Steag bietet Millionenbetrag für Vattenfall-Braunkohle

Stefan Schulte
Der Braunkohle-Tagebau muss langfristig gesichert sein, sonst will die Steag im Osten nicht einsteigen
Der Braunkohle-Tagebau muss langfristig gesichert sein, sonst will die Steag im Osten nicht einsteigen
Foto: picture alliance / dpa
Der Essener Energiekonzern Steag hat ein Kaufangebot für das Braunkohlegeschäft von Vattenfall abgegeben - stellt aber kaum erfüllbare Bedingungen.

Essen. Neben zwei tschechischen Energiekonzernen hat auch die Essener Steag ein Angebot für das ostdeutsche Braunkohlegeschäft von Vattenfall abgegeben. Das erfuhr diese Redaktion aus mit dem Verkaufsverfahren vertrauten Kreisen. Der schwedische Vattenfall-Konzern hatte dafür eine Frist bis Weihnachten gesetzt. Die einem Stadtwerke-Konsortium aus sechs Ruhrgebiets-Kommunen gehörende Steag hat nun eine unverbindliche Offerte eingereicht.

Die Essener bieten in einem Konsortium um den australischen Investor Macquarie dem Vernehmen nach einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag für den Tagebau und die Braunkohlekraftwerke in der Lausitz. Dies, obwohl das Interesse am klimaschädlichen Braunkohlegeschäft in Ostdeutschland in der Lokalpolitik des Reviers auf teils heftige Kritik gestoßen war.

Die Begeisterung bei Vattenfall dürfte sich aber in Grenzen halten: Im Ende September gestarteten Verkaufsprozess war der Wert des Geschäfts auf zwei bis drei Milliarden Euro geschätzt worden. Außerdem formuliert die Steag für einen Kauf Bedingungen, die Vattenfall nach aktuellem Stand kaum wird erfüllen können, an erster Stelle belastbare politische Rahmenbedingungen für die künftige Braunkohleverstromung in Ostdeutschland.

Die liegen freilich nicht in schwedischer Hand. Vielmehr zeichnet sich in Deutschland eine Debatte ab, die der in Schweden ähnelt – Richtung schnellerem Umstieg auf grünen Strom und damit hierzulande schnellerem Ausstieg aus der Braunkohle. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hat dies unlängst zum Ärger des NRW-Braunkohleverstromers RWE gefordert und dazu einen neuen deutschen Klimaplan bis 2050 angekündigt.

Es fehlt ein neuer Kohlekonsens

Die unsichere Zukunft der Braunkohle in Deutschland macht das Vattenfall-Geschäft für jeden Bieter derzeit zum schwer kalkulierbaren Wagnis. Für den von der Steag geforderten verbindlichen Rahmen bräuchte es einen neuen politischen Braunkohlekonsens mit auf Jahrzehnte belastbarem Fahrplan. Da der zumindest aktuell nicht in Sicht ist, halten Beobachter des Verkaufsprozesses es für möglich, dass Vattenfall ihn auf Eis legen könnte.