraus gemacht, dass er den Essener Büroturm an der A 40 lieber heute als morgen verlassen würde.

Sieben Milliarden Euro Verlust im Geschäftsjahr 2015

Kaum unterscheiden sich die Nummer eins und zwei unter den deutschen Energieversorgern dagegen in ihren schlechten Zahlen und Prognosen für die Zukunft. Eon schloss das Geschäftsjahr 2015 mit einem satten Fehlbetrag von sieben Milliarden Euro ab. Das ist der größte Verlust in der Unternehmensgeschichte, die allerdings in diesem Jahr ohnehin endet: Eon spaltet sich auf und konzentriert sich von Essen aus auf die zukunftsträchtigen erneuerbaren Energien und die auslaufende Kernkraft. Die unter Druck stehende konventionelle Kraftwerkssparte wird bei Uniper in Düsseldorf gebündelt.

Beim außergewöhnlichen Nettoverlust schlugen freilich vor allem Abschreibungen auf Kraftwerke und das Öl- und Gasgeschäft von knapp neun Milliarden Euro zu Buche. Angesichts der fallenden Großhandelspreise für Strom kann nicht nur Eon mit großen Kohle- und Gasblöcken kaum noch Geld verdienen. Das Unternehmen musste die Buchwerte der Kraftwerke in den vergangenen Jahren mehrfach nach unten korrigieren. Das Ergebnis der konventionellen Kraftwerke brach 2015 auf knapp 500 Millionen ein. Im Vorjahr waren es noch gut 800 Millionen Euro.

Besserung ist nicht in Sicht

Eine Besserung erwartet Teyssen vorerst nicht: „Nach zwei Monaten im neuen Geschäftsjahr ist erkennbar, dass sich unser Marktumfeld weiter eingetrübt hat. Strom-, Öl- und Gaspreise bleiben niedrig oder geben weiter nach, Wechselkurse bleiben schwach“, sagt der Eon-Chef. Für 2016 rechnet der Konzern mit einem Ergebnis vor Abzug von Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in Höhe von 6,0 bis 6,5 Milliarden Euro. 2015 hatte das Ebitda bei 7,6 Milliarden Euro gelegen. Der nachhaltige Konzernüberschuss soll in diesem Jahr bei 1,2 bis 1,6 Milliarden Euro liegen. 2015 betrug er 1,6 Milliarden Euro.

Der Eon-Vorstand stimmt seine Aktionäre darauf ein, dass sie die schlechten Geschäftsaussichten womöglich bei der Ausschüttung für 2016 zu spüren bekommen. Für das vergangene Jahr soll es zwar noch eine Dividende von 50 Cent pro Aktie geben. Teyssen: „Versprochen, gehalten.“ Sein Finanzchef Michael Sen aber prophezeit: „Zukünftig wird auch unsere Dividendenpolitik das aktuelle Geschäftsumfeld reflektieren müssen. Unsere Ausschüttungspolitik muss angemessen sein.“

Bundesverfassungsgericht verhandelt Atomklage

Denn nicht nur die niedrigen Großhandelspreise für Strom belasten Eon. Auch der vom Bund verordnete Ausstieg aus der Atomkraft birgt Risiken.Teyssen rechnet sich gute Chancen für seine Klage aus, die er mit anderen beim Bundesverfassungsgericht eingereicht hat. Zur Anhörung will der Eon-Chef am Mittwoch nach Karlsruhe reisen: „Ich erwarte Gerechtigkeit“, sagt er. Die höchsten Richter wollen kommende Woche über die Klage der Versorger Eon, RWE und Vattenfall mündlich verhandeln.

Die Unternehmen machen geltend, dass das nach dem Reaktorunfall von Fukushima im März 2011 erlassene Atomausstiegsgesetz einer Enteignung gleichkomme. Sie beklagen dabei Eingriffe in das grundrechtlich geschützte Eigentum sowie in die Berufs- und Gewerbefreiheit. Das ist aus Sicht der Konzerne ohne Entschädigung verfassungswidrig. Sollten die Karlsruher Richter zustimmen, planen die Versorger Schadenersatzklagen in Milliardenhöhe.

 
 

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