Stahlindustrie und IG Metall sehen US-Strafzölle als Vorbild

Essen.  Nicht ohne Neid und mit wachsenden Sorgen hat die hiesige Stahlbranche auf die gestern von den USA verhängten, harten Strafzölle auf chinesische Billigimporte reagiert. Was die unter dem Preisverfall leidenden deutschen Stahlkonzerne und die IG Metall seit Monaten fordern, machen nach den Australiern nun auch die Amerikaner auf drakonische Art vor: Auf kaltgewalzten Flachstahl aus China nehmen die USA satte 266 Prozent Strafzoll, auf kaltgewalzten Stahl 256 Prozent. Washington sieht Preisdumping als erwiesen an, sprich: Preise, die nicht einmal die Produktionskosten decken.

Die fraglichen Stahlsorten werden vor allem in der Autoindustrie verarbeitet, zum Teil sind es Konkurrenzprodukte auch für deutsche Erzeugnisse. Eine Sorge ist, dass chinesischer Billigstahl, der aufgrund der hohen Strafzölle in den USA nicht mehr verkauft wird, zusätzlich auf den europäischen Markt drängt.

Zwar kündigte die EU-Kommission unlängst ein effektiveres Vorgehen gegen Dumpingimporte an, doch wie schnell und wie hart Brüssel reagiert, ist offen. Laut Wirtschaftsvereinigung Stahl brauchen die US-Behörden derzeit im Schnitt fünf Monate, um Strafzölle auf bestimmte Stahlprodukte zu verhängen, die EU benötigt 10,5 Monate und ist damit doppelt so langsam. Die bisherigen Strafzölle blieben im zweistelligen Prozentbereich.

Knut Giesler, NRW-Chef der IG Metall, fordert schnellere Entscheidungen für neue Strafzölle aus Brüssel: „Zur Sicherung der Standorte und Arbeitsplätze brauchen wir sie jetzt“, sagte er dieser Zeitung. Auch Stahlpräsident Hans Jürgen Kerkhoff mahnt die EU zur Eile. Die USA reagierten „konsequent auf die Flut gedumpter und subventionierter Stahlimporte aus Staaten wie China“. Dass nach Australien nun auch die USA viel rigider vorgehen als Europa, bereitet ihm Sorgen. „Angesichts der internationalen Ungleichgewichte im Handelsschutz brauchen wir in Europa dringend eine Neuausrichtung in der Außenhandelspolitik“, sagte Kerkhoff.

 
 

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