So wollen Fastfood-Ketten den Mindestlohn aushebeln

McDonalds, Burger King, Nordsee und andere Gastro-Riesen wollen den Mindestlohn bei den Tarifverhandlungen aushebeln.
McDonalds, Burger King, Nordsee und andere Gastro-Riesen wollen den Mindestlohn bei den Tarifverhandlungen aushebeln.
Foto: WAZ FotoPool
Bei den Tarifverhandlungen wollen Systemgastronomen wie McDonalds, Burger King oder Starbucks den Mindestlohn aushebeln. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie sämtliche weiteren Zuschläge wollen sie abschaffen. Beschäftigte hätten dann wohl weniger Geld als jetzt. Die Gewerkschaft NGG ist empört.

Berlin.. Die großen Fastfood-Ketten wollen den gesetzlichen Mindestlohn aushebeln. Das berichtet die Berliner Zeitung. Der Bundesverband für Systemgastronomie (BdS), in dem etwa McDonalds,Burger King, Pizza Hut, Nordsee, Kentucky Fried Chicken und Starbucks zusammengeschlossen sind, hat unlängst ein überraschendes Angebot zum Auftakt der Tarifverhandlungen vorgelegt. Das Angebot dürfte eine Reaktion auf den, ab 2015 verbindlich geltenden, Mindestlohn sein.

Demnach würde der alte Mantelvertrag gekündigt werden - im neuen Vertragswerk sollen Urlaubs- und Weihnachtsgeld dann komplett entfallen. Gleiches gilt für die Zuschläge bei Überstunden, Sonn- und Feiertagsdiensten sowie für Nachtdienste. Auch die vermögenswirksamen Leistungen wollen die Arbeitgeber streichen.

Für die bundesweit mehr als 100.000 Beschäftigten würden die Entgelte zwar um bis zu 20 Prozent auf das Niveau des Mindestlohns steigen - aber die Mitarbeiter hätten trotzdem weniger im Portemonnaie als jetzt, empört sich die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) über dieses "Magerangebot".

NGG erwartet "erheblich besseres Angebot"

"Es kann doch nicht sein, dass infolge der Mindestlohneinführung die Beschäftigten weniger in der Tasche haben als vorher", sagte NGG-Vize Burkhard Siebert. In einer schriftlichen Stellungnahme kritisierte er die BdS-Offerte als "nicht verhandelbar". Die NGG erwarte "ein ernstzunehmendes, erheblich besseres Angebot“.

Die Gewerkschaft fordert unter anderem, dass es im Mantelvertrag keine Einschnitte gibt und dass in West- und Ostdeutschland das gleiche Geld für die gleiche Arbeit gezahlt wird. Zudem solle der neue Tarif zwölf Monate gelten.

Der Mindestlohn ändere das Tarifgefüge, sagen die Arbeitgeber

Dagegen verweisen die Fastfood-Riesen auf die Gesetzeslage: "Es ist vollkommen klar, dass wir das Gesamtpaket bestehend aus Entgelt- und Manteltarifvertrag neu schnüren müssen. Dies ist die zwingende Konsequenz aus der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns“, sagte BdS-Chefin Valerie Holsboer. Der Mindestlohn habe "Einfluss auf das Tarifgefüge und dessen Ausgestaltung". Das könnten auch die Gewerkschaften nicht leugnen.

Der Gastronomieverband bewertet die erste Verhandlungsrunde als schwierig. Eine weitergehende Stellungnahme war Dienstagnachmittag vom BdS nicht zu bekommen. "Es ist schwierig, sich innerhalb laufender Tarifverhandlungen zu äußern", sagte eine Sprecherin auf Nachfrage dieser Redaktion. Die Verhandlungen sollen am Mittwoch und Donnerstag in Berlin fortgeführt werden.

 
 

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