ThyssenKrupp verzichtet auf betriebsbedingte Kündigungen

Vom Stellenabbau bei  ThyssenKrupp ist wohl auch das Werk in Duisburg-Bruckhausen betroffen, dessen Hochofen hier in Betrieb ist.
Vom Stellenabbau bei ThyssenKrupp ist wohl auch das Werk in Duisburg-Bruckhausen betroffen, dessen Hochofen hier in Betrieb ist.
Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool
Der vom neuen Vorstandschef anvisierte Stellenabbau soll nach Angaben des Gesamtbetriebsrates vor allem über Arbeitszeitverkürzung und mehr Teilzeit geschafft werden. Eine entsprechende Vereinbarung stehe kurz vor der Unterzeichnung. Allerdings setzen die Arbeitnehmervertreter darauf, dass weniger als die angekündigten 2000 Jobs gestrichen werden.

Duisburg. Es wird bei Thyssen-Krupp Stahl im Zuge des geplanten Arbeitsplatzabbaus keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Eine solche Vereinbarung stehe kurz vor der Unterzeichnung, sagte Gesamtbetriebsratschef Günter Back den Zeitungen der WAZ Mediengruppe (Donnerstagausgabe). Mit dieser Vereinbarung im Rücken sei die Arbeitnehmervertretung jetzt bereit, mit dem Konzernvorstand über Sozialplan und Interessenausgleich zu verhandeln.

Zugleich fordert der Betriebsrat, die Zahl der abzubauenden Arbeitsplätze auf maximal 1300 festzuschreiben und den Job-Abbau „erkennbar sozialverträglich“ zu gestalten. Letzteres hatte der Konzern auch in Aussicht gestellt, aber 2000 Stellen als Einsparziel beim Stahl genannt.

Betroffen sind die beiden Duisburger Werke sowie die Standorte in Bochum, Dortmund, Finnentrop und Siegerland mit derzeit insgesamt 17.000 Stahlarbeitern. Der Stellenabbau könnte vor allem über Arbeitszeitverkürzung, Ausweitung der Teilzeit und stärkere Nutzung der Altersteilzeit erfolgen.

Stellenabbau und Verkäufe, um aus der Schieflage zu kommen

Konzernbetriebsratschef Wilhelm Segerath erklärte, er gehe sogar davon aus, dass dies auch für den gesamten Konzern gelte. ThyssenKrupp äußerte sich dazu zunächst nicht. Vorstandschef Heinrich Hiesinger hat angekündigt, in den kommenden Jahren mehr als 2000 Jobs im europäischen Stahlgeschäft zu streichen.

Rund 1800 weitere Stellen könnten durch den Verkauf von kleineren Stahlwerken aus dem Konzern fallen. Den Prozess hat das Unternehmen nun eingeleitet. Zur Disposition stehen Werke des Bereichs Electrical Steel in Gelsenkirchen mit 620 Mitarbeitern, im französischen Isbergues mit 590 und indischen Nashik mit 610 Mitarbeitern.

Darüber hinaus prüft der Konzern die Schließung oder Verlagerung des Weißblechwerks der Tochter ThyssenKrupp Rasselstein im rheinland-pfälzischen Neuwied. Dagegen laufen Gewerkschafter Sturm. "ThyssenKrupp muss von der Schließung des Werkes Abstand nehmen", hatte der rheinland-pfälzische DGB-Chef Dietmar Muscheid nach einem Besuch der Anlage am Dienstag erklärt. "ThyssenKrupp hat sich durch milliardenschwere Fehlinvestitionen in diese Schieflage gebracht. Jetzt sollen die Mitarbeiter die verfehlte Unternehmenspolitik ausbaden. Das werden wir so nicht hinnehmen." Damit verwies er auf die Milliardenverluste, die ThyssenKrupp bei seinen neuen Stahlwerken in Übersee eingefahren hat. Hiesinger will die Werke in Brasilien und den USA rasch abstoßen. (mit rtr)

 
 

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