Tarifabschluss kostet Bahn bis zu 1,6 Milliarden Euro

München/Hamburg. Der Tarifabschluss für die Lokführer kostet die Deutsche Bahn bis zum Jahr 2012 laut Presseberichten bis zu 1,6 Milliarden Euro.

Das berichteten das Nachrichtenmagazin «Spiegel» und die «Süddeutsche Zeitung» am Samstag übereinstimmend unter Berufung auf Aufsichtsratskreise und ein Schreiben von Bahn-Chef Hartmut Mehdorn an die Belegschaft. Mehdorn, der nach dem vereinbarten elfprozentigen Lohnplus zunächst Entlassungen und höhere Preise angedroht hatte, will die Kosten laut «Spiegel» mit einem Sparprogramm auffangen und plane dazu einen Einstellungsstopp. Die Bahn-Gewerkschaften Transnet und GDBA fordern mit Blick auf den GDL-Abschluss die 40-Stunden-Woche.

Transnet erklärte nun vor der Verhandlungsrunde am Dienstag über ein neues Entgeltsystem aber, dass sie keine weiteren Lohn-Forderungen stellen werde. «Der Abschluss der Lokführer ist nach dem, was ich bisher kenne, nicht höher als unserer. Damit gibt es voraussichtlich keinen Grund, Nachverhandlungen einzufordern», sagte Transnet-Chef Norbert Hansen, der «Welt am Sonntag». Transnet und GDBA hatten sich beim Abschluss im Sommer mit Blick auf eine sogenannte Revisonsklausel offen gehalten, die ausgehandelten Tarifverträge zu kündigen, falls die Bahn mit der GDL einen besseren Abschluss vereinbart.

Die beiden Konkurrenzunternehmen wollen nun aber die Verhandlungen über die Lohnstruktur zur Änderung der Arbeitszeiten nutzen und «eine generelle Verkürzung der Wochenarbeitszeit einfordern», sagten Sprecher von Transnet und GDBA der Wirtschaftszeitung «Euro am Sonntag». Schon binnen der nächsten vier Wochen rechne die GDBA mit einer Einigung. Am 22. Januar solle die nächste Verhandlungsrunde mit der Bahn starten, verkündeten die Gewerkschaften.

GDBA und Transnet vertreten künftig 115.000 Bahn-Mitarbeiter. Für sie bleibt es nach den bisherigen Planungen bei einer Arbeitszeit von 41 Stunden. Die GDL hatte für die 20.000 Lokführer des Konzerns eine Verkürzung der Arbeitszeit um eine Stunde auf 40 Stunden pro Woche durchgesetzt. Beobachter erwarten, dass sich die GDBA und Transnet an dieser Marke orientieren dürften.

Hansen plädierte nun mit Blick auf die Konkurrenzsituation der drei Gewerkschaften für Vereinbarungen, um untereinander künftig keine Konflikte mehr aufkommen zu lassen. Dies beinhalte, «wie die zukünftigen Tarifverhandlungen koordiniert werden können, um so eine Konkurrenzsituation wie in dieser Runde zu vermeiden», sagte der Transnet-Chef der Zeitung.

Hansen kritisierte zudem scharf das Einwirken des Verkehrsministers Wolfgang Tiefensee (SPD) auf die Lösung des Konflikts. «Ich halte es in der Tat für völlig falsch, wie sehr sich der Bundesminister in dem Konflikt exponiert hat. Das ist eine klare Attacke auf die Tarifautonomie.» Tiefensee hatte die Verhandlungen mehrfach an sich gezogen. Laut «Spiegel» hatte Tiefensee während der Verhandlungen mit Folgen für die geplante Teilprivatisierung des Konzern angedroht, falls sich Bahn-Chef Mehdorn einer Einigung verweigere. (AFP)

 
 

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