Stuttgart 21 verzögert sich – und kostet eine Milliarde mehr

Eine gelbe Plane deckt in Stuttgart (Baden-Württemberg) auf der Baustelle des Bauprojektes für den neuen Hauptbahnhof Stuttgart 21 eine Kelchstütze des zukünftigen Tiefbahnhofs ab.
Eine gelbe Plane deckt in Stuttgart (Baden-Württemberg) auf der Baustelle des Bauprojektes für den neuen Hauptbahnhof Stuttgart 21 eine Kelchstütze des zukünftigen Tiefbahnhofs ab.
Foto: Sebastian Gollnow / dpa
Das umstrittene Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 wird wohl erst Ende 2024 abgeschlossen. Der Bau wird zudem deutlich teurer als geplant.

Stuttgart.  Das Bahnprojekt Stuttgart 21 soll wesentlich kostspieliger werden als bisher geplant. Die Deutsche Bahn erwartet nun eine Erhöhung des Kostenrahmens von 6,5 Milliarden auf 7,6 Milliarden Euro, wie die Deutsche Presse-Agentur am Mittwoch aus Aufsichtsratskreisen erfuhr. Das soll auf einer Sondersitzung des Kontrollgremiums Ende Januar beschlossen werden.

Zudem rechnet die Bahn bei dem Projekt nach aktuellen externen Prüfungen der Zeit- und Kostenpläne mit weiteren Verzögerungen. Wie die „Bild am Sonntag“ aus Aufsichtsratskreisen erfuhr, geht das Unternehmen nun von der Fertigstellung bis Ende 2024 aus. Ursprünglich war die Fertigstellung für 2023 geplant.

Ein Grund laut Bahn: Restriktiven Artenschutz-Regeln

Als Gründe für die höheren Kosten und die spätere Fertigstellung wurden in den Aufsichtsratskreisen unter anderem gestiegene Baukosten, Verzögerungen in den Planungsverfahren und die restriktiven Regeln beim Artenschutz genannt.

Im Zuge des hoch umstrittenen Projekts Stuttgart soll aus dem Stuttgarter Kopfbahnhof ein Tiefbahnhof werden. An dem Bahnhof wird seit Februar 2010 gebaut, der Grundstein für den Neubau wurde im September 2016 gelegt. Der Bundesrechnungshof etwa hatte bis zu 9 Milliarden Euro Kosten vorausgesagt.

Das Projekt hatte im Jahr 2010 für große Proteste gesorgt, Zehntausende Menschen waren dagegen auf die Straße gegangen. Der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler hatte dann in dem Konflikt als Schlichter vermittelt.

Einfluss von Mappus auf harten Polizeieinsatz bestritten

Baden-Württembergs früherer Regierungschef Stefan Mappus (CDU) räumte unterdessen Medienberichten zufolge Ratlosigkeit und Fehler beim Umgang mit dem umstrittenen Bahnprojekt ein. „Stuttgart 21 hätte von Anfang an viel besser kommuniziert werden müssen, sei es durch Veranstaltungen, Mediation oder Liveübertragungen“, sagte Mappus nach einem Bericht von „Stuttgarter Zeitung“ und „Stuttgarter Nachrichten“ bei einer Veranstaltung in Stuttgart. „Das haben wir bei Stuttgart 21 nicht gemacht und auch nicht hinbekommen.“ Auf dem Höhepunkt der Proteste im August und September 2010 sei die von ihm geführte Landesregierung „ziemlich ratlos“ gewesen.

Bei der Räumung des Schlossgartens für das Bahnprojekt waren am 30. September 2010, dem „Schwarzen Donnerstag“, Polizisten mit Wasserwerfern, Schlagstöcken und Pfefferspray gegen Demonstranten vorgegangen. Ein möglicher Einfluss von Mappus auf den harten Polizeieinsatz gegen Stuttgart-21-Gegner blieb aber umstritten.

Wie sich die Situation rund um den geplanten Bau derart hochschaukeln konnte, kann sich Mappus demnach noch immer nicht erklären. „Wir hatten nicht die Absicht, ein Atomkraftwerk mitten in der City zu bauen“, sagte Mappus den Blättern zufolge. „Es ging immer nur um einen Hauptbahnhof.“ (dpa)


 

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