Störungen bei der Bahn - der Kunde zahlt drauf

Ingmar Kreienbrink
Wegen Streckenarbeiten müssen Bahnfahrer nicht nur Umwege, sondern auch mehrmaliges Umsteigen und höhere Preise akzeptieren. Auch die Strecke Köln-Leipzig ist betroffen. Der Fahrgastverband Pro Bahn beklagt mangelnde Kundenfreundlichkeit.

Essen. Was müssen Fahrgäste der Deutschen Bahn (DB) in Kauf nehmen, wenn Streckenarbeiten anstehen? Um diese Frage ist ein heftiger Streit zwischen dem Unternehmen und dem Fahrgastverband Pro Bahn entbrannt. Der Vorwurf der Interessenvertreter: Die Bahn kassiere wegen Bauarbeiten und Umleitungen von ihren Kunden überhöhte Preise.

Konkret geht es unter anderem um die IC-Direktverbindung zwischen Leipzig und Köln durch das Ruhrgebiet. Wegen Bauarbeiten ist die Kapazität der Strecke zwischen April und Ende August stark eingeschränkt, weshalb eine Teilung der Verbindung nötig wurde. Der Zug fährt nicht zwischen Hannover und Herford, so dass die Kunden für diese Teilstrecke auf den Nahverkehr bzw. ICE ausweichen müssen.

Mehr Komfort - höherer Preis

Wer den ICE wählt, muss allerdings tiefer in die Tasche greifen. „Die Aufschläge in derartigen Fällen betragen bis zu 17 Prozent oder bis zu zwölf Euro in der 2. Klasse, erläutert Pro-Bahn-Pressesprecher Matthias Ohmen.

Eine einfache Lösung wäre, das Ticket für die IC-Direktverbindung für die gesamte Strecke gelten zu lassen, schlägt Pro-Bahn-Chef Karl-Peter Naumann vor. Doch davon will die Deutsche Bahn nichts wissen. „Wenn Kunden anstelle eines IC einen ICE benutzen, fahren sie mit einem höherwertigen Zug, der auch mehr Komfort bietet. Deshalb gelten dort auch bei Bauarbeiten die ICE-Preise“, heißt es in einer Presseerklärung.

Mehrmaliges Umsteigen erhöhe nicht die Reisequalität

„Ich wage es zu bezweifeln, dass bei mehrmaligem Umsteigen statt einer Direktverbindung eine höhere Reisequalität entsteht“, sagt Naumann im DerWesten-Gespräch. Wenn die Bahn erst ihr Angebot wegen Bauarbeiten nicht aufrecht erhalte und dann auch noch höhere Ticketpreise nehme, dann könne man das nicht akzeptieren, so Naumann.

Ein weiteres Problem sind Zuschläge für längere Fahrten, weil die Bahn wegen Streckenarbeiten Umwege fahren muss. So musste eine Kundin für die Fahrt von Frankfurt nach Göttingen zwölf Euro mehr zahlen, weil der Zug umgeleitet wurde, berichtet der Fahrgastverband. Zudem würde die Deutsche Bahn die Kunden nicht auf die erhöhten Fahrpreise hinweisen.

Mehrkosten sollen teilweise erstattet werden

„Bei kurzfristig erforderlichen Baumaßnahmen können die Preise aufgrund der Komplexität des Fahrplans nicht immer angepasst werden“, heißt es in einer Pressemitteilung. In diesen Fällen sollen Kunden, die mit Fahrscheinen zum Normalpreis Umwege gefahren sind, den Mehrpreis erstattet bekommen. „Dafür müssen die Fahrgäste ein Formular ausfüllen und bekommen das Geld direkt im Reiseverkehrszentrum ausgezahlt“, so ein NRW-Bahnsprecher auf DerWesten-Anfrage.

Dieses Vorgehen hält der Fahrgastverband für nicht serviceorientiert. „Ich weiß nicht, warum man dieses EDV-Problem nicht löst“, beschwert sich Pro-Bahn-Chef Naumann, „man kann, wenn man will – aber die Bahn will offenbar nicht, weil es ihr zu aufwändig ist“.