So präsentiert sich das Ruhrgebiet bei der Messe Expo Real

Für die Schenker AG baut der Projektentwickler Kölbl Kruse in der Nähe des Essener Hauptbahnhofs eine neue Zentrale.
Für die Schenker AG baut der Projektentwickler Kölbl Kruse in der Nähe des Essener Hauptbahnhofs eine neue Zentrale.
Foto: www.blossey.eu
Das Revier geht mit einem brandneuen Stand bei der Immobilienmesse Expo Real auf die Suche nach Investoren. Nachholbedarf gibt es bei Bürogebäuden.

Essen. Grenzen und Mauern sind abgeschafft, das gesamte Ruhrgebiet umgibt ein orangefarbenes Band. Die Einheit des Reviers, die im realen Leben auf sich warten lässt, wird bei der Expo Real, der größten internationalen Immobilienmesse in München, Wirklichkeit. Dort präsentiert sich das Ruhrgebiet ab Montag mit einem brandneuen Messestand und dem großen Ziel, internationale Investoren an die Ruhr zu locken.

„Wir müssen uns aufmachen, im Wettbewerb mit anderen Regionen zu bestehen“, gibt Rasmus C. Beck, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr (WMR), die Marschrichtung vor. Mit einem „neuen Geist“ und dem ersten Immobilienmarktbericht im Gepäck rühren ab Montag zehn Städte, zwei Kreise und 67 Partner-Unternehmen in München die Werbetrommel für das Ruhrgebiet.

Mehr Transparenz statt Blackbox

Dem Immobilienbericht kommt nach Einschätzung von Experten eine zentrale Rolle zu. „Das Ruhrgebiet war bislang eine nicht transparente Blackbox, die keine Investoren anzieht“, sagt Marcel Abel, Geschäftsführer der Düsseldorfer Immobilienberatung Jones Lang LaSalle, die im übrigen den Auftrag hat, für den Essener Warenhauskonzern Karstadt eine neue Firmenzentrale zu suchen. Der Immobilienbericht schaffe diese Transparenz.

Darin ist etwa zu lesen, dass im Revier in den vergangenen zehn Jahren 288 500 m2 Verkaufsfläche entstanden sind, was einem Zuwachs von 65 Prozent entspricht und eine entsprechende Anziehungskraft für Kunden aus dem Umland auslöst. Mit 210 Euro pro m2 auf dem Westenhellweg in Dortmund lassen sich hier sogar Spitzenmieten akquirieren.

Ein weiterer wichtiger Faktor sind die Büroimmobilien. 13,6 Millionen m2 gibt es davon im Ruhrgebiet. „Damit spielen wir in einer Liga mit Hamburg und München“, sagt Wirtschaftsförderer Beck. Die hiesige Leerstandsquote von fünf Prozent verheißt auf den ersten Blick einen erfolgreichen Markt. Die Experten sehen das aber anders. „Die leerstehenden Gebäude befinden sich meist in einem schlechten Zustand“, sagt der Essener Projektentwickler Stephan Kölbl. Da Unternehmen oft kurzfristig neue Büros suchen, haben sie in der Region schlechte Karten. Laut Immobilienberater Abel ist darin sogar „das größte Dilemma im Ruhrgebiet“ zu sehen. In Düsseldorf etwa stehen zehn Prozent der Büroimmobilien leer. Die Wahrscheinlichkeit, dort fündig zu werden, sei umso größer.

Bauen auch ohne Mietzusagen

Um die Angebotslücke zu schließen, fordert Kölbl, müssten Investoren im Ruhrgebiet damit beginnen, wie in Köln und Düsseldorf auch spekulativ, also ohne vorherige Mietzusagen, zu bauen. Das sei bislang daran gescheitert, weil es in der Region diese Kultur nicht gebe. Nach Einschätzung aller Experten gab es aber auch immer wieder Finanzierungsprobleme. Kölbl ist zuversichtlich, dass sich mit der Transparenzoffensive und der Vorlage des Immobilienmarktberichts auch in den Köpfen etwas verändern werde. „Durch mehr Transparenz wächst auch das Vertrauen der Banken, weil sie sehen, dass es die Nachfrage im Ruhrgebiet gibt.“

Dritter Wachstumsmarkt bleibt für Wirtschaftsförderer Beck die Logistik. Seit 2005 sind zwischen Kleve und Hamm drei Millionen m2 Logistikfläche entstanden.

 
 

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