Steag-Chef kann sich Neubau von Kohlekraftwerk vorstellen

Thomas Wels
Hofft auf finanzstarken Partner: Steag-Chef Joachim Rumstadt.
Hofft auf finanzstarken Partner: Steag-Chef Joachim Rumstadt.
Foto: Matthias Graben
Steag-Konzernchef Joachim Rumstadt will neue Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen bauen. Der Anteil an erneuerbaren Energien soll 2020 bei 25 Prozent liegen. Rumstadt meldet Interesse an einem finanzstarken Gesellschafter an.

Essen. Der Essener Energieerzeuger Steag schließt nicht aus, trotz der Unsicherheiten durch die Energiewende ein neues Kohlekraftwerk im Ruhrgebiet zu bauen. "In Verbindung mit einer Fernwärmeversorgung, die von Krefeld bis Dortmund reicht, schließe ich auch den Neubau eines großen Kohlekraftwerks nicht aus", sagte Joachim Rumstadt, Vorsitzender der Steag-Geschäftsführung. Über das Geschäftsmodell des Energiekonzerns, die Zukunft der Kohlekraftwerke und was das für die Beschäftigten bedeutet, sprach er mit der WAZ-Mediengruppe.

Die Energiewende und der Vorrang der Erneuerbaren bei der Netzeinspeisung setzen Ihre Steinkohlekraftwerke in Deutschland stark unter Erlösdruck, bis Frühjahr 2019 müssen vielleicht acht Blöcke vom Netz. Bekommen Sie das ohne betriebsbedingte Kündigungen hin?

Joachim Rumstadt: Es gibt keine Entscheidung zur Stilllegung von Kraftwerksblöcken. Wir haben eine Laufzeiterwartung, die sich an den Gegebenheiten des Marktes ausrichtet. Und die können sich auch ändern, wie man an dem Vertrag zur Bahnstrombelieferung durch das Kraftwerk Lünen 6 bis zum Jahr 2018 sieht. Und wir werden im Jahr 2020 mindestens die Hälfte unserer Kraftwerksblöcke am Netz haben.

Die Gewinne geraten trotzdem unter Druck.

Joachim Rumstadt: Wir verdienen heute mit unseren deutschen Kraftwerken Geld. Und wir haben unsere vermarktbaren Strommengen mit Preisen über dem Großhandelsniveau verkauft.

Wie hoch ist der Gewinn?

Joachim Rumstadt: Konkrete Zahlen veröffentlichen wir im Frühjahr. Die Profitabilität der Steag einschließlich der Ingenieurs-, Serviceleistungen und dem Fernwärmegeschäft liegt im Vergleich mit den Wettbewerbern auf einem guten Niveau.

Alle Kraftwerksbetreiber haben Schwierigkeiten.

Joachim Rumstadt: Natürlich wird das Geschäft schwieriger, der Einspeisevorrang der Erneuerbaren kann so nicht bleiben, er stellt für uns eine Bedrohung dar. Wir brauchen schließlich Kohlekraftwerke für den Fall, dass der Wind nicht bläst und keine Sonne scheint.

Können Sie sich den Neubau eines Kohlekraftwerkes vorstellen?

Joachim Rumstadt: Sicher. In Verbindung mit einer Fernwärmeversorgung, die von Krefeld bis Dortmund reicht, schließe ich auch den Neubau eines großen Kohlekraftwerks nicht aus. Unsere Fernwärmeversorgung im Ruhrgebiet ist vorbildlich, wir hatten jüngst Japaner zu Gast, die sehen wollten, wie wir das machen.

Derzeit würde nicht mal ein Gaskraftwerk neu gebaut.

Joachim Rumstadt: Das wird sich ändern. Um das Jahr 2020 herum werden neue Kapazitäten gebraucht, um einen wetterbedingten Ausfall der erneuerbaren Energien abzusichern. Da wollen wir bereitstehen, auch mit neuen Gas- und Dampfkraftwerken.

Wie wird die Steag in sieben Jahren aussehen?

Joachim Rumstadt: Wir werden einen Anteil an Erneuerbaren von 25 Prozent haben. Wir werden im Bereich von Service und Dienstleistungen wachsen, das Geschäft mit den kommunalen Versorgern ausbauen, Kraftwerke verstärkt auch für Dritte betreiben und instand halten …

. . . wo dann die Mitarbeiter aus den auslaufenden Kraftwerken Arbeit finden . . .

Joachim Rumstadt: … zum Beispiel. Und wir werden im Ausland wachsen.

Der Umsatzanteil im Ausland wird deutlich steigen?

Joachim Rumstadt: Ich rechne mit über 50 Prozent.

Um das Wachstum zu finanzieren, brauchen Sie einen Partner mit Geld.

Joachim Rumstadt: Eine wesentliche Weichenstellung für unsere Strategie hängt davon ab, was unser Hauptgesellschafter, das Stadtwerke-Konsortium, mit dem 49-prozentigen Anteil macht, den die Evonik abgibt. Bleibt er in kommunaler Hand, kommt ein Partner hinzu? Wir begleiten das und haben Interesse an einem langfristigen Gesellschafter mit Zugang zu Kapital.

Was halten Sie davon: Eine Inlands-Steag in kommunaler Hand, eine Auslands-Steag mehrheitlich in Besitz eines starken Partners?

Joachim Rumstadt: Wir verfolgen das Stammhaus-Konzept, eine Trennung hätte weitreichende Folgen. Man sollte sich aber alle Modelle anschauen.

Sie schütten jedes Jahr 100 Millionen Euro an den Stadtwerke-Verbund aus, da bleibt bei der Steag GmbH nichts mehr vom Jahresüberschuss für Investitionen übrig.

Joachim Rumstadt: Nein, die Ergebnisrechnung im Konzern sieht anders aus, wir erwirtschaften mehr als wir ausschütten, denn wir investieren ja auch – in den kommenden drei Jahren über eine Milliarde Euro.