Spanner-Affäre belastet Aldi Süd

Junge Frauen sollen gefilmt worden sein.
Junge Frauen sollen gefilmt worden sein.
Foto: ThinkStock
Mitarbeiter des Discounters Aldi Süd haben laut Medienberichten Kundinnen heimlich gefilmt und die Videos untereinander ausgetauscht. Dabei hätten es Aldi-Angestellte in Frankfurt, Dieburg und anderen hessischen Filialen vor allem auf Frauen in kurzen Röcken und tief ausgeschnittenen Tops abgesehen gehabt, so das Magazin.

Essen.. Jung, knackig, frisch. Diese Kriterien sollen für Aldi-Filialleiter nicht nur bei der professionellen Gemüseauswahl gegolten haben, sondern auch bei der voyeuristischen Betrachtung von Frauen. Dafür sprechen geheime sexistische Filmchen, über die der „Spiegel“ berichtet. Wenn Kundinnen in kurzen Röcken oder mit tief ausgeschnitten Blusen im Laden auftauchten, hätten Aldi-Männer ganz nah rangezoomt. Aber nicht nur dann. Auch später, an der Kasse, wenn Kunden mit EC-Karte zahlten und ihre Geheimzahl eingaben, sollen sie ausspähbar gewesen sein.

Die „Spiegel“-Story zeichnet ein unappetitliches Bild von Deutschlands Handelsriesen. Die heimlichen Schmuddelfilmchen sollen in hessischen Filialen der Kette Aldi Süd gedreht worden sein, darunter auch in Frankfurt. Mit versteckter Kamera gingen demnach Filialleiter gezielt auf Motivjagd. Sobald sich sommerlich leicht bekleidete Frauen vor Regalen bückten oder über Theken beugten, sollen Nahaufnahmen geschossen worden sein. Die Streifen mit den ahnungslosen Kundinnen seien später auf CD gebrannt und unter Aldi-Mitarbeitern getauscht worden.

Der Discounter ging gegenüber dem „Spiegel“ nicht auf einen konkreten Fall ein. „Sollte ein missbräuchlicher Umgang den Vorgesetzten bekannt werden, wird ein solches Vorgehen umgehend untersucht, unterbunden und zieht entsprechende disziplinarische Konsequenzen nach sich“, wird eine Aldi-Stellungnahme zitiert.

Sicher scheint: Der Discounter will über immer mehr im Bilde sein. Kameras wachen auch über die Kassenbereiche. Wie tief sie in die Privatsphäre eindringen, darüber gehen die Angaben auseinander. Aldi Süd sagte dem „Spiegel“, „dass die PIN-Eingabe keinesfalls einsehbar wird“. Doch Bilder, die dem Magazin vorliegen, sollen das Gegenteil belegen. „Eindeutig“ sei nicht nur das EC-Karten-Terminal zu sehen. Der Ausschnitt lasse sich auch per Joystick so weit heranzoomen, dass jede einzelne Ziffer erkennbar werde.

Aldi Süd relativiert. Die Daten seien „nur zur Sicherung von Beweismaterial nach außergewöhnlichen Ereignissen (Straftaten, Unfälle, Brände oder ähnliches)“ gedacht, entgegnet die Kette. Mobile Kameras dienten ausschließlich zum „Schutz unserer Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten vor Gefahrensituationen und Überfällen, zur Prävention und zum Schutz des Eigentums“.

Doch der Discounter soll nicht nur Kunden gefilmt, sondern auch Mitarbeiter überwacht haben. Mobile Kameraanlagen liefen bei Aldi Süd demnach nicht nur in Verkaufsräumen, sondern auch dort, wo es keinerlei Kundenkontakt gibt – und damit auch keine Hinweisschilder auf Kameras. In Zentrallagern sollen Aldi-Lagermitarbeiter und Speditionsbeschäftigte überwacht worden sein, ohne dass diese davon etwas ahnen konnten, berichtet das Magazin.

Es agelt Kritik. Der Datenschutzbeauftragte des Bundes, Peter Schaar, hält solch heimliche Überwachung für „unzulässig“. Jutta Reiter, Chefin der 170 000 Mitglieder starken DGB-Region Dortmund-Hellweg, fragt: „Lief das alles systematisch? Wurde es aktiv betrieben und geduldet?“ Falls ja, dann solle sich der Konzern warm anziehen. Reiter: „Wenn Aldi gegenüber Beschäftigten, Lieferanten und Kunden derart Missbrauch treibt, wird das der nächste Schlecker.“

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